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Stadt wiederholt ihren Gesamtschul-Antrag

Stadt wiederholt ihren Gesamtschul-Antrag

Schuldezernent Rolf Franzen findet es "unsäglich", dass die Landesregierung in Contwig eine Gesamtschule genehmigt hat. Jetzt müsse Zweibrücken wenigstens im zweiten Anlauf eine Chance bekommen.

Zweibrücken. Zweibrücken unternimmt einen zweiten Anlauf, eine Integrierte Gesamtschule (IGS) zu bekommen. Das hat gestern der Stadtrat auf Vorschlag der Stadtverwaltung einstimmig beschlossen. Die IGS soll ab dem Schuljahr 2011/12 in den Gebäuden der Mannlich-Realschule und Schiller-Schule (Hauptschule West) entstehen. Aus den Hauptschulen Mitte und Nord solle eine integrative Realschule plus werden. Hintergrund: Rheinland-Pfalz schafft die Hauptschulen bis spätestens 2013/14 ab.Den ersten Zweibrücker IGS-Antrag hatte die Landesregierung vorigen Sommer abgelehnt. Zweibrücken habe die demografische Entwicklung nicht ausreichend berücksichtigt und ihre Pläne nicht mit ihrem Nachbarn, dem Landkreis Südwestpfalz abgestimmt. In Contwig gibt es bereits seit diesem Schuljahr eine IGS.

164 Eltern befragter Drittklässler (70 Prozent) sprachen sie bei einer Befragung für eine IGS ab 2011/12 aus, begründete Schuldezernent Rolf Franzen (CDU) gestern den neuen Antrag. Der SPD war das zunächst zu wenig - Fraktionschef Fritz Presl forderte, den Antrag ans Land erst im März zu schicken, wenn auch die neuen Anmeldezahlen aus Contwig bekannt sind. Sonst bestehe "die große Gefahr, dass der Antrag abgelehnt werden muss, weil sich die Voraussetzungen gegenüber 2009 nicht verändert haben". Der Rat einigte sich darauf, diese Zahlen nachzureichen.

Franzen nannte es eine "unsägliche Situation, dass in Contwig eine IGS eingerichtet worden ist". Die Contwiger hätten sich zwar "frühzeitig bemüht - aber wenn die Landesregierung so eine Zäsur macht, muss sie in der Lage sein, alles was in der Röhre liegt zu stoppen und eine Abstimmung herbeiführen, wo in der Region eine IGS hingehört". Franzen fragte, "ob das Schwarzbachtal mit IGS'en zugepflastert werden muss - Contwig, Thaleischweiler-Fröschen und Waldfischbach-Burgalben". Natürlich meldeten sich auch Zweibrücker in Contwig an, so Franzen weiter.

Aber von den 61 Zweibrückern, die sich für das erste IGS-Jahr beworben hätten, seien nur etwa 25 aufgenommen worden. Dirk Schneider (SPD) sagte: "Wenn Zweibrücker Kinder in Contwig abgewiesen werden, bekräftigt das unsere Position."

Richard Scherer (CDU) sagte: "Zweibrücken hat in den letzten 30, 40 Jahren in der Schulentwicklung immer eigenverantwortlich gehandelt. Jetzt ist viel von Abstimmung die Rede - aber was ist denn dabei, wenn eine IGS der anderen Konkurrenz macht?" Zweibrücken. "Beim Service sind wir in den letzten Jahren auf die eine oder andere falsche Spur geraten", sagte der neue Vorstandschef der Sparkasse Südwestpfalz, Rolf E. Klein, gestern im Zweibrücker Stadtrat. "Es geht nicht mehr ohne Automaten, aber entscheidend ist der Kontakt von Mensch zu Mensch." Dafür sorgten allein in Zweibrücken, "unserem wichtigsten Markt", 80 Mitarbeiter. Kurt Zahler (SPD) fragte, ob 2007 geschlossene Filialen wie Rimschweiler wiederbelebt würden. Darüber werde "in Kürze an einem Runden Tisch" gesprochen, kündigte Klein an. "Aus heutiger Sicht hätte man damals die eine oder andere Entscheidung anders treffen können. Wir prüfen fünf, sechs Standorte, wo wir uns zurückgezogen haben, ob nicht eventuell zumindest wieder ein Automat aufgestellt werden kann - das ist aber ein riesengroßer Schritt." Bei der Sparkasse Südwestpfalz gebe es keine Kreditklemme. Seit der Fusion mit der Stadtsparkasse 1999 habe man an Zweibrücken zwei Millionen Euro Gewinn ausgeschüttet. lf

Meinung

Mit dem Kopf gegen die Wand

Von Merkur-RedakteurLutz Fröhlich

Durch Schaden wird man klüger - diese Lebensweisheit ist in der Stadtpolitik wohl unbekannt. Natürlich wäre es schön, hätte Zweibrücken eine Gesamtschule - doch braucht man dafür auch Schüler. Davon gibt es aber angesichts der sinkenden Geburtenrate im Zweibrücker Land auf Dauer nicht genug, um zwei Gesamtschulen zu füllen. Fakt ist, ob es einem gefällt oder nicht: In Contwig gibt es schon eine IGS. Rheinland-Pfalz wird kaum deren Schließung anordnen, weil Zweibrücken eine späte Liebe zu Gesamtschulen entwickelt hat. Eine Liebe, die offensichtlich auch blind macht. Anders kann man es nicht erklären, dass Schuldezernent Franzen gegen die IGS Contwig wettert, anstatt seine Hausaufgaben zu machen, nämlich seine Schulpläne mit denen der Nachbarn abzustimmen. Aber die Stadt rennt lieber zum zweiten Mal mit dem Kopf gegen die gleiche Wand. Gerade im Herzogtums-Jubiläumsjahr mutet es seltsam an, wenn Zweibrücken sich derart einigelt und die Stacheln gegen sein eigenes Umland ausfährt.