Grundfitness ist erforderlich So läuft der Sporttest der Polizei in Rheinland-Pfalz ab

Zweibrücken · Klimmzughang, Standweitsprung und Zwölf-Minuten-Lauf: Diese Hürden gilt es für Polizei-Bewerber in Rheinland-Pfalz zu überwinden. In Zweibrücken konnten Schüler den Sporttest unter Anleitung von Polizisten trainieren.

Der Zwölf-Minuten-Lauf ist eine anspruchsvolle Aufgabe für die Teilnehmer des Sporttests.

Der Zwölf-Minuten-Lauf ist eine anspruchsvolle Aufgabe für die Teilnehmer des Sporttests.

Foto: Samira Zimmermann

Rund 15 Schüler sind der Einladung der Polizeiinspektion Zweibrücken ans Westpfalzstadion gefolgt. Unter dem Motto „How to be(come) a cop“ gab es einen Vortrag. Im Anschluss daran ging es direkt in die Praxis. Die Teilnehmer konnten sich unter Anleitung der Polizeibeamten am Sporttest versuchen und haben dabei den ein oder anderen hilfreichen Tipp erhalten.

„Eine gewisse Grundfitness sollte man haben“, erklärt Kathrin Willer, Polizistin im Streifendienst. Für sie ist ihre Arbeit ein Traumberuf. „Morgens weiß ich nicht, was der Tag bringt“, sagt Willer. Deshalb sollten Bewerber eine bestimmte Flexibilität und Aufgeschlossenheit mitbringen, um sich auf schnell wechselnde Situationen einstellen zu können. Der kollegiale Zusammenhalt und der Rückhalt im Team seien stark, nicht zu vergleichen mit anderen Berufen. Zudem gebe es vielfältige Möglichkeiten, beispielsweise bei der Bereitschaftspolizei, bei der Kriminalpolizei, als Diensthundeführer oder bei der Wasserschutzpolizei.

Dennoch unterscheide sich die Tätigkeit bei der Polizei ein ganz schönes Stück von anderen. „Es ist schwer, auf einen Flyer zu drucken, warum der Beruf so interessant ist“, erklärt der Leiter der Polizeiinspektion Zweibrücken, Nicolai Zöller. Deshalb gebe es solche Veranstaltungen, damit das Ganze für Interessenten erlebbar werde. „Denn auch uns trifft der Fachkräftemangel“, erläutert Zöller.

Nachdem sich die Teilnehmer der Veranstaltung die Ausrüstungsgegenstände und Einsatzfahrzeuge genauer ansehen konnten, ging es auf die Laufbahn im Westpfalzstadion. Willer führt gemeinsam mit ihren Kollegen durch den Sporttest.

Beim Klimmzughang müssen sich die Bewerber schulterbreit, wahlweise im Kamm- oder Ristengriff an eine Metallstange hängen, sodass sich die Kinnspitze über der Stange befindet. Das Kinn darf nicht auf der Stange abgelegt werden. Ist die Klimmzughangposition erreicht, startet der Testleiter die Uhr. Die Mindestanforderung für Frauen liegt hier bei 15 Sekunden, für Männer bei 40 Sekunden. Testziel ist die Überprüfung der Kraftausdauer.

Der Testbaustein lasse sich zum Üben gut nachstellen, beispielsweise mit einer Klimmzugstange für zu Hause, Kletterparcours auf Spielplätzen oder im Fitnessstudio. Ergänzend kann die Zugkraft durch Klimm- oder Sitzklimmzüge trainiert werden.

Beim Standweitsprung steht der Bewerber im parallelen Stand an der Vorderkante der Absprunglinie. Der Absprung muss beidbeinig erfolgen. Dabei darf über den Zeitpunkt selbst entschieden werden. Das Schwungholen mit den Armen und das Beugen der Knie ist erlaubt. Die Landung erfolgt auf beiden Füßen. Ein Schritt nach vorne oder das Absetzen der Hände nach vorne zur Stabilisierung sind erlaubt. Männer müssen bei dieser Übung mindestens 1,60 Meter weit springen, Frauen 1,40 Meter. Testziel ist die Überprüfung der Schnellkraft und Beschleunigung.

Der Standweitsprung kann überall geübt werden, auf dem Sportplatz genauso wie im Park, auf der Straße oder in der Wohnung. Eine gute Vorbereitung auf die Übung sind Treppenläufe, Kniebeugen, Ausfallschritte, Sprungläufe. „Oder auch Burpees und das Seilspringen“, ergänzt Willer.

Zum Abschluss folgt der Zwölf-Minuten-Lauf. Dabei starten die Teilnehmer im Hochstart an der Startlinie. Bei Ermüdung muss weitergegangen werden. Die Mindestanforderungen bei den Frauen liegt bei 2100 Metern. Männer dürfen nicht weniger als 2500 Meter laufen. Testziel ist die Überprüfung der konditionellen Fähigkeit Ausdauer.

Für den sogenannten Cooper-Test ist eine gute Grundlagenausdauer nötig. Diese kann durch Läufe auf Zeit geübt werden. Ungeübte beginnen mit drei Minuten laufen, eine Minute gehen im Wechsel über 30 Minuten. Danach können sich Bewerber so lange steigern, bis die 30 Minuten durchgelaufen werden können. Ergänzende Trainingsmöglichkeiten sind das Intervalltraining mit Tempoläufen sowie Elemente des allgemeinen Lauf-ABCs zur Verbesserung koordinativer Abläufe.

Willer ist zufrieden mit der Veranstaltung. „Ich habe das Gefühl, es waren sehr motivierte und interessierte Leute hier“, schildert die Polizistin. Während Klimmzughang und Standweitsprung für die meisten Teilnehmer kein Problem war, stellte der Zwölf-Minuten-Lauf die größte Herausforderung dar.

Beim Klimmzughang und Standweitsprung haben alle Teilnehmer die vorgegebenen Mindestleistungen erreicht.

Beim Klimmzughang und Standweitsprung haben alle Teilnehmer die vorgegebenen Mindestleistungen erreicht.

Foto: Samira Zimmermann

Die Teilnehmer sehen den Nachmittag ebenfalls als gelungen an. „Ich bin gekommen, weil ich den Sporttest mal ausprobieren wollte“, erzählt Loris Ellrich. Das sei sehr gut möglich gewesen. „Es war eine informative Veranstaltung, auch wenn die Polizei schon einmal an meiner Schule war“, erzählt Elif Brill. Sie besucht die zwölfte Klasse am Helmholz-Gymnasium in Zweibrücken. Die Polizei ist ihre erste Wahl, denn dort kann sie ihren Sport, den Stabhochsprung, mit dem Beruf kombinieren.

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