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Sozialdemokraten verbuchen „Schulz-Effekt”

Sozialdemokraten verbuchen „Schulz-Effekt”

Seit der Nominierung des Kanzlerkandidaten verzeichnet die SPD auf Landes- und Westpfalz-Ebene eine Serie von konstanten Parteieintritten. Darüber freut sich auch der 2016 eingetretene Minister Wolf.

Seit der Ernennung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten der SPD können sich die Sozialdemokraten vor Zuspruch kaum mehr retten. Nicht nur in den Umfragen hat die Partei sehr viel Boden gutgemacht, auch die Mitgliederkartei füllt sich konstant. Den "Schulz-Effekt" spürt die Partei auch in Rheinland-Pfalz. Landesparteisprecherin Sonja Bräuer erläutert, dass zu Beginn 2016 rund 38 000 Personen einen Mitgliedsausweis der Sozialdemokraten ihr Eigen nennen konnten, Anfang 2017 nur noch 36 700. Dann kamen Schulz und "zahlreiche neue Mitgliedschaften". Bräuer: "Vom 24. Januar, an dem bekannt wurde, dass Martin Schulz Kanzlerkandidat der SPD sein wird, bis zum vergangenen Wochenende sind 350 Mitglieder in die rheinland-pfälzische SPD eingetreten."

Davon entfallen etwa 60 Neuzugänge auf den Bereich Westpfalz, wie dessen Geschäftsführer Juan Carlos Pendon Reyes erklärt. Es gingen seitdem "täglich zahlreiche Beitrittserklärungen ein, berichtet der Zweibrücker. Für eine aussagefähige Statistik sei der Zeitraum zwar noch zu gering. "Wir sind aber erfreut über den anhaltend stabilen Zuwachs. Es war keine Welle, sondern es ist ein kontinuierlich anhaltendes Beitreten", erklärt Pendon Reyes.

Auch in der Westpfalz waren die Parteizahlen zuvor im Sinkflug. Im Stadtverband Zweibrücken verminderten sich die Mitglieder von 413 (Ende 2015) auf 397 (7. Februar 2017). Im Landkreis Südwestpfalz sank die Zahl von 938 (Ende 2015) auf 899 (7. Februar 2017). Alleine 67 Mitglieder gaben das Parteibuch zurück. Bei der Landtagswahl im vergangenen Jahr war auch der Wählerzuspruch in der Region so gesunken, dass die Wahlkreise Pirmasens, Pirmasens-Land und erstmals Zweibrücken an die CDU fielen. "Es sei aber schwer zu beurteilen, ob der Mitgliederverlust alleine auf die politische Unzufriedenheit zurückzuführen ist", so Pendon Reyes. Wie viele Parteien habe auch die SPD sehr viele ältere Mitglieder und "leider treten immer mehr aus, oder werden gekündigt, weil sie in Pflege und unter Betreuung kommen. Wir bemühen uns zwar Patenschaften zu organisieren, aber dies muss immer von einem anderen Mitglied übernommen werden, was immer schwieriger wird." Außerdem versterben auch sehr viele von den starken Beitrittsjahrgängen, für Zweibrücken und den Kreis waren es zwischen 2015 und Anfang 2017 insgesamt 35 Sterbefälle.

Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Konrad Wolf (SPD) bewertete beim Merkur-Redaktionsgespräch den "Schulz-Effekt" als "sehr positiv". Einerseits sei das Potenzial der Partei in der Vergangenheit zu gering eingeschätzt worden. "Das macht sich jetzt bemerkbar", so Wolf, der noch als Parteiloser ins Ministeramt kam, im September aber den Sozialdemokraten beigetreten ist. Martin Schulz sei eine Person, die die Sympathien für die SPD fördere. Soziale Probleme im Blick zu haben, passe in die Zeit und sei notwendig.