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Sorge vor Corona-Virus: Zweibrücken schaltet in den Krisenmodus und erlässt neue Allgemeinverfügung

Das öffentliche Leben wird stark zurückgefahren : Zweibrücken schaltet in den Krisenmodus

Von Donnerstag an bis vorerst 19. April gilt eine „Allgemeinverfügung“ der Stadt. Gauf bedauert „schwere Einschnitte“ für die Bürger.

„Wir treten mit beiden Füßen auf die Bremse“: Bürgermeister Christian Gauf (CDU) machte am Dienstag in einer Pressekonferenz im Rathaus klar, dass das öffentliche Leben in Zweibrücken in den kommenden Wochen angesichts der Corona-Krise massiv zurückgefahren wird.

Gauf informierte im Ratssaal über die Details. An seiner Seite die Beigeordnete Christina Rauch (CDU), die Geschäftsführer der beiden Stadttöchter UBZ und Stadtwerke, Werner Boßlet und Werner Brennemann sowie weitere Rathaus-Mitarbeiter.

Der Bürgermeister sagte, die Stadt habe mit ihren Töchtern ein Lagezentrum gebildet, um koordiniert vorzugehen. Es sei eine neue Allgemeinverfügung erlassen worden (siehe Anzeigen der Stadt unten auf dieser Seite) – „damit haben wir die Vorgaben des Bundes eingearbeitet“, so Gauf.

Die neue Allgemeinverfügung, die am Donnerstag in Kraft tritt, sehe „einschneidende Maßnahmen“ vor. Es äußerst bedauerlich, dass die Freizügigkeit der Bürger derart eingeschränkt werde. „Aber diese Maßnahmen sind notwendig, um die Bürger zu schützen“, so Gauf. Das Corona-Virus dürfe nicht weiter um sich greifen, dieses Ziel überstrahle alles, persönliche Belange müssten hintenan stehen.

Mittlerweile gibt es drei bestätigte Erkrankungen in unserer Region: Zwei Betroffene sind aus der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, eine weitere Person kommt aus der Dahner Gegend, wie der Landkreis Südwestpfalz mitteilte. Einen offiziell bestätigten Fall in Zweibrücken gibt es nach wie vor nicht.

Aber bei diesen niedrigen Zahlen werde es nicht bleiben, machte Gauf deutlich. „Die Forscher sagen, wir stehen noch ganz am Anfang.“

Auch wenn sich die Lage sehr ernst darstelle, sei es doch wichtig zu betonen, so Gauf: „Man muss keine Angst haben, wenn man sich vernünftig verhält.“ Das war auch der Tenor der Pressekonferenz. Den Ernst der Lage erkennen, sich klug verhalten – aber nicht in Panik verfallen. Das machte auch die Beigeordnete Rauch deutlich. Besonnenheit sei das Gebot der Stunde.

Der Bürgermeister sagte, es habe zuletzt in den Sozialen Medien Fragen gegeben, wo denn Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) sei, er melde sich in dieser schweren Zeit gar nicht zu Wort. Gauf wies daraufhin, dass Wosnitza im Urlaub sei – und diesen zum Wochenende hin abbrechen wolle. Er sei in Gesprächen mit seinem Reisebüro, es müsse ein neuer Rückflug arrangiert werden, das sei alles kompliziert (nach Merkur-Informationen ist der Oberbürgermeister nach Australien gereist).

Wenn man anfangen wollte, aufzuzählen, welche Geschäfte und Einrichtungen ab morgen in Zweibrücken geschlossen sind, wäre die Liste lang. Umgekehrt ist es deutlich kürzer: Geöffnet haben nur noch Adressen, die wichtig für die Versorgung der Bürger sind, wie Lebensmittel-Geschäfte. Auch Restaurants und andere Läden dürfen öffnen, allerdings erheblich eingeschränkt und unter strengen Auflagen.

UBZ-Chef Werner Boßlet sagte, der Wasserspielplatz „Stadt am Wasser“ werde geschlossen. „Natürlich können wir da keinen Zaun drumherum ziehen. Wir stellen Hinweisschilder auf. Und appellieren an alle, sich daran zu halten“, mahnte Boßlet. Der Wertstoffhof in der Schlachthofstraße ist ab Freitag geschlossen. Für die Deponie im Rechenbachtal gilt: Hier werden nur noch gewerbliche Anlieferungen abgefertigt; die Deponie ist samstags geschlossen.

Für den UBZ gelte es, die Kräfte zu bündeln, um die dringlichen Aufgaben wie Müllabfuhr und Stadtreinigung sicherzustellen. Das sei herausfordernd genug, die Fahrer der Laster würden getrennt, sie erschienen jetzt zu unterschiedlichen Zeiten, um sich möglichst aus dem Weg zu gehen.

Kontakte vermeiden: Das ist das zentrale Anliegen, das jegliches Handeln der Stadt nun dominiert. Gauf sagte, der für heute anberaumte Jugendhilfeausschuss und der für morgen angesetzte Kulturausschuss seien abgesagt. Im Rathaus werde möglichst via Telefon oder Mail kommuniziert, bei persönlichen Treffen werde auf Abstand geachtet.

Die Beigeordnete Rauch sagte, die Kulturveranstaltungen der Stadt seien „bis in den Juni hinein“ abgesagt worden. Niemand wisse, wie lange die Corona-Krise die Stadt in der Zange habe, unter diesen Umständen herrsche keine Planbarkeit.

Rauch appellierte an die Bürger: „Bitte bleiben Sie zuhause! Schützen Sie sich selbst. Stellen Sie die Sozialkontakte ein – zu Ihrem Schutz und dem Schutz anderer.“

Auch am Dienstagabend herrschte an der Corona-Station am Nardini-Klinikum reger Andrang. DRK-Mitarbeiter Stefan Mayer sagte auf Anfrage, diesmal seien 53 Personen gekommen (am Abend zuvor waren es 52, wir berichteten). Wieder seien Patienten aus anderen Orten, etwa Glan-Münchweiler, gekommen. Diesmal seien sie weggeschickt worden. Damit machte das DRK seine Ankündigung von Montag (wir berichteten) wahr.

Die Tafel Zweibrücken teilte am Abend mit, es gebe am Donnerstag noch einen „Noteinsatz“, danach sei die Tafel bis Ende April geschlossen.