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Sommerfest der Stadtkapelle Zweibrücken

Sommerfest der Stadtkapelle Zweibrücken : Ein Tag voller Musik auf dem Schlossplatz

Das erste musikalische Sommerfest, zu dem die Stadtkapelle Zweibrücken zusammen mit befreundeten Musik-Formationen eingeladen hatte, war ein voller Erfolg. Neben der spürbaren Spielfreude übertrugen sich auch die mitreißenden Melodien auf das immer wieder wechselnde Publikum.

So viel Publikum hatte die Stadtkapelle wohl noch selten. So lange musiziert am Stück allerdings auch nicht. Zum ersten Mal hatte Zweibrückens musikalisches Aushängeschild für Samstag zu einem Sommerfest auf den Schlossplatz eingeladen. Es herrschte ein ständiges Kommen und Gehen. Zur Mittagszeit füllten sich vor allem die Biergarnituren, mit denen das „Bit am Schloss“ erheblich aufgerüstet hatte für diesen Anlass, und auch die eigens dafür aufgestellten Tische an „Udo‘s Grillstand“ zusehends. Auf Grund der zunehmenden Temperaturen blieben die Plätze neben dem Springbrunnen mitten in der Sonne dafür meist leer.

Die über 100 Musiker unter Leitung von Björn Weinmann hatten sich mit ihren verschiedenen Formationen wohlweislich unter den Arkaden platziert und wirkten selbst im fortgeschrittenen Nachmittag noch so spielfreudig wie Stunden zuvor. Bei dem abwechslungsreichen Programm und dem großen Repertoire, aus dem der Kapellmeister schöpfen kann, wurde niemandem langweilig. Zumal er spontan den nächsten Titel entschied und so immer wieder für Überraschung auch bei seinen Bläsern sorgte.

Bekannte Märsche wie „Arsenal“ oder der „Yorktown“ und der „Manchester-Marsch“ wechselten mit verschiedenen Medleys von „Sister Act“ oder „Wickie“ zu Santana oder Queen bis hin zu beliebten Evergreens, etwa aus der Feder von Hermann Kahlenbach. Der langjährige Leiter der Stadtkapelle Saarbrücken war für seine Kompositionen und originellen Arrangements bekannt.

Für richtig Stimmung auf dem Platz sorgten auch die „The Two Bridges Drumline“ der Herzog-Christian-Musikschule unter Leitung von Stephan Brandt. Der Schlagzeuglehrer hatte zusammen mit seinen Schülern eine Formation ins Leben gerufen, die nicht nur regelmäßig fleißig probt, sondern das Publikum regelrecht zum Kochen brachte. Mit Trommeln, Snares und Agogo Bells bewiesen sie, dass Percussion ebenso mitreißend wie abwechslungsreich sein kann.

Sogar optisch setzen sich die sechs Musikschüler zwischen elf und 30 Jahren und ihr Lehrer in Szene. Mal bauten sie, in einem Dankesdiener verharrend, Spannung auf. Gelöst wurde diese, indem die Trommler nacheinander loslegten. In diversen Soli präsentierte jeder sein Können. Mit brasilianischen Samba-Rhythmen brachten sie manchen aus dem Publikum sogar zum Tanzen. Ein Riesenapplaus belohnte Ben, der gefühlt endlos seine Agogo Bell im gleichbleibenden Rhythmus spielte und in Kommunikation mit den übrigen Musikern eintrat. In Stephan Brandts komponierten Frage-Stück „Warum arbeitet Dr. Manhattan nicht beim Robert-Koch-Institut?“ rotierten die drei erfahrensten Perkussionisten spielenderweise sogar rückwärts um ihre Instrumente herum. Ein großartiger Kontrast zu der ebenfalls mitreißenden Blasmusik. Den Nachmittag gestalteten die Big Band und die Bläserklassen der Stadtkapelle.

Um 17 Uhr wechselten Klang und Repertoire, als der Musikverein Harmonie Gersheim, ebenfalls unter Leitung des nimmermüden Saarländers Björn Weinmann, von klassischer Volksmusik bis hin zu beliebten Gassenhauern wie „Musik ist Trumpf“ oder dem „Kriminal-Tango“ erklingen ließen. Bei „In München steht ein Hofbräuhaus“ begann die eine oder andere Zuhörer-Gruppe tatsächlich zu schunkeln.

Unter anderem Bass-Posaunist Volker Lehner kannte ebenfalls kein „Genug“ und ersetzte kurzerhand den erkrankten Gersheimer Kollegen. Der Vorsitzende des Fördervereins lacht: „Das ist jetzt meine vierte Formation für heute.“ Den Abend gestaltete Uwe Schröer, der nicht nur lecker kochen, sondern auch mit Herzblut musizieren kann, zusammen mit Musikerkollegen in einer Spontansession. Da der Schlagzeuger ausgefallen war, klang das erste musikalische Sommerfest eher gemütlich aus.

Die Familie Thormeyer mit Mutter Elke, Vater Jörn und den erwachsenen Kindern Eike und Lara waren auf Besuch in der Geburtsstadt der Mutter. Diese lobte: „Hier sieht zwar noch vieles so aus wie früher, aber in der Stadt herrscht viel mehr Leben.“ Die Klänge der Musik hatten das Quartett vom Wochenmarkt an den Schlossplatz gelockt. Eike war begeistert von der Atmosphäre und der Möglichkeit, sich „hier einfach auf die Treppen zu setzen und zuzuhören“.

 „The Two Bridges Drumline“ unter Leitung von Stephan Brandt (3. v.r.) brachte den Zweibrücker Schlossplatz mit ihren Rhythmen und außergewöhnlicher, überraschender Inszenierung zeitweise zum Kochen.
„The Two Bridges Drumline“ unter Leitung von Stephan Brandt (3. v.r.) brachte den Zweibrücker Schlossplatz mit ihren Rhythmen und außergewöhnlicher, überraschender Inszenierung zeitweise zum Kochen. Foto: Cordula von Waldow

Am Ende des für sie langen Tages waren die Musiker dann doch „ein bisschen müde und sehr glücklich“. Wird es eine Wiederholung geben? Volker Lehner und Björn Weinmann schmunzeln. „Denkbar. Aber nicht gleich morgen.“