Solidarität mit dem Krankenhaus

Wut auf das Management und Lob für die Arbeit der Beschäftigten: Dieser Zweiklang bestimmte am Samstag die Reden und Transparente bei der Demonstration für den Erhalt des Evangelischen Krankenhauses.

Über 500 Teilnehmer haben am Samstag für den Erhalt des Evangelischen Krankenhauses Zweibrücken demonstriert. Der lange Lindwurm bewegte sich ab zehn Uhr vom Schlossplatz durch die Stadt. Dabei waren viele Köpfe von Schirmen bedeckt, so dass trübes Wetter und Stimmung von Farbtupfern zumindest visuell aufgehellt wurden. Es goss in Strömen, aber dennoch waren die Teilnehmer hoch motiviert. Für die entsprechende Akustik während des Marsches durch die Stadt und bei der Kundgebung sorgte ein lautstarkes Trillerpfeifen-Konzert.

Auf dem Weg zum Herzogplatz vors Rathaus gesellten sich immer mehr Teilnehmer als Solidaritätsbekundung dem Demonstrationszug hinzu. Die Fußgängerzone sieht solche Menschenmengen sonst eigentlich nur während des Stadtfestes. Die Zukunft eines Krankenhauses bewegt auf ganz andere Art und Weise. Und bewegende Momente gab es mehrere bei der Kundgebung.

Als Erste ergriff Mitarbeitervertreterin und Organisatorin Silvia Bezold das Wort auf dem Herzogplatz. Riesige Enttäuschung wie bei fast allen Mitarbeitern klang bei ihr an, als sie vom EvK als der gemolkenen Kuh sprach. "Man schlachtet uns aus, wir verlieren alles." "Geboren in Zweibrücken " soll es dann künftig nicht mehr geben. Bezold bedankte sich auch bei vielen Anrufern und Schreibern, die sich solidarisch zeigten. Stolz sei sie auch auf Patientenfragebögen, in denen stehe beziehungsweise angekreuzt sei: "familienfreundlich", "nahe am Patienten", "Aufmerksamkeit", "Geborgenheit". Eine Schließung könne man sich nicht vorstellen. Bezolds Appell an Politik und Kirche: "Keine salbungsvollen Worte, sondern Taten. Setzt euch für uns ein!"

Thilo Brach, Pfarrer in Winterbach und als geistlicher Vertreter von Dekan Peter Butz anwesend, beleuchtete die kirchliche Seite: "Wir stehen hinter euch. Solidarität ist ein Muss." Man müsse unterscheiden zwischen der Kirche und den fürs Krankenhaus Verantwortlichen beim LVIM. Brach hielt bei seiner Ansprache eine Tafel mit dem Bibelzitat "Suchet der Stadt Bestes" nach oben. Er mache sich, sagte er, selbst einen Vorwurf, da die Kirche zu lange geschwiegen hätte und deshalb eine Mitverantwortung an der Situation trage. Das Evangelische Krankenhaus sei ein Stück Zweibrücker Stadtkultur.

Oberbürgermeister Kurt Pirmann (SPD ) wurde während seiner Rede von einer Kundgebungsteilnehmerin demonstrativ zur Solidarität aufgefordert. Dabei betonte Pirmann, auch selbst im Evangelischen Krankenhaus geboren zu sein. Schon deshalb liege es ihm am Herzen. Die mehr als 90-jährige Geschichte des EvK dürfe "nicht im Desaster enden". Die derzeitige Situation sei keinesfalls die Schuld der Mitarbeiter, fehlender Motivation oder fehlender ärztlicher Kunst. Jahrelang habe der LVIM Gewinne abgeschöpft und das EvK als "Milchkuh für andere Einrichtungen" missbraucht. Die Fehler seien eindeutig im Management der Chefetage entstanden. Pirmann übte scharfe Kritik an Ex-Vorstandschef Rainer Wettreck und kritisierte, nach dem Weggang der Chefärzte habe die LVIM-Führung "eigentlich nur noch inszeniertes Theater" aufgetischt. "Man versuchte, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen."

Verbandsgemeinde-Bürgermeister Jürgen Gundacker (SPD ) sprach von einem Krankenhaus mit Emotionen und vorbildlicher Arbeit. Auch er stellte den LVIM mit seinen undurchsichtigen Strukturen an den Pranger. Völlige Transparenz müsse gewährleistet sein. Wie komme es zu 20 000 bis 30 000 Euro Verlust pro Tag? Die Kirche übernehme nur einen Teil der Verantwortung. Der Vorsitzende des LVIM sei heute auch nicht anwesend.

Christoph Gensch (CDU ), neuer Landtagsabgeordneter und ehemaliger Arzt am EvK, sprach von "super Teamarbeit" und "Wohlfühlfaktor", zerstört durch katastrophales Management und Dilettantismus. Es müsse unter anderer Verantwortung weitergehen. "Wir wollen den 100. Geburtstag sehen", rief Gensch den Demonstranten und dem LVIM zu.

Auch Kirchenpräsident Christian Schad nutzte die Gelegenheit und ergriff das Wort, um seine Solidarität mit den Mitarbeitern des EvK zu bekunden. Dabei wurde seine Rede immer wieder von Pfiffen und missbilligenden Zurufen begleitet. Hoffnung weckte Schad mit seiner Mitteilung, es seien seit letzter Woche interessierte Investoren vorhanden und ernsthafte Gespräche zugesagt. Außerdem müssten bei einer Schließung keine Mitarbeiter fürchten, auf der Straße zu sitzen. Alle würden sozialverträglich übernommen - und zwar ohne deshalb etwa nach Speyer fahren zu müssen.

Meinung:

Auch Land und Nardini sind gefragt

Von Merkur-Redakteur Lutz Fröhlich

Keine salbungsvollen Worte, sondern Taten. Setzt euch für uns ein!" Diesen Worten von Mitarbeitervertreterin Silvia Bezold bei der Demo kann man nur zustimmen. Wer aber kann sich einsetzen? Und vor allem: Wie? Die Hoffnung auf Investoren ist sehr vage. Deshalb gilt es, schon jetzt Lösungen für die rund 400 Beschäftigten im Fall einer Schließung zu suchen. Erfreulich ist, dass Kirchenpräsident Christian Schad im Gegensatz zu LVIM-Vertretern den Mut hatte, zu den Demonstranten zu sprechen. Und vor allem, dass er versprochen hat, alle Beschäftigten woanders unterzubringen. Denn das verpflichtet die Evangelische Kirche der Pfalz. Aber: Sie hat gar nicht genug Einrichtungen, um 400 überwiegend medizinisch Beschäftigte in unserer Region unterzubringen. Deshalb sind auch andere gefragt, sich einzusetzen. Vor allem die Landesregierung: Sie muss auch das katholische Nardini-Klinikum in die Pflicht nehmen. Dieses würde von einer EvK-Schließung massiv profitieren - will sich personell aber nur ein paar Rosinen herauspicken. Mainz hat über die Finanzierung baulicher Investitionen (immerhin acht Millionen Euro zur Übernahme der Inneren Medizin des EvK) und den Landeskrankenhausplan genug Einflussmöglichkeiten.