1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Silvia Bervingas liest aus Christine Brückners Monolog der Ehefrau Goethes

Silvia Bervingas liest : Generalabrechnung bei Rotwein

Silvia Bervingas liest aus Christine Brückners Monolog der Ehefrau Goethes

Christiane von Goethe, geborene Vulpius, spricht in Christine Brückners Buch „Wenn du geredet hättest, Desdemona : ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“, einem fiktiven Monolog, über sich, ihren Ehemann und über die Nebenbuhlerin Freifrau Charlotte von Stein, Oberhofstallmeistergattin, die Leerung einer Karaffe Rotwein lang.

Als die Karaffe leer ist, ist Christiane halbvoll und da entgleist denn auch leicht der Monolog, indem ganz Privates der Eheleute zur Sprache kommt: Goethe als verliebter Bettgenosse, dem auch hier die Fantasie nicht ausgeht. Auf seiner Italienreise hatte Goethe die Schönheit und auch Zweckmäßigkeit des weiblichen Körpers erfahren und klopfte, ganz Dichter auch hier, einer Römerin den Hexameter auf den nackten Rücken. Kaum in Weimar zurück, tat er‘s bei seiner Vulpius ebenso.

In ihrem Monolog geht sie die gemeinsamen Jahre durch, den Anstieg ihres gesellschaftlichen Aufstiegs in Schopenhauers (unseres beliebten Philosophen Mutter) literarischem Salon und immer so weiter. Insgesamt eine hübsche satirisch unterlegte Abrechnung Christianens mit Charlotte. Goethes dickere Hälfte, verspotteten die Mitmenschen Christiane, sie aber, sagt sie, sei lieber die Geliebte eines großen Mannes als die Ehefrau eines kleinen Mannes. Lieber rund als runzelig, wie Goethe es eben liebte.

Soweit die eine Seite von Bervingas‘ Lesung, einer gestenreichen, eindrucksvollen Performance, wie wir es von ihr kennen. 15 Literaturfreunde, mehr durften es coronabedingt nicht sein, genossen das Dasein im intimen Hof hinter dem Mannlichhaus, der so ganz aus der hektischen Zeit gefallen scheint. Oben im Haus waltet der Geist Mannlichs, nicht nur in seinen herrlichen Vogelbildern, unten im Hof Goethes gewissermaßen, beides Zeitgenossen, wobei der Eine vom Anderen wohl wusste.

Übrigens gibt’s demnächst Jubiläen zu feiern, sagt Notar Ulrich Schmitz von der Kulturgutstiftung Gehrlein Fuchs, der das Mannlichhaus gehört: Demnächst steht Mannlichs 200. Todestag an und auch noch ein 250 Jahre altes Ereignis. Kultur ganz sicher ohne lustraubende Masken.