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Sicherheitsrisiko: Zweibücken baut Bikepark für Mountainbiker zurück

Stadt reißt privaten Bikepark im Zweibrücker Fasaneriewald ab : Illegale Mountainbike-Strecke im Wald gebaut

Seit einem halben Jahrzehnt plant Zweibrücken einen Bikepark für Mountainbiker. Heimlich haben Privatleute einen gebaut – doch die Stadt zerstört ihn aus Sicherheitsgründen. Und macht den Erbauern ein Angebot.

Unbekannte haben im Zweibrücker Stadtwald einen Bike­park mit Sprungschanzen, Holzwällen und Steilfahrrampen neben anderen Elementen im Stadtwald angelegt. Eine Erlaubnis dafür wurde dafür bei der Stadt Zweibrücken als Waldeigentümerin nicht eingeholt. Aus haftungsrechtlichen Gründen müssen deshalb die in mühevoller Kleinarbeit geschaffenen Anlagenteile im Fasaneriewald oberhalb der Annweiler Straße beseitigt werden. Das teilte die Stadt am Donnerstag bei einer hochkarätig besetzten Pressekonferenz vor Ort im Grünen mit.

Wer den „Bikepark“ schuf, ist unbekannt, Oberbürgermeister Marold Wosnitza (SPD) vermutet Jugendlich oder junge Erwachsene. Die Stadt wird diesbezüglich aber keine Nachforschungen oder gar Anzeige erstatten. Handeln muss sie dafür sofort. Noch am Donnerstagnachmittag begannen die Rückbauarbeiten.

„Was hier widerrechtlich wohl in mühevoller Kleinarbeit geschaffen wurde, verrät im Grunde viel Intuition, Fachwissen und Begeisterung zum Biken auf besonderen Pfaden,“ stellte Oberbürgermeister Wosnitza anerkennend fest. Und ging sogar noch weiter: Er würde sich freuen, wenn solches Wissen von aktiven Trail-Enthusiasten in die aktuellen städtische Überlegungen zum Schaffen eines „öffentlichen Bikeparks“ einfließen würde.

Das Aus für die heimlich geschaffenen Sportanlage an der beschriebenen Örtlichkeit des Fasaneriewaldes in Fortsetzung des Ehrgartenweges und der Jakob-Locher-Straße ist für die Stadt dennoch alternativlos. Wosnitza sagte zu Beginn des Pressetermins: „Das, was hier entstanden ist, muss weg – Ihr werdet sehen, warum.“

Die Stadtbeigeordnete und Ordnungsdezernentin Christina Rauch (CDU) war ebenso zugegen wie die Leiter von Ordnungsamt, Liegenschaftsverwaltung, Sportamt, Bauamt sowie der stellvertretende Leiter des Forstamtes Westrich, Florian Kemkes. Nicht grundlos, denn auch gegen die Vorschriften des rheinland-pfälzischen Waldgesetztes haben die Urheber dieses Bikeparks (vermutlich unbewusst) verstoßen. Allerdings, das erklärten Oberbürgermeister wie auch der Vize-Forstamtsleiter unisono: Keine Anzeigen, keine Täterermittlung! Allein Schadensbegrenzung nimmt die Stadt vor durch Wiederherstellen des ursprünglichen Waldzustandes weil, wie Wosnitza mehrfach betonte: „Die Stadt als Waldbesitzerin ist in der Haftung!“

Hinweise von Spaziergängern, Hundehalten, Joggern und auch Mountainbikefahrern, welche die ausgewiesenen Waldwege statthafterweise nutzen, brachten die Stadt auf die Spurensuche. Was die Verantwortlichen mit dem Oberbürgermeister an der Spitze dort im Grünen sahen, rief Erstaunen und Kopfschütteln zugleich hervor: Angelegte schmale Trail-Wege im abschüssigen Fasaneriewald, säuberlich gesägte und aufgeschichtete Rundholzstämme in unterschiedlichen Stärken als Sprunghindernisse. Absprungpassagen über Felsvorsprünge gibt es ebenso und ein mit Wasser gefüllte, Bunkereinstieg aus der Westwallzeit ist in die Streckenführung eingebunden. Die Gesamtlänge des Parcours kennen die Stadtverantwortlichen nicht.

Mit rotweißen Sperrbändern und der Aufschrift „Lebensgefahr“ ist das Waldterrain derzeit weitläufig abgesperrt. Peter Ernst, Leiter der Liegenschaftsabteilung, erinnerte an die Haftungszuständigkeit der Stadt. Florian Kemkes als Vertreter des Landes sprach die Nutzung des Waldes durch Biker an, die nur auf den ausgewiesenen Waldwegen statthaft sei. Im Waldbestand selbst wie hier vor Ort sei das jedoch nicht der Fall. Viel wichtiger allerdings sei der Gesichtspunkt Haftung. „Der Besitzer haftet, wenn hier etwas bei den Aufschüttungen, Abgrabungen und dem, was für den Bikepark geschaffen wurde, etwas passiert. Ein weiterer Haftungspunkt ist der Wald mit seinem Totholz.“

Ordnungsamtsleiter Klaus Stefaniak sprach die Beschwerden von Eltern und Erholungssuchenden in diesem Teilbereich des Fasaneriewaldes an. Rasende Mountainbiker hätten Kinder und ältere Menschen gefährdet.

Bauamtsleiter Christian Michels machte auf die Möglichkeiten von Erosionsschäden aufmerksam.

Die (auch für Sport und Tourismus zuständige) Beigeordnete Rauch erinnerte an die Absicht der Stadt, eine sichere Mountainbike-Strecke in Zweibrücken zu schaffen. Vorbilder seien schon besichtigt worden (Stromberg), die Geländesuche in der Rosenstadt noch nicht abgeschlossen. Die Stadt soll auch in diesem Bereich weiter entwickelt werden, doch es müsse alles zusammen passen. Gerade ins Tourismuskonzept für die Fasanerie, wie Rauch feststellte und auch an die Diskussionen im Stadtrat sowie mit Fahrradbegeisterten erinnerte. Erste (zunächst gescheiterte) Bikepark-Pläne hatte die Stadt schon 2015/16 verfolgt.

Es gehe nicht darum, diejenigen zu suchen oder zu finden, die die Anlage geschaffen habe, betonte Oberbürgermeister Wosnitza abschließend nochmal. „Hier steckt extrem viel Energie, viel Kreativität drin. Aber, so geht es einfach nicht. Wir bieten Zusammenarbeit, rechtlich abgesichert, aber so geht es nicht. Es ist Potenzial da, das sieht man. Aber die vielen negativen Seiten wie ungeklärte Rettung, Sicherheitsaspekte und der Dinge mehr können nur zum Rückbau führen.“ Ein abgestimmtes Konzept, um verschiedene Radfahrformen in der Stadt zu etablieren, verhindere aber nicht die Zusammenarbeit, lud der OB die „Macher“ des Kurzzeit-Bikeparks ein, sich bei der -Stadt zu melden.

Sportamtsleiter Thomas Deller ergänzte: „Sport ja, aber mit Sicherheit. Absolut begrüßenswert, doch sicher muss es sein!“

 Christina Rauch und Marold Wosnitza inspizieren eine der Gefahrenquellen durch die von Mountainbikern angelegten Hindernisse.
Christina Rauch und Marold Wosnitza inspizieren eine der Gefahrenquellen durch die von Mountainbikern angelegten Hindernisse. Foto: Norbert Schwarz

Erinnerung an Dollenweg: Bereits 2013 hatte die Stadt aus Haftungsgründen einen privat angelegten (Wander-)Weg zurückgebaut, den Dollen-Henrich-Weg in Oberauerbach. Der (damals noch nicht amtierende) Oberbürgermeister Wosnitza dürfte mit seiner offenen Informationspolitik die Riesen-Aufregung von 2013 allerdings vermeiden: Damals hatte die Stadt den Weg in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zerstört, selbst Oberauerbacher Politiker gingen zunächst von Vandalen als Tätern aus – bis der Merkur bei Recherchen herausfand, dass die Stadt verantwortlich war.