Zweibrücker Verein „Herz für Tier und Mensch“ Mitgefühl und Verantwortung zeigen

Zweibrücken · Ein Tag auf dem Seelenhof bei dem Verein „Herz für Mensch und Tier“ ist etwas Besonderes. Hier stehen Pferde und Ponys, die ein neues, lebenswertes Leben geschenkt bekommen. Kinder lernen, respektvoll mit ihnen umzugehen.

 Der große Marty ist einer der Lieblinge, den Doris Kreitner den Kindern auf dem Seelenhof vorstellt.

Der große Marty ist einer der Lieblinge, den Doris Kreitner den Kindern auf dem Seelenhof vorstellt.

Foto: Cordula von Waldow

„Wer bist du?“ Diese Frage stellten sich die Kinder und Pferde auf dem Seelenhof, dem Gnadenhof gleich neben Aldi in der Homburger Straße in Ernstweiler, wohl gegenseitig. Zunächst einmal wollten die Kinder, die auf Einladung des Kinderschutzbunds Zweibrücken im Rahmen des Herbstferien-Progamms den Seelenhof erkundeten, alle Tiere kennenlernen, die dort ihr neues Zuhause gefunden haben. Dies sind vorwiegend Pferde und Ponys, denen ein zweites, lebenswertes Leben geschenkt wird, neben Schafen aus der Lammschlachtung und aus dem Tierschutz stammenden Ziegen, Hühnern, Hunden, sowie außerhalb untergebrachten Kühen.

Einige der zehn Kinder sind neu, andere feiern ein Wiedersehen mit ihren vierbeinigen Freunden. Etwa mit Marty. Der riesige Rappe, der einst als hoch dotiertes Dressurpferd auf Schleifenjagd gehen sollte, freut sich sichtbar über jede Streicheleinheit. Die Stute Samira, die nach einem Verkehrsunfall mit dem Pferdehänger auf dem Seelenhof landete, wird dank ihres zarten Fells schnell und gerne zum Kuschelpferd. Doch auch die Schafe genießen sichtlich die liebevolle Aufmerksamkeit. Allerdings nur, wenn sich ein Kind ganz auf die wolligen und zeitweise eigensinnigen Vierbeiner einlassen mag.

Nein, der Seelenhof ist kein auf Knopfdruck funktionierender Bespaßungsbetrieb. Im Gegenteil. Hinschauen, spüren und vorsichtige Kontaktaufnahme sind hier gefragt. „Was wünscht sich das Tier von mir? Was kann ich ihm geben?“, lauten die zentralen Fragen. Während einige Kinder von den kleinen Schafböcken geschubst werden, kann die sechsjährige Lou ihre Hände in deren Fell vergraben und mit ihnen sanft schmusen. Auch die Pferde mögen die einfühlsame und agile Sechsjährige sofort. Sie ist klar in ihrer Ansage dem Tier gegenüber.

Eine Fähigkeit, die beispielsweise in dem geführten Hindernisparcours, in dem die Kinder ein Pferd am Halfter führen, dringend benötigt wird. „Wir fragen unsere Pferde vor solchen Übungen um Erlaubnis und auch, bevor wir jemanden auf ihren Rücken setzen“, betont Hofherrin Doris Kreitner. Zwei der Pferde tragen sogar Kinder gerne auf ihrem Rücken und lassen sie darauf ihr inneres Gleichgewicht bei verschiedenen Übungen finden. Ein völlig anderes Miteinander, als beispielsweise auf vielen Reiterhöfen – stets den freien Willen des Pferdes respektierend. Doch viele der einst gequälten, missbrauchten Vierbeiner wirken sichtlich gerne mit den Kindern zusammen. Eine freudige Einheit formiert sich daraus.

Als Vorbereitung auf den engen Pferdekontakt haben die Kinder sich selbst erproben dürfen. Das Strohrad-Lager bietet hier grenzenlose Möglichkeiten, um die selbst gesetzten Grenzen auszuloten und zu überwinden. Ein eher ängstlicher Junge kann plötzlich indianergleich von Strohrad zu Strohrad springen und dabei sein schönstes Lächeln zeigen. Sichere Ballen-Akrobaten reichen ihren neu gewonnenen Freunden helfend die Hand, bis alle auf der Höhe herumtoben. Die erfahrene Sonder-Pädagogin Doris Kreitner weiß: „Das Strohlager ist für viele Gruppen ein Höhepunkt bei dem Besuch auf unserem Gnadenhof. Noch vor der oft für sie eindrucksvollen Begegnung mit den Tieren. Hier können sich die Kinder selbst erproben, Ängste überwinden und über sich hinauswachsen. Zudem entsteht ein großer Teamgeist.

Ein weiterer Höhepunkt beim Ferienprogramm des Kinderschutzbunds ist die Begegnung mit dem Hofgespenst auf dem Dachspeicher. Eine angenehm gruselige Erinnerung. Und dennoch sind und bleiben die Pferde und übrigen Gnadenhof-Seelen Mittelpunkt. Sie entscheiden, ob jemand sie bürsten, liebkosen, gar führen darf. Einmal Fell kuscheln? Die freundschaftliche Nähe mit einem Pferd spüren? Mitgefühl und Verantwortung zeigen für das Wohlergehen meines Nächsten? Kinder und Jugendliche, die sich davon angezogen fühlen, sind auf dem Seelenhof Zweibrücken herzlich willkommen.

Der Verein „Herz für Tier und Mensch“ ist der Meinung, dass jeder Mensch und jedes Tier das Recht auf ein lebenswertes Leben haben.

Jeden Samstag von 11 bis 17 Uhr lädt der Seelenhof zum Pferde- und Ponytag für Kids ein. Spendenbeitrag: 20 Euro. Mitzubringen sind wetterfeste Kleidung und Verpflegung für den Tag. Anmeldung unter herzfuertierundmensch@gmx.de; www.facebook.com/Seelenhof

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