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Sechs Jahre mit Drogen gedealt in Zweibrücken, Waldmohr, Homburg, Pirmasens und Forbach

Prozess am Landgericht Zweibrücken : Staatsanwalt fordert bis acht Jahre Haft für Großdealer

Prozess am Landgericht Zweibrücken: Urteilsspruch gegen Drogenbande wieder verschoben. 34-jähriger bricht sein Schweigen.

Immerhin reichte die Zeit am Montag noch für das Plädoyer des Anklagevertreters, aber wieder nicht für die Schlussvorträge der Verteidiger und schon gar nicht für einen Urteilsspruch. Seine Entscheidung in dem Verfahren gegen zwei mutmaßliche führende Mitglieder einer Drogendealer-Bande, das schon seit Mitte April verhandelt wird, will die Erste Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken nun am 8. Juni treffen – mit, auf den Tag genau, einem Monat Verspätung.

Staatsanwalt Patrick Langendörfer beantragte am Montag für die 34- und 62-jährigen Homburger acht beziehungsweise siebeneinhalb Jahre Freiheitsentzug. Für ihn steht außer Frage, dass die beiden Angeklagten die „Führungsfiguren“ einer fünfköpfigen Drogendealer-Bande waren, die in den vergangenen sechs Jahren in Zweibrücken, Pirmasens, Waldmohr, Homburg, Forbach und andernorts gemeinsam mit weiteren gesondert verfolgten Angeklagten mit Betäubungsmitteln, vor allem mit Marihuana und Amphetaminen, „umfangreich“ gehandelt haben. Zudem hätten sie große Mengen Drogen in den Niederlanden, in Frankreich und in Tschechien beschafft, nach Deutschland eingeführt und deren Weiterverkauf organisiert. Dabei hätten sie sich auch „auf Kommissionsbasis“ arbeitenden Unterhändlern bedient.

Polizeiliche Maßnahmen wie Observation und Telefonüberwachung hätten belegt, so der Staatsanwalt weiter, dass bei allen Taten stets mehrere Personen „teils mit familiären Bezügen“ eingebunden gewesen waren und es „Abreden“ zwischen ihnen gegeben habe, wenngleich auch in „extrem konspirativer“ Form: „Es gab einen hohen Organisationsgrad“, was faktisch für eine Bande spräche. Es habe eine „hierarchische Struktur“ gegeben, in der der 34-Jährige der „Bandenkopf“ und der 62-Jährige „das Arbeitstier“ („er hat die Außenstände eingetrieben und war Hauptkontaktmann für die Abnehmer“) gewesen seien.

Laut Betäubungsmittelgesetz wird der bandenmäßige Umgang mit Drogen in nicht geringen Mengen (wozu der Anbau, die Herstellung, das Handeltreiben sowie die Ein- und Ausfuhr gehören) mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis bedroht. Gleichwohl ließ Staatsanwalt Langendörfer am Montag seinen ursprünglichen Vorwurf des bewaffneten Drogenhandels fallen (in einem Rauschmittel-Depot, das der 62-Jährige verwaltete, war neben den Cannabis-Platten ein Messer gefunden worden). Es sei „nicht nachweisbar“, dass das Messer als Waffe eingesetzt werden sollte. Vielmehr habe das Schneidwerkzeug wohl nur dazu gedient, wie vom Angeklagten ausgesagt, die Verpackungsfolie um die Drogen herum aufzuschneiden. Auch reduzierte das Gericht die den beiden Angeklagten vorgeworfenen Taten von 130 auf nunmehr 34, nachdem sich Staatsanwalt und Verteidiger auf einen Strafrahmen verständigt hatten.

Die beiden Gelegenheitsschrott- und Gebrauchtwagenhändler und ihre Helfershelfer sollen laut Anklageschrift seit 2018 auf einem Parkplatz in Waldmohr regelmäßig Drogen verkauft und Mitte 2019 mit einem Probekauf im französischen Forbach einen größeren Deal angebahnt haben. In der Homburger Tiergartenstraße stellten die Ermittler in einem in einer Tiefgarage abgestellten Opel Corsa gebunkerte 3,5 Kilogramm Haschisch sicher.

Vor dem Plädoyer des Staatsanwalts hatte der 34-jährige Angeklagte am Montag überraschend sein Schweigen gebrochen und gebeten, zu einer Therapie verurteilt zu werden, „damit ich von Drogen und Alkohol wegkomme“, die der Spielsüchtige für seine Taten verantwortlich gemacht hatte. Er sei gerade Vater einer Tochter geworden, habe nun eine kleine Familie gegründet und „möchte mein Leben ändern“, sagte er geradezu flehentlich.

Ob sich das Gericht davon noch beeindrucken lässt? Fortgesetzt wird die Verhandlung am Montag, 8. Juni, um 13.30 Uhr.