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Über die Bedeutung des Kreises: Schwere Kost: Vortrag von Gerhard Kaiser in der Bipontina

Über die Bedeutung des Kreises : Schwere Kost: Vortrag von Gerhard Kaiser in der Bipontina

Von Peter Fromann

Die Ausstellung des Landesbibliothekszentrums in der Bibliotheca Bipontina „Gott, Schöpfer Himmels und der Erden. Die Tradition der Schöpfungsdarstellung bei Luther“ lenkt den Blick des Besuchers auf das zentrale christliche Symbol der Weltschöpfung: den Kreis. Da der Kreis weder Anfang noch Ende, weder Richtung noch Orientierung hat, ist er häufig Sinnbild der Ewigkeit, des Unendlichen, aber auch des In-sich-Geschlossenen, Ganzen, Vollkommenen, Göttlichen. Die Kreisform wurde schon in prähistorischer Zeit und in der Antike zu einem Sinnbild für den Kosmos, Schönheit und das Wirken der Gottheit. Der Vortragende Gerhard Kaiser studierte Literaturwissenschaft, Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg. Er unterrichtete Deutsch und Philosophie/Ethik am Helmhotz-Gymnasium in Zweibrücken. Damit war er der richtige Mann, um sich mit dieser Ausstellung intensiv zu beschäftigen. Anhand von bildlichen Darstellungen ging er die Symbolkraft des Kreises an.

Als Präludium sozusagen las Altphilologin Anita Bischoff einen originalen griechischen Text von Platon, der sich mit dem Kreis beschäftigt, expressiv vor. Kaiser brachte die Übersetzung, denn leichte Kost ist das nicht, wie der Schreiber am eigenen Leib auf einem humanistischen Gymnasium erfahren hat. Dem Kreissymbol von der Antike über die hochmittelalterliche Buchmalerei und Kartographie bis zu den frühneuzeitlichen Bibeldrucken der Lutherzeit widmete Kaiser sich in überzeugenden Lichtbildern, deren Originalvorlagen in der Ausstellung zu sehen sind. So zeigten die Bilder, dass der Sünderfall den Menschen aus der Harmonie des Kreises wortwörtlich herausfallen lässt, die letztlich die Verheißung Gottes wieder herstellt. Städtebauliche Aspekte bildeten den Abschluss, zum Beispiel der barocke Stadtplan der Residenz Karlsruhe zeigt deutlich, dass auch hier im Stadtbild die Symbolkraft des Kreises eine Rolle spielt. Der Landesherr als Pantokrator, als Alleskönner, als vermeintlich Allmächtiger, ein Titel, der geläufig aber nur Gott zusteht. Die Ausstellung ist noch bis zum 17. November zu sehen. Am 9. November um 18 Uhr findet eine öffentliche Führung durch die Ausstellung statt.