Nach Kritik aus Zweibrücker Bürgerschaft Stadt lenkt ein: Kein kunststoffumhüllter Steinteppich für die Allee

Zweibrücken · Die Zweibrücker Schwarzbach-Allee wird keinen „Steinteppich“ mit viel Kunststoff bekommen: Nach den massiven Protesten von Bürgern und Ratsfraktionen zieht die Stadtspitze diese Vorschlags-Variante zurück. Am Mittwoch entscheidet der Stadtrat, was stattdessen geschieht.

 Die Stadtverwaltung will nun doch keinen kunststoffumhüllten Steinteppich-Belag (Muster links) für die Allee. Stattdessen solle es wie gewohnt einen Rote-Erde-Belag (Muster rechts und alter Belag hinten zwischen den Platanen) geben – aber komplett erneuert. Die Untergrund-Konstruktion ist aber noch offen.

Die Stadtverwaltung will nun doch keinen kunststoffumhüllten Steinteppich-Belag (Muster links) für die Allee. Stattdessen solle es wie gewohnt einen Rote-Erde-Belag (Muster rechts und alter Belag hinten zwischen den Platanen) geben – aber komplett erneuert. Die Untergrund-Konstruktion ist aber noch offen.

Foto: Lutz Fröhlich

Zum zweiten Mal in der jüngeren Geschichte Zweibrückens haben Proteste von Bürgern und zunächst einzelnen kritischen Ratsmitgliedern größere optische Veränderungen der Schwarzbach-Allee verhindert. Anfang 2000/2001 konnte so ein Kahlschlag oder sogar komplettes Fällen der laut einer Gutachterin angeblich sterbenskranken Platanen-Allee vereitelt werden. Und nun begräbt die Stadtspitze ihren Vorschlag, den naturnah wirkenden „Rote-Erde-Belag“ durch einen kunststoffhaltigen „Steinteppich“ zu ersetzen.

Dabei schien sich wochenlang abzuzeichnen, dass ein solcher Steinteppich aus kunstoffumhüllten Steinkörnchen gebaut wird. Im Bau- und Umweltausschuss am 29. März war dies zwar nur eine von vier vom Umwelt- und Servicebetrieb Zweibrücken vorgestellten Varianten – aber sie stieß trotz etlicher kritischer Fragen auf eindeutig größeren Anklang als die beiden Varianten Rote Erde (mit und ohne Kunststoffgitter-Untergrund) und Asphalt. Auch bei einer nichtöffentlichen Muster-Besichtigung durch Stadträte am 17. Mai in der Allee kam der Steinteppich deutlich besser an als das Rote-Erde-Muster, berichten Teilnehmer dem Merkur. Und die Stadtverwaltung lobte auf ihrer Homepage den Steinteppich in höchsten Tönen.

 Wegen der häufigen Pfützenbildung soll die Allee einen neuen Belag erhalten.

Wegen der häufigen Pfützenbildung soll die Allee einen neuen Belag erhalten.

Foto: Lutz Fröhlich

Kurz darauf stellte die Steinteppich-Herstellerfirma stellte ihr Muster auch der Presse vor. Doch die Argumente der Firma überzeugten die Öffentlichkeit offensichtlich nicht: Das Bürger-Echo war ganz überwiegende negativ. Das war nicht nur in zahlreichen Facebook-Diskussionen zu lesen. Stadtsprecher Jens John mailte am Freitag auf Merkur-Anfrage, mit den beiden Testfeldern sei „der öffentliche Meinungsbildungsprozess angestoßen“ worden. Das Ergebnis: „In den vergangenen Wochen haben sich vermehrt Bürgerinnen und Bürger an die Verwaltung gewendet, die sich besorgt über die Planungen der Erneuerung des Bodenbelags in der Allee zeigten.“

Neben Bürgern hatten sich auch die Bürgerinitiative „ZW-vernetzt“ der Nabu, Denkmalschutz-Freunde (die Allee ist eine offizielle Denkmalzone) und eine Online-Petition gegen Kunststoff in der Allee gewandt (wir berichteten mehrfach). Eigentlich hatte der Stadtvorstand vor, den Bauausschuss schon vergangenen Dienstag entscheiden zu lassen, und wollte ergebnisoffen zwei Varianten zur Entscheidung stellen: Steinteppich oder neuer Roter-Erde-Belag. Doch kurz vorher wurde klar, dass es keine Mehrheit für den Steinteppich geben wird, weshalb das Thema von der Bauausschuss-Tagesordnung abgesetzt und in den Stadtrat vertagt wurde: Die beiden größten Fraktionen erklärten, einstimmig (CDU) beziehungsweise mindestens überwiegend einen Steinteppich abzulehnen (SPD). Die mit Abstand drittgrößte Fraktion (Grüne) war schon immer dagegen, und in der Merkur-Freitagausgabe machte dann auch noch die FDP ihr klares Nein öffentlich.

Nach den vielen negativen Reaktionen hat die Stadtspitze endgültig die Reißleine gezogen: Sie legt die Steinteppich-Variante ad acta, will nicht einmal mehr darüber abstimmen lassen. Auf die Merkur-Anfrage vom Freitag, mit welchem Beschlussvorschlag die Stadt in entscheidende Ratssitzung kommenden Mittwoch (ab 17 Uhr öffentlich im Rathaus-Ratssaal) geht, schreibt Stadtsprecher John: „Die Verwaltung schlägt nun vor, für den Ausbau der Allee eine der folgenden Varianten umzusetzen. Variante 1: Rote Erde mit Kunststoffgittern – Variante 2: Rote Erde ohne Kunststoffgitter.“

CDU, Grüne und FDP haben bereits erklärt, auch unter der Allee keinen unökologischen Kunststoff zu wollen. Laut UBZ-Präsentation sind beide Varianten ähnlich gut, mit Kunststoffgitter sei der Belag aber „langlebiger und belastbarer“.

Warum der Sinneswandel der Stadt gegen den Steinteppich? John: „Aktuelle Positionierungen zeigen nun, dass es keine Mehrheiten für die Variante Steinteppich geben wird.“

Allerdings betont der Stadtsprecher, dass der Allee-Belag nicht einfach so bleiben kann, wie er ist (was die FDP vorschlägt): „Die Verwaltung und der UBZ sehen weiterhin die Notwendigkeit einer wie auch immer gearteten Erneuerung des Bodenbelags der Allee, da sich die Ausgangssituation, die zur Entscheidung der Sanierung geführt hatte, nicht verändert hat.“

John erinnert: „In der Vergangenheit gab es gehäufte Beschwerden über den Zustand des Bodenbelages in der Allee. Tiefe Schlaglöcher im Boden, die sich bei Regen füllen und zu großflächigen Pfützenbildungen führen, sahen vor allem die Spaziergänger*innen und Jogger*innen als großes Problem an.“ Auch Stadtrat und Bauausschuss hätten diesen Handlungsbedarf mehrfach bestätigt“. Auf Wunsch des Rates sei deswegen das Städtebaufördergebiet „Mitte Zweibrücken“ unter anderem auf die Allee ausgeweitet worden. Hierdurch sei nun ein 90-Prozent-Zuschuss des Landes für eine Belag-Sanierung möglich. Schon im März 2019 habe der UBZ im Stadtrat erklärt, das es nicht ausreiche, Pfützen-Löcher einfach mit neuer „roter Erde“ aufzufüllen, dies versage in der Regel nach wenigen Monaten wieder, es seien deshalb tiefgründigere Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen.

„Darüber hinaus ist anzumerken, dass im Rahmen der Sanierung der Allee auch die Beleuchtung erneuert und auf den aktuellen Stand der Technik gebracht werden sollte“, mailt John. „Dies wurde unter anderem gefordert, um die Sicherheit bzw. das Sicherheitsgefühl der Bürger*innen vor allem in den Abendstunden zu verbessern. Da die Leitungsführung in der Allee liegt, kann die Maßnahme ohne das Öffnen des Bodenbelags nicht umgesetzt werden. Ein reiner Austausch der Leuchtkörper wird von den Stadtwerken, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit, nicht als sinnvoll und zielführend erachtet.“

Wie berichtet, haben auch die Landesdenkmalpfleger der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) gebeten, in die Entscheidung über einen neuen Belag eingebunden zu werden. Die 1770 in der Herzogszeit angelegte Platanen-Allee ist nämlich offiziell als „Denkmalzone Schwarzbachkanal“ geschützt.

Auf die Frage zum Denkmalschutz mailt Stadtsprecher John: „Nach der Entscheidung des Stadtrates werden wir nochmal ins Gespräch mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe gehen. Bei den im Beschlussvorschlag erwähnten Ausbauvarianten geht die Verwaltung aktuell nicht von einem Einwand im Sinne des Denkmalschutz aus, da sich die Optik der Allee nicht verändern würde.“

Stichwort Optik: In der UBZ-Präsentation Ende März im Bauausschuss hatte der „optische Eindruck“ der Steinteppich-Variante mit sehr gut die beste Note bekommen, für Asphalt vergab der UBZ die Optik-Note gut und für rote Erde ungenügend. Bürger- und Rats-Mehrheit sehen das offenbar genau andersrum.

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