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Schöne Stimmen vor leeren Sitzen

Schöne Stimmen vor leeren Sitzen

Von gregorianischen Chorälen bis hin zur lettischen Nationalhymne: Die Formation Amarcord bot in der Zweibrücker Festhalle einen facettenreichen Auftritt – allerdings vor nur wenigen Zuschauern.

Mehr Kontrastprogramm zu den überall stattfindenden Oktoberfesten mit Schlagern zum Mitsingen und -tanzen geht kaum: Am Samstagabend gab Amarcord, das fünfköpfige Vokalensemble aus Leipzig, in der mäßig besuchten Festhalle ein Konzert. Zur Begrüßung starteten die ehemaligen Mitglieder des Leipziger Thomanerchores mit James McMillans "Who are these angels?", das an gregorianische Choräle erinnerte. Anschließend durfte das Publikum dabei sein, wie Amarcord der zeitgenössischen, ernsten Musik auf die Sprünge half: Der siebenteilige Zyklus "Questions - If I were rain" wurde für das 20-jährige Bestehen des Ensembles 2012 bei einem befreundeten Komponisten in Auftrag gegeben. Die Texte stammen aus verschiedenen Jahrhunderten, von bekannten und unbekannten Autoren, darunter Khalil Gibran und Emily Dickinson . Thema des Gesamtwerks ist das Menschsein an sich. Kinder, der Tod, die Zeit, wie einer der Sänger dazu erklärte. Ein schweres Thema mit Musik, die nicht gleich jedem ins Ohr geht. Damit forderte das Ensemble sein Publikum durchaus. Mit Franz Schubert kehrte zwar noch ein bisschen Leichtigkeit vor der Pause ein, doch einige Besucher nutzten dieselbe, um zu gehen. Etwas gelöster wurde die Stimmung im zweiten Teil des Konzerts. Melodiösere Lieder, virtuos in ihrer Vielstimmigkeit gesungen, trugen das Publikum empor und nahmen es mit auf die Reise um die Welt. Aus aller Herren Länder und aus allen Zeiten haben Amarcord Lieder zusammengetragen, die sie für ihre Formation neu arrangiert haben. Von der lettischen inoffiziellen Nationalhymne über ein uraltes, trauriges Liebeslied aus Korea zu einer irischen Volksweise weiter zu Gianna Nannini .

Mit einem Stück von Heinz Rudolf Kunze beendeten sie sie ihr Konzert vor einem Publikum, das sich dann doch mitreißen ließ und lautstark eine Zugabe verlangte. Die kam und überraschte: Ray Charles ' "Hit the Road Jack" riss alle mit. Und am Ende des Abends kam im großen Saal der Festhalle sogar so etwas wie Bierzeltstimmung auf.