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Schneider will AfD Zweibrücken reanimieren

Schneider will AfD Zweibrücken reanimieren

Trotz schlechter Voraussetzungen – kein Direktkandidat, kaum Wahlkampf, aufgelöster Stadtverband – hat die AfD bei der Landtagswahl in Zweibrücken weit überdurchschnittlich abgeschnitten. Die aus Berlin zurückgekehrte Ex-Stadträtin Melanie Schneider will „dieses Potenzial nicht links liegen lassen“.

Obwohl in der Rosenstadt praktisch nicht mehr existent, hat die "Alternative für Deutschland " bei der Landtagswahl im Wahlkreis Zweibrücken einen ihrer landesweit größten Erfolge errungen. Ein Ergebnis-Vergleich zeigt: Mit 16,1 Prozent der Zweitstimmen im Wahlkreis Zweibrücken erzielte die AfD hier das siebtbeste Ergebnis aller 51 Wahlkreise in Rheinland-Pfalz.

Dabei lag die AfD in Zweibrücken monatelang am Boden. Erst legte die weit über Zweibrücken hinaus für die AfD aktive Melanie Schneider im September ihr Stadtrats-Mandat nieder, weil sie nach Berlin umzog. Dann verließ im Oktober die komplette zweiköpfige Fraktion nach Anti-Flüchtlings-Äußerungen von AfD-Funktionär Björn Höcke die Partei, Fraktionschef Manfred Weber löste als Zweibrücker Parteichef auch den AfD-Stadtverband auf (wir berichteten). Folge: In den Landtagswahlkampf ging die AfD in Zweibrücken ohne Wahlkreis-Kandidaten, bis auf ein paar Plakate und Infostände gab es hier auch fast keinen Wahlkampf .

Warum gab es dann dennoch so ein herausragendes Zweitstimmen-Ergebnis? "Das ist schwierig zu sagen", antwortet Melanie Schneider auf Merkur-Anfrage. Sie vermutet "eine Mischung von Gründen". Viele Leute seien "unzufrieden mit CDU und SPD ", das von beiden Parteien in Zweibrücken unterstützte und vom Land geförderte Projekt "Stadt am Wasser" etwa komme wegen der Kosten in der Bevölkerung schlecht an. Dass die Flüchtlingsunterkünfte in Zweibrücken eine größere Rolle spielten, vermutet Schneider, die seit 1. März wieder dauerhaft in Zweibrücken lebt, dagegen nicht: "Ich habe nicht wie in Berlin das Gefühl, dass es in Zweibrücken diesbezüglich richtig Probleme gibt, hier läuft das ja sehr harmonisch. Und das Stadtbild hat sich durch die Flüchtlinge zwar etwas verändert, ist mir nach meiner Rückkehr aufgefallen - aber bei Weitem nicht so extrem wie in Berlin."

Nicht nur wegen des Wahlergebnisses sieht die 28-Jährige großes Potenzial für die AfD in Zweibrücken : Auch in Zweibrücker Facebook-Gruppen sei sehr viel Sympathie für die AfD und deren Positionen erkennbar. "Dieses Potenzial sollten wir nicht links liegen lassen." Und da sie selbst ohnehin "sehr gerne aktiv" sei, kündigt Schneider an: "Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß, dass ich wieder einen Stadtverband gründe."

Seit 3. Dezember sind die Kreisverbände Zweibrücken und Pirmasens mit dem AfD-Kreisverband Südwestpfalz fusioniert, berichtete Kreisvorsitzende Anette Gabriel in einem kurzen Telefonat (für eine ausführlichere Stellungnahme war sie trotz Rückruf-Zusage nicht erreichbar).

Schneider sagte, sie sei in ihrer Berliner Zeit noch mit "zwei, drei Zweibrücker AfD-Leuten sporadisch in Kontakt" gewesen und habe sich nun schon mit dem Südwestpfalz-Kreisvorstand in Verbindung gesetzt, um mehr über eventuelle noch vorhandene Zweibrücker AfD-Mitglieder zu erfahren. Auch mit möglichen neuen Interessenten plant Schneider zu sprechen und einen Zweibrücker AfD-Stammtisch zu gründen.

Der letzte Zweibrücker AfD-Partei- und -Fraktionschef Manfred Weber berichtete auf Merkur-Anfrage, bei der Auflösung im Herbst habe die AfD Zweibrücken "an die 30 Mitglieder gehabt, ich wüsste keinen mehr, der noch dabei ist". Die Ursache des weit überdurchschnittlichen Abschneidens der AfD in Zweibrücken findet auch Weber "schwer zu erklären". Der 63-Jährige vermutet eine Spätfolge der Tatsache, dass die AfD in Zweibrücken bis zu den Turbulenzen im Herbst "ja recht aktiv gewesen ist", und sieht "sehr viele von der Politik vergrämte Bürger, die früher immer CDU gewählt haben".

Weber (dessen Fraktion heute "Parteilose Bürger Zweibrücken " heißt) bereut seinen Bruch mit der AfD trotz deren Erfolgen bei allen drei Landtagswahlen am 13. März nicht.

Zum Thema:

HintergrundWoher kommen die AfD-Wähler im Wahlkreis Zweibrücken ? Wie überall in Rheinland-Pfalz vor allem von den Nichtwählern. Laut Wählerwanderungs-Analyse des "Instituts für Wahl-, Sozial- und Methodenforschung" für den Pfälzischen Merkur sind im Wahlkreis Zweibrücken im Vergleich mit der Landtagswahl vor fünf Jahren 2056 Nichtwähler zur AfD gewechselt, 1044 von der AfD zur SPD und 772 von der CDU zur AfD. Landesweit hat die AfD in Rheinland-Pfalz dagegen deutlich mehr Wähler von der CDU gewonnen (50 000) als von der SPD (37 000), so das Institut "Infratest Dimap" im Auftrag der ARD . lf