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Schluss mit Leiharbeit trotz Ausbildung

Schluss mit Leiharbeit trotz Ausbildung

Zweibrücken. In Talkshows und Interviews beklagen gewichtige Arbeitgebervertreter, dass den Betrieben die Facharbeiter ausgehen. In den Ohren des Sekretärs der IG-Metall Geschäftsstelle in Homburg, Peter Vollmar (Foto: igm), klingen die Worte wie der reine Hohn: "Die Unternehmen bilden Jugendliche ja aus. Doch nach der Ausbildung bekommen sie keinen unbefristigten Arbeitsvertrag

Zweibrücken. In Talkshows und Interviews beklagen gewichtige Arbeitgebervertreter, dass den Betrieben die Facharbeiter ausgehen. In den Ohren des Sekretärs der IG-Metall Geschäftsstelle in Homburg, Peter Vollmar (Foto: igm), klingen die Worte wie der reine Hohn: "Die Unternehmen bilden Jugendliche ja aus. Doch nach der Ausbildung bekommen sie keinen unbefristigten Arbeitsvertrag." Und nach nur einem Jahr im Betrieb drohe den jungen Facharbeitern dann der Weg in die Leiharbeit."Die jungen Kollegen fühlen sich veräppelt", ärgert sich der 22-jährige Zweibrücker. Nach der Ausbildung bei Terex-Demag ist Peter Vollmar seit August politischer Sekretär bei der Gewerkschaft. Schon beim Kranbauer war Vollmar Jugendvertreter und im Betriebsrat aktiv. Seiner Meinung nach benötigen die Unternehmen das Jahr nach der Ausbildung nicht, um den Jugendlichen kennenzulernen. "Die Firmen haben die jungen Menschen bei der Einstellung und ganz intensiv in den dreieinhalb Ausbildungsjahren kennengelernt. Da haben sie bewiesen, was sie leisten können." Seiner Meinung nach dienten die befristeten Verträge dazu, Druck auf die Jugendlichen auszuüben.

Nach seinen Erfahrungen führt das aber dazu, dass sich die Jugendlichen mehr engagieren. "Die spüren die Ungerechtigkeit ganz genau." So ist nach Angaben der IG Metall der gewerkschaftliche Organisationsgrad der Auszubildenden in Zweibrücken sehr hoch. Bei Terex-Demag und John Deere sind es rund 90 Prozent, bei Pallmann rund 85 Prozent, bei Kubota 62 Prozent. Das Interesse an der eigenen Situation zeigte sich für Vollmar auch beim Jugendaktionstag der IG Metall, Laut und stark, am vergangenen Wochenende in Köln. Rund 150 junge Metall-Gewerkschafter aus Zweibrücken waren mit drei Bussen dabei. Vollmar: "Viele haben erst am 1. September mit der Ausbildung begonnen." Dabei wirke sich aus, dass die Jugendlichen auch über ihre Arbeitswelt mit Freunden unterhalten. "Es geht nicht nur um Party. Die Jugendlichen reden auch über ihre Zukunft."

Eine Feststellung, die auch Gewerkschaftssekretär Ralf Cavelius freut: "Die jungen Menschen entwickeln damit früh ein Bewusstsein für die Gewerkschaft." Und in der Gewerkschaft können die jungen Menschen erleben, was sie demokratisch erreichen können. Wie Cavelius und Vollmar ärgert sich auch der DGB-Vorsitzende der Region Westpfalz, Michael Detjen, über die Klage vom Facharbeitermangel. "Wenn man die Realität anschaut, dass die jungen Menschen ein Jahr nach der Ausbildung in die Leiharbeit geschickt werden, ist das mehr als zynisch."