1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

"Saturday Night Fever" in der Festhalle

„Saturday Night Fever“ : Wie einst John Travolta

Etwa 600 Zuschauer sahen in der Festhalle das Musical „Saturday Night Fever“.

Eigentlich sind Discomusik und -tanz ja eine fröhliche Angelegenheit. Knallige Farben, Songs der Bee Gees und ausgelassene Partystimmung gehören zum Saturday Night Fever. Der gleichnamige Kinoklassiker aus dem Jahr 1977, der John Travolta berühmt machte, hatte aber auch einiges an Abgründen und Dramen zu bieten. Um Abtreibung, Vergewaltigung und tödlich ausgehenden jugendlichen Leichtsinn ging es da in der Handlung, die sich um den Italo-Amerikaner Tony Manero drehte.

Der in Rieschweiler beheimatete Frank Serr Showservice brachte nun das Disco-Drama in der Musical-Version mit vielen tollen Tanzeinlagen auf die Bühne der Festhalle. Marius Bingel sang und tanzte sich da als Tony durch die Höhen und vor allem Tiefen des Lebens – bisweilen hatte der Autor etwas dick aufgetragen bei all dem Ungemach, das er seiner Hauptfigur zukommen ließ. Erst kann Tony sich nicht freuen über den Gewinn des Tanzwettbewerbs, für den er lange mit der von ihm angebeteten Stefanie (Carina Fitzi) geübt hat. Denn eigentlich hat nach seinem Empfinden das konkurrierende Latino-Pärchen den Sieg eher verdient. Einmal in Rage, verscherzt er es sich mit seinen Freunden und auch mit Stefanie, die er deswegen beschimpft, weil sie nicht zu einer intimen Beziehung mit ihm bereit war. Dann vergewaltigen zwei Freunde seiner Clique die von Tony verschmähte Annette, die sich aus lauter Frust betrunken hat. Und schließlich springt ein anderer Freund der Clique in den Tod, nicht ohne sich vorher über Tony beklagt zu haben, dass der ihm in schwieriger Zeit nicht beigestanden habe.

Nachdem der arme Tanzkönig es also von allen Seiten abbekommen hat, kann er am Ende natürlich umso steiler ins Happy End aufsteigen, als es doch noch was wird mit Stefanie. Vorsichtig ausgedrückt: An der Handlung wird es eher nicht gelegen haben, dass „Saturday Night Fever“ als Film so ein Hit wurde, und beim Musical war das nicht anders.

Was in der Festhalle wirklich zählte, war die tolle Musik, die nur leider nicht von einer Liveband gespielt wurde. Und anders, als es das Begleitheft aussagte, stammte die nur zum Teil von den Bee Gees. Der Song „Disco Inferno“ von The Trammps nahm beispielsweise auch eine große Rolle ein. Mit dem hatte das Ensemble auch weniger Probleme, denn bei den Bee Gees-Hits fehlte etwas – der typische und halt sehr schwer zu imitierende BGesang.

Was aber in jedem Fall stimmte, war die Darstellung der heißen Flirts auf der Tanzfläche und der schwitzigen Erotik in der Diskothek Odyssey 2001, wo viele der Szenen spielten. Regisseur und Choreograf Hakan T. Aslan inszenierte dieses entscheidende Element der Disco-Story mit Bravour. Toll auch Fynn Duer-Koch als DJ Monty, er überzeugte stimmlich am meisten. Die herrlichen, der damaligen Mode entsprechenden Kleider mit Schlaghosen und knallbunten Farben versetzten viele der 600 Zuschauer in ihre Jugendzeit.

Trotzdem, und das überraschte angesichts der stimmigen Show, wollte der Funke nicht so recht überspringen. Man hat die Festhalle bei solchen Gelegenheiten auch schon regelrecht toben sehen – warum das diesmal unterblieb, war einfach nicht auszumachen. Das missfiel auch Sandy Heil und Christine Hoffmann, die die Show „megaklasse“ fanden. „Das Publikum war etwas schläfrig. Schade! Wir hatten richtig Spaß“, meinten die Zweibrückerinnen und fügten hinzu: „Das ist doch traurig, wenn alles so tot im Publikum ist, das muss doch für die Künstler schlimm sein! Des Künstlers Brot ist der Applaus.“