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Russe schrieb Hymne für Zweibrücken

Autor und Komponist aus der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien : Eine Hymne für Zweibrücken

Zweibrücken. Zweibrücken ist zwar eine Stadt mit reicher Vergangenheit, auch in kultureller Hinsicht. Nur ein Zweibrücker Lied fehlte bislang. Jetzt gibt es gleich eine Hymne für Orchster, gemischeten Chor und Solisten

Zweibrücken. Zweibrücken ist zwar eine Stadt mit reicher Vergangenheit, auch in kultureller Hinsicht. Nur ein Zweibrücker Lied fehlte bislang. Jetzt gibt es gleich eine Hymne für Orchster, gemischeten Chor und Solisten. Und, wie so oft in der Geschichte der alten Herzogsstadt, in der einst ein Polenkönig Asyl fand, Schweden die schönsten Baudenkmäler hinterließen und ein Zweibrücker Regiment erfolgreich für die amerikanische Unabhängigkeit kämpfte, entstammt die Hymne einer internationalen Verbindung. Denn geschrieben hat sie ein russischer Komponist: Valerij Korschavin (Foto: pm) aus Naltschik, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Kabardino-Balkarien.Die Zweibrückerin Ludmilla Jung, die selbst aus der ehemaligen Sowjetunion stammt, hatte vor kurzem Oberbürgermeister Helmut Reichling auf die Hymne aufmerksam gemacht. Der Oberbürgermeister hatte spontan Unterstützung bei der Suche nach Musikern und Sängern für eine Aufführung der Hymne zugesagt (wir berichteten kurz).

Wie kommt ein Mann aus dem Nordkaukasus dazu, eine Hymne auf eine Stadt in der Westpfalz zu schreiben, in der er nie war? Sie habe Korschavin, den sie über einen Saarbrücker Musiker kennengelernt habe, am Telefon immer viel und begeistert von Zweibrücken erzählt, berichtet Ludmilla Jung. Daraufhin habe er die Hymne getextet und die Musik dazu geschrieben.

Die Uraufführung seines Werkes kann Korschavin aber leider nicht mehr erleben. Denn es war sein letztes Werk. Jung: "Am 5. Oktober hat er mir das Lied geschickt. Am 6. Oktober habe ich bis halb eins noch mit ihm am Telefon gesprochen - und am Morgen dann erfahren, dass er an einem Herzinfarkt gestorben ist." Der 61-Jährige war Berufs-Komponist, arbeitete am Staatstheater in Naltschik. Ludmilla Jung ist Vorsitzende des Zweibrücker Vereins ZMO ("Zusammenarbeit mit Osteuropa"). Reichlings ersten Vorschlag, sie könne die Hymne doch mit dem von ihr geleiteten "Internationalen Chor" des ZMO singen, hat Jung abgelehnt - das polyphone (mehrstimmige) Werk sei so musikalisch komplex, dass es einen Laien-Chor überfordere: "Wir haben zu wenige Chormitglieder und keine professionellen Sänger - da müsste man musikalisch zu viel am Stück ändern." Und das wäre sicher nicht im Sinne des Komponisten. Beim Text dagegen habe Korschavin signalisiert, dass man gerne etwas ändern könne. Jung berichtet, der Zweibrücker Schriftsteller Wolfgang Ohler wäre bereitet, die deutsche Übersetzung an die Melodie anzupassen. Rudi Diehl, Vorsitzender des Volkschors Niederauerbach und Gründer des Cantabile-Chors, hat sich die Komposition Korschavins angesehen - und ist begeistert: "Das ist ein sehr gutes Werk." Aber so herausfordernd, dass regionale Chöre damit überfordert seien: "Da braucht man fast einen professionellen Chor - nicht nur mit Qualität, sondern auch einer gewissen Größe und jungen Leuten, vielleicht ein Theater-Chor." Diehl könnte sich vorstellen, dass die Hymne im Rahmen eines Konzertes der Mozartgesellschaft oder einer städtischen Veranstaltung uraufgeführt werden könnte. Diehl hat auch Kontakt zu seinem Nachfolger als Leiter der Städtischen Musikschule hergestellt, Walter Theisson.

Der Liedtext

"Zweibrücken gewidmet" (Musik und russischer Text: Valerij Korschavin. Übersetzung: PM)

Es gibt keine schöneren Städte, / die wir mit Gedichten und Liedern rühmen / der Atem der Jahrhunderte / wunderschöne Rosen / Es leuchtet über Dir, / meine Stadt, ewig jung / Dein Glücksstern!

Zweibrücken, meine Heimat, / blühe noch Jahrhunderte, lebe und begeistere, / meine Stadt, / ich brauche keine andere Schönheit. / Meine Stadt, Du füllst mein Herz mit Liebe! / Dieses Lied widme ich Dir.

Zweibrücken, meine Heimat, / Du schenkst mir die Frische der Flüsse, / mir ist Deine Stille so wichtig, / ich brauche keine andere Schönheit. / Meine Stadt, / Du füllst mein Herz mit Liebe! / Dieses Lied widme ich Dir.