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Kolumne Moment mal: Rolf Franzen geht oder: Von einem, der im Rahmen bleibt

Kolumne Moment mal : Rolf Franzen geht oder: Von einem, der im Rahmen bleibt

Der Versuch, die über viele Jahre dauernde Arbeit eines kommunalen Berufspolitikers bilanzierend in ein paar Zeilen zu zwingen, ist und bleibt eine Gratwanderung. Die aber gut ausgehen kann – hat Merkur-Chefredakteur Michael Klein am Beispiel Rolf Franzen gemerkt.

Fast 18 Jahre bestimmte Rolf Franzen als Beigeordneter und Bürgermeister die Geschicke seiner Heimatstadt an verantwortlichen Stellen mit. Ein Satz, der ob seiner Richtigkeit nicht zu widerlegen ist und den auch unser Mitarbeiter Fritz Schäfer ob seiner schnörkellosen Ehrlichkeit bewusst als Einstieg in den Artikel formulierte, mit dem er das jüngste Redaktionsgespräch mit Franzen zu Papier brachte.

Der Noch-Bürgermeister, dessen Amtszeit am 31. August offiziell endet, war vor einigen Tagen zu Gast in unserer Redaktion. Zum in Ansätzen bilanzierenden, teilweise aber auch nachdenklichen und sehr persönlichen Gespräch, das wohl fraglos angezeigt ist, wenn einer so lange Verantwortung trägt für die Geschicke seiner Heimatstadt Zweibrücken (siehe oben). Und bevor er in den Ruhestand wechselt.

Deshalb gilt es auch an dieser Stelle, heute ein paar Worte über Franzen zu verlieren. Wissend, dass andere, die zahlreichen und prominenten Redner des ins Haus stehenden Festaktes, dies deutlich besser machen werden als der den Momentaufnahmen zugetane Kolumnist.

Ich persönlich kann beispielsweise mit einem Augenzwinkern die Feststellung nicht vermeiden, dass Rolf Franzen in den letzten Tagen ganz unbewusst – er weilte ja in Urlaub und ist deshalb schuldlos – sein ganz eigenes Stillleben auf meinem Schreibtisch inszenierte: Der an einigen Stellen von mir mit grünem Textmarker gezeichnete Ausdruck des eingangs erwähnten Berichtes des Kollegen Schäfer lag da oben auf einem Stapel Papiere. Darunter die Einladung zur offiziellen Verabschiedung aus dem Amt – in derselben Sondersitzung des Stadtrates wird kommenden Donnerstag Amtsnachfolger Christian Gauf als Bürgermeister ernannt, vereidigt und eingeführt. Und darunter das gerahmte Foto der Gesprächsrunde in meinem Büro, das jetzt allerdings endlich (!) seinen Platz an der Wand gefunden hat. Franzen hängt, wie es der Zufall will, ganz aktuell unter Kurt Pirmann. „Da hänge ich dann doch richtig“, scherzte schon vor Tagen der CDU-Mann über den zum damaligen Zeitpunkt noch jungfräulichen Nagel unter dem SPD-Mann. Dass der schwergewichtige Ober- dem deutlich feingliedrigeren Bürgermeister auf den Kopf fallen, ihn platt machen oder gänzlich in die Tiefe reißen könnte – nein, die Zukunft macht Franzen nicht bange. Und wenn das Malheur denn doch einträte, könnte Mario Sauder, Franzens neuer Nachbar zur Linken, aus dem Rahmen steigen und als DRK-Kreisgeschäftsführer Erste Hilfe leisten.

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Tatsache ist: Franzen kennt diese Angst nicht. Er hatte sie auch zu Dienstzeiten nicht. Bild geworden und fester Bestandteil unseres Fotoarchivs ist sein Auftritt im Freibad: Sein drahtiger nackter muskulöser Oberkörper – vorm Sprung ins kühle Nass. Filigran wie die Synchronspringer beim Eintauchen ins Wasser ohne große Wellen eine gute Figur zu machen – das schätzen die (politischen) Wegbegleiter in Partei und Rathaus und all jene, denen Franzen im Rahmen seiner politischen Arbeit als Gesprächspartner in vielen Institutionen begegnete. Da ist einer, ab Freitag muss es korrekt heißen: da war einer, der mehr als seinen Job macht(e), der sich zum Beruf berufen fühlte. Mit Akribie und Hingabe, mit Sachkenntnis und Fachverstand, vor allem aber mit einem gerüttelt Maß an Freude und Überzeugung. Gut, bisweilen auch mit Spurenelementen von Eitelkeit in homöopathischer Dosis, die auch mal an kennzeichnungspflichtigen, PS-starken Wagen sichtbar wurde. Doch diese Eitelkeit haben gute Politiker bisweilen mit guten Journalisten gemein. Sei’s drum.

Bei Franzen kommt final die Heimatverbundenheit hinzu. Im Vorstand unserer Stadt galt dies, in der Leitung solch inhaltlich schwieriger und komplexer Ämter wie Schule, Sport, Jugend und vor allem Soziales. Und erst recht, als Franzen 2012 als Herr der Zahlen auch die Finanzen bilanzieren durfte. Oder musste, was mit Blick auf die Kassenlage der Stadt und die daraus erwachsenden Spiel- und Gestaltungsräume die treffendere, weil ehrlichere Umschreibung wäre. Franzen hat addiert (die Einnahmen waren überschaubar) und subtrahiert (Ausgaben gibt es zuhauf). Die Summe kann sich sehen lassen – was unterm Strich rauskam, passte. Und nötigt Respekt ab. Buchhalterisch und auch mit Blick auf die von der Fähigkeit zur Moderation maßgeblich beeinflusste berufliche Leistung. Auch wenn diese zu würdigen, andere deutlich besser befähigt sind (oder sich fühlen mögen), werde ich mich – wann immer mein Blick zufällig rüber zu Franzen wandert – an einen interessanten Gesprächspartner erinnern, der nicht im schnell hingeklecksten Schwarz und Weiß agierte, sondern die oftmals unscheinbaren Grautöne mit individuellem Pinselstrich und sehr persönlichen Farbtupfern zum Leuchten brachte.

Einer, der jetzt auch ohne Groll und Brass aus dem Amt scheidet, wo andere vielleicht noch ein Mütchen kühlen oder eine über Jahre offene Rechnung begleichen würden. Fairplay, wie es sich aus dem Selbstverständnis des einstigen Sport- (und Deutsch-)Lehrers ergibt. Und im Wissen, dass der Mannschaftsspieler fallweise auftrumpfen oder sich verstecken kann – aber in beiden Fällen stets geringere Spuren als der Spielführer hinterlässt. Final nicht nachtragend, erst recht nicht nachtretend.

Schlusspfiff!