Roland Paul kommt in die Bibliotheca Bipontina : Vortrag und Ausstellung über jüdisches Leben in Zweibrücken

Zur Eröffnung der Wander-Landesausstellung „1700 Jahre jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz“, die von 9. September bis 8. Oktober im Foyer des Helmholtzgymnasiums gezeigt wird, berichtet der Historiker und Völkerkundler Roland Paul im Landesbibliothekszentrum Bibliotheca Bipontina über deren nahezu ausgelöschte Geschichte in Zweibrücken.

(cvw) Weil ihnen die Ausübung anderer Berufe verwehrt war, wurden sie erfolgreiche Geschäftsleute: die Juden. Etwas, was das Volk der Juden vielen suspekt und nicht unbedingt beliebt machte. Und das nicht erst im Dritten Reich, denn die Juden waren seit Jahrtausenden ausgegrenzt und konzentrierten sich von daher auf ihre eigene Gemeinschaft.

Wie viele Gebiete und Städte Deutschlands, ist auch Zweibrücken eng mit der jüdischen Geschichte verflochten. Rund 200 Jahre lang lebten und wirkten sie in Zweibrücken. Bereits seit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ließen sich Juden in der Herzogstadt nieder und prägten mit ihren unverkennbaren Bärten, Frisuren und Hüten das Stadtbild. Die jüdische Gemeinde hatte eine Schule, eine Synagoge, ein rituelles Bad und einen Friedhof.

Von ihrer Stellung in der Stadt zeugt auch, dass sie einen eigenen Rabbiner und einen Lehrer hatten. Ein größerer Teil der 155 jüdischen Einwohner der Stadt konnte 1933 nach den vorliegenden geschichtlichen Informationen noch auswandern, bevor in der Reichspogrom- nacht 1938 die Synagoge zerstört wurde. Eine Gedenktafel an der Ecke Wallstraße/Ritterstraße erinnert noch heute an ihren Standort. Zwei Jahre später wurden die letzten Juden verschleppt, so dass die jüdische Kultur Zweibrückens ein Ende fand.

Mit dieser wechselvollen jüdischen Geschichte Zweibrückens hat sich der langjährige Direktor i.R. am Institut für Geschichte und Volkskunde der Pfalz in Kaiserslautern, Roland Paul, eingehend beschäftigt. Als Leiter der Arbeitsstelle „Geschichte der Juden in der Pfalz“ wird der Historiker und Volkskundler in einem Vortrag am Donnerstag, 9. September, 19 Uhr, im Landesbibliothekszentrum LBZ Bibliotheca Bipontina von dem beinahe komplett ausgelöschten Kapitel der Stadt berichten.

Damit wird zugleich die Wander-Landesausstellung „1700 Jahre jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz“ im Foyer des Zweibrücker Helmholtzgymnasiums eröffnet – in direkter Nachbarschaft zu der ebenfalls im Erdgeschoss untergebrachten Bipontina. Die Ausstellung wurde vom Institut für geschichtliche Landeskunde in Mainz im Rahmen der bundesweiten Aktion „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ erarbeitet. Diese wird von 9. September bis 8. Oktober im Helmholtzgymnasium zu sehen sein.

Um eine Anmeldung für den Vortrag wird gebeten unter Tel. (0 63 32) 14 60 3 oder per Mail an bipontina@lbz-rlp.de. Es gelten die jeweils aktuellen Corona-Verordnungen.

https://lbz.rlp.de