„Rock am Ring“ kapituliert

Mit Sack und Pack mussten gestern zehntausende Besucher von „Rock am Ring“ vorzeitig die Heimreise antreten. Zur Frage der Entschädigung von Konzertbesuchern wollte sich Veranstalter Marek Lieberberg zunächst nicht äußern.

Nach einem Wetter-Chaos ist das Musikfestival "Rock am Ring" gestern mit vorzeitigem Abbruch zu Ende gegangen. Nach wiederholten Unwettern mit mehr als 70 Verletzten traten Tausende von Besucher im tiefen Schlamm mit Sack und Pack den Heimweg an. Wegen eines für Nachmittags erwarteten erneuten Unwetters hatte die Verbandsgemeinde den Veranstaltern die Genehmigung für die Fortsetzung des Festival mit rund 90 000 Besuchern entzogen. Wie das Rote Kreuz gestern mitteilte, waren durch den Blitzeinschlag am Freitagabend (wir berichteten) insgesamt 71 Menschen verletzt worden.

Am frühen Morgen traten auf dem Mendiger Flugplatz die Besucher mit Handwagen den Heimweg an. Dieser wurde oft erschwert, weil Autos im Schlamm feststeckten. Andere Besucher warteten auf Busse nach Koblenz. Die Behörden und der Konzertveranstalter hatten alle Rockfans aufgefordert, die Campingplätze bis zur Mittagszeit zu räumen. "Es sieht alles geordnet aus", sagte ein Polizeisprecher. Mit Lautsprechern waren alle zum Verlassen des Geländes aufgefordert worden.

Konzertveranstalter Marek Lieberberg sprach gestern von einem Fall "höherer Gewalt". Man habe sich der Anordnung gebeugt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Anders als die Behörden hätte man aber gerne gestern das Festival zum Abschluss gebracht. Dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD ) warf Lieberberg vor, die Verantwortung für die Absage auf die Gemeinde abgeschoben zu haben. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte dazu gestern, dass Lewentz den Abbruch der Veranstaltung bereits am Tag zuvor gefordert habe. Zur Frage von Entschädigung von Konzertbesuchern wollte sich Lieberberg zunächst nicht äußern. Eine Neuauflage von "Rock am Ring" im kommenden Jahr hält er grundsätzlich für nicht gefährdet.

Am Samstagabend hatte es nach zwischenzeitlicher Unterbrechung noch einmal ein Konzert auf zwei Bühnen gegeben. Dabei jubelten zehntausende von Rockfans der kalifornischen Band Red Hot Chili Peppers zu. Die Musiker konnten ihre Hits wie "Dani California" und "The Getaway" spielen. Zwei Stunden nach Mitternacht trat dann auch noch die Berliner Rockband The BossHoss auf, vor tausenden Menschen auf dem völlig verschlammten Gelände. Zuvor war das Festival wegen Unwetterwarnungen für sieben Stunden unterbrochen worden. Auch am späten Nachmittag ging noch einmal ein heftiges Gewitter über dem Festivalgelände in Mendig nieder.

Am Freitagabend waren mehr als 70 Menschen - zuerst war von mehr als 80 die Rede gewesen - bei einem Blitzeinschlag auf dem Gelände verletzt worden. Daraufhin beschlossen die Veranstalter nach einem Krisengespräch mit Lewentz, das Festival wegen weiterer Unwetterwarnungen zu unterbrechen. "Wir müssen alles dafür tun, dass keine neuen Verletzten hinzukommen", sagte Lewentz. Die ersten Besucher brachen daraufhin schon am Samstagnachmittag auf.