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Ro Gebhardt in Zweibrücken: Von „begeisternd“ bis „langatmig“

Ro Gebhardt in Zweibrücken: Von „begeisternd“ bis „langatmig“

Sehr unterschiedlich waren die Meinungen über den Auftritt des saarländischen Gitarristen Roland „Ro“ Gebhardt in der Zweibrücker Festhalle. Die einen fanden ihn etwas langatmig, anderen waren regelgerecht begeistert.

Wen er zu seinem Gastspiel in der Zweibrücker Festhalle mitbringt, wollte der saarländische Gitarrist Roland "Ro" Gebhardt vorher nicht verraten. Neben Schlagzeuger Jean-Marc Robin und Bassist Gernot Kögel kam dann Jazz-Sängerin Andrea Reichhart auf die Bühne für einige Gesangsnummern. Mit ihr hatte Gebhardt längere Zeit nicht mehr zu tun, wiewohl sie schon auf einer ersten CD zu hören war. Jetzt gab sie dem Jazz-Trio eine optisch und musikalisch wohltuende Zutat. Glasklar improvisierte die in St. Wendel wohnende Vokalistin über die überwiegend brasilianischen Kompositionen. An Gebhardt schieden sich wie so oft die Geister: Während die einen sein unglaublich komplexes und virtuoses Gitarrenspiel bewunderten, störten sich die anderen am ausufernd-selbstverliebten Habitus des Musikers. "Die Solos waren übertrieben, dadurch war es sehr langatmig - mir hat es nicht so richtig gut gefallen", sagte hinterher Herbert Betz aus Contwig. Ganz anders schon äußerte sich Thomas Kaiser aus Martinshöhe: "Ich kenne ihn, er beherrscht sein Instrument sehr gut. Er hat gezeigt, was er kann, Bassist und Schlagzeuger sind auch sehr gute Musiker." Richtig begeistert war Silvia Berg-Seiter aus Zweibrücken , die sich nach dem Konzert eine CD ergatterte: "Ich habe ihn noch nicht gekannt, es war großartig! Auch Andrea Reichhart war sehr gut. Wir gehen auf jeden Fall hin, wenn Ro Gebhardt in Neunkirchen spielt."

Lang waren sie schon, die Soli von Gebhardt, so lange jedenfalls, dass er währenddessen mit seiner kabellos verstärkten Gitarre durch den Wintergarten der Festhalle spazierte und auch ganz hinten sitzendes Publikum "bespielte". Doch das blieb nicht das einzige Show-Element: Gebhardt nahm auch verschiedene Tonschleifen von sich selbst auf und spielte dazu - nachdem Begleitung und Solo eingespielt waren, ließ er das weiterlaufen und nahm in eine Hand eine Plastiktüte. Komplizierte Rhythmen klatschend begab er sich dann ein weiteres Mal ins Publikum, setzte sich hie und da hin und grinste schelmisch. Abwechslungsreich auch seine Ansage des "Werbeblocks": Die CDs gäbe es umsonst meinte er zum Erstaunen des Publikums - aber: Er appellierte dann doch ans Ehrgefühl der Leute hinsichtlich einer kleinen Spende und sinnierte darüber, ob es denn auch 1000 Euro-Scheine gäbe.

Die Bossa-Nova-Klassiker Agua de beber, Wave oder The Girl From Ipanema spielte die Band im Samba-, Reggae- oder Rock-Rhythmus, was den Nummern durchaus gut stand; Gebhardts eigene Songs der im Dezember erscheinenden CD "Fruit of Passion" machten auch eine gute Figur im Programm. Nur der Zuspruch des mit 40 Zuhörern schwach besetzten Saals hätte stärker sein können: So richtig vehement wurde die Zugabe nicht gefordert - aber trotzdem gewährt.