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Rita Rebmann-Holzdeppe und ihre selbstbewussten Frauenfiguren

Künstler im Porträt : Ein Faible für selbstbewusste Frauenfiguren

Die Zweibrücker Künstlerin Rita Rebmann-Holzdeppe ist in vielfältigen Techniken zu Hause – Zu sehen sind einige Werke in der Deutsche Bank-Filiale.

(sedi) Malerin Rita Rebmann-Holzdeppe wird 1952 im nordrhein-westfälischen Nümbrecht geboren. Die Mutter des Leichtathletik-Stars Raphael Holzdeppe macht ein Diplom als Technische Übersetzerin, nachdem sie eigentlich Grafik/Design studieren wollte – aus familiären Umständen hatte das nicht geklappt. Das Talent im grafischen Gestalten kann sie jedoch beim Produktdesign des Konzerns, für den sie arbeitet, ein wenig ausleben.

In Zweibrücken lebt Rebmann-Holzdeppe seit knapp über 30 Jahren. Seit 25 Jahren („da war Raphael aus dem Gröbsten raus“) kann sie sich vermehrt ihrer Leidenschaft, dem Malen widmen. Dazu begibt sie sich in ihr heimisches Keller-Atelier und lässt dort niemanden mehr rein – „außer der Katze“. Sie besucht Kurse und Workshops, so etwa bei Gouache-Maler Bernd Kastenholz oder bei Stephan Holger Hager, der sie in die abstrakte Kunst einführt. Von beiden habe sie sich mittlerweile aber weit entfernt, sagt die Malerin.

In ihren eigenen, hauptsächlich figurativen Stil bringt sie gerne mal etwas Abstraktes ein und benutzt dabei vielfältige Techniken. „Mir ist nur wichtig, dass die Bilder leben, dass sie Ausdruck bekommen.“ Derzeit stellt sie in der Finanzagentur der Deutschen Bank in der Poststraße aus. Ihr vielfältiges Werk ist dort noch bis zum 31. Januar zu sehen.

Häufig malt Rebmann-Holzdeppe attraktive Frauen in einer bestimmten Lebenssituation. Eine Protagonistin sitzt verzweifelt auf einem Stuhl, ein alter Telefonhörer ragt von oben ins Bild. Da scheint es einen unangenehmen Anruf gegeben zu haben. Ähnliches Motiv, aber eine andere Stimmungslage auf dem Bild „Die Verabredung“: Darauf schminkt sich eine hübsche Frau, Schmetterlinge flattern durch die Szene. Das Telefon steht hier noch unberührt in der linken unteren Ecke.

Wichtig ist Rebmann-Holzdeppe das Selbstbewusstsein ihrer weiblichen Figuren. Deutlich wird das bei einem Quadrichon namens „Cool in Red“. Da läuft eine ganz in Rot gekleidete Frau hoch erhobenen Hauptes die Straße entlang, die Männer im Hintergrund interessieren sie nicht. „Die geht ihren Weg und lässt sich überhaupt nicht beeindrucken“, sagt die Malerin.

Wie entstehen solche Werke? „Ich habe meistens eine Geschichte im Kopf. Dann sehe ich zum Beispiel ein Foto, was dazu passt – daraus beziehe ich die Inspiration. Grundsätzlich ist es so: Ich setze eine Geschichte um mit einem Bild.“

Gesellschaftspolitische Themen spart Rebmann-Holzdeppe nicht aus. Beispielsweise zeigt auf einem Bild eine Frau den Mittelfinger. „Das habe ich als Reaktion auf die MeToo-Debatte gemalt. Die ganze Geschichte mit diesen Weinsteins und Epsteins ist mir so auf den Geist gegangen!“

Auf einem anderen Bild wirft eine junge Frau lachend den Kopf nach hinten – ihre Lebensfreude ist nahezu greifbar. „Bei der ist es wie in Herbert Grönemeyers Song ‚Sekundenglück‘“, meint die Künstlerin.

Auch wenn es häufig junge Schönheiten sind, die auf den Bildern von Rebmann-Holzdeppe zu sehen sind, spielt auch die Vergänglichkeit eine Rolle in ihren Werken: Ränder und Hintergründe gestaltet sie oft mit einem Eisenpulver, das durch die Oxidation ein schönes Rostbraun ansetzt. „Ob es ein junger Mensch ist oder ein älterer – alles ist vergänglich, das wollte ich damit ausdrücken.“

Privates verrät die Künstlerin über das Bild „Einsamer Held“: Auf dem weitgehend abstrakt gehaltenen Gemälde spielt der Kopf eines jungen Mannes die zentrale Rolle. Er wirkt wie gefangen zwischen zwei großen Säulen oder Stäben, unten erscheint Kopfsteinpflaster. „Das war, als Raphael den dritten Platz bei der Olympiade belegt hat und nach München gezogen ist. Das ist mir damals ziemlich nahe gegangen, da hab ich das gemalt.“

Rebmann-Holzdeppe zeigt aber nicht nur Porträts in der Ausstellung. Da sieht man zum Beispiel eine Elefantenherde im menschenleeren New York ankommen. Auslöser des Bildes war für die Malerin das Thema Migration: „Die Elefanten haben sogar Kinder dabei und kommen in völlig friedlicher Absicht.“ In einer anderen Stadtlandschaft fährt ein Motorradfahrer auf einen Abgrund zu, ein Schmetterling versucht ihn aufzuhalten. „Da muss man aber genau hingucken, um das zu sehen“, sagt die Künstlerin.

Die gezeigten Bilder stecken also voller interessanter Details, auch wenn die Malerin sagt, sie bevorzuge den großen Pinsel und arbeite die Feinheiten nicht komplett aus. Trotzdem male sie drei, vier Wochen an einem Bild, danach brauche ihr Rücken noch mal eine Woche Pause. Jedenfalls: Wer zu den Geschäftszeiten in die Deutsche Bank-Filiale kommt, bekommt von Rebmann-Holzdeppe eine Menge aufwühlender Geschichten erzählt - und kann sich zusätzlich am hohen technischen Niveau und dem Gespür für Farbkomposition der Malerin erfreuen.