Rettungsflieger sucht Gerettete

Zweibrücken. An den 22. Mai 1982, einen Samstag, dürften sich nur noch wenige Zeitgenossen erinnern. Irgendein Frühlingstag eben vor 27 Jahren. Man sprach über den gerade ausgebrochenen Falkland-Krieg, Zweibrücken war wegen des Pfälzer Landjugendtages voller junger Gesichter. Aber das alles ist Vergangenheit. Vorbei. Abgehakt. Anders geht es dem saarländischen Sportflieger Rolf Schauss

 Dieses Foto zeigt die Fluchtmaschine. Foto: pm
Dieses Foto zeigt die Fluchtmaschine. Foto: pm

Zweibrücken. An den 22. Mai 1982, einen Samstag, dürften sich nur noch wenige Zeitgenossen erinnern. Irgendein Frühlingstag eben vor 27 Jahren. Man sprach über den gerade ausgebrochenen Falkland-Krieg, Zweibrücken war wegen des Pfälzer Landjugendtages voller junger Gesichter. Aber das alles ist Vergangenheit. Vorbei. Abgehakt. Anders geht es dem saarländischen Sportflieger Rolf Schauss. Wegen dieses Tages hat sich sein Leben für lange Zeit verändert. Weil er mit seinem Flugzeug, einer Wilga 35 A, eine DDR-Familie illegal von Ungarn nach Österreich und damit in die Freiheit flog. Die Geschichte hat ihn bis heute nicht losgelassen. Jetzt, im Jubiläumsjahr "20 Jahre Mauerfall", ist er auf der Suche nach den beiden Töchtern der Familie, damals ein und drei Jahre alt. Eine von beiden, hat er gehört, soll in Mittelbach wohnen. Engagiert hatten Schauss, der am Flugplatz Düren bei Saarlouis eine Fallschirm-Sprungschule betrieb, die Großeltern der beiden Kinder. Der Kontakt kam über eine Saarbrücker Flugschule zustande, erzählt er im Gespräch mit dem Pfälzischen Merkur. Zwei Stunden saß man zusammen. "Frau Fischer hat mich angefleht", erinnert er sich, "da hab ich's gemacht". Gemeinsam mit seinem Co-Piloten Wolfgang Scheffler machte er sich am 19. Mai von Saarlouis aus über Baden-Baden, Landshut, Mühldorf, Eggenfelden und Linz auf nach Punitz, einem "kleinen Landeplatz im österreichischen Bundesland unmittelbar an der ungarischen Grenze", wie damals Merkur-Mitarbeiter Gustav Lessau schrieb. Das Duo erkundete mehrfach den Luftraum. Am Samstag überquerte Schauss alleine heimlich die Grenze und landete auf ungarischer Seite auf einer Wiese. Dort stiegen Thomas und Eleonora Arndtz mit den beiden Töchtern Astrid (ein Jahr) und Margit (drei Jahre) ein - und ab ging es zurück nach Österreich. "Wir sind im Tiefflug rein und im Tiefflug raus", erzählt Schauss. Am Flugplatz Pinkafeld ließ er die Familie aussteigen und flog zurück nach Punitz. Dort packte das Pilotenduo in aller Eile seine Siebensachen zusammen und flog nach Wien-Neustadt, um die Maschine aufzutanken und zurück ins Saarland zu kommen. Leider war der Husarenstreich den Behörden mittlerweile bekannt und die beiden wurden nach der Landung in Wien verhaftet. Auch die Zweibrücker Großeltern der beiden Mädchen wurden festgenommen. Allerdings auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs, in Ungarn. Als Schauss einige Zeit später entlassen wurde, war die Angelegenheit für ihn noch lange nicht erledigt. Die DDR wollte sich diese Flucht nicht gefallen lassen und erließ am 15. Juli 1982 gegen Schauss einen Haftbefehl wegen "staatsfeindlichen Menschenhandels". Der konnte ihm im Westen nichts anhaben. Anders die Inoffiziellen Mitarbeiter, die die Stasi auf seine Spur setzte. Nachzulesen ist das in Schauss' Stasi-Akte, die er seinem Buch "Angst vergessen" als Anhang beigefügt hat. Auch das Familienglück der Geretteten war, soweit Schauss weiß, nach der Flucht nicht ungetrübt. Die Eltern trennten sich. Wenn Sie eines der beiden Mädchen kennen oder es sogar selber sind, können Sie sich an die Redaktion des Pfälzischen Merkur, Hauptstraße 66, in Zweibrücken wenden. Tel. (0 63 32) 80 00 50.