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Reiner Kröhnert mit Politiker-Parodien in Zweibrücken

Reiner Kröhnert in Festhalle Zweibrücken : Great Kabarett mit Trump & Co

Reiner Kröhnert meldete sich per Ge-twitter-cloud im Wintergarten der Zweibrücker Festhalle.

Reiner Kröhnert ist der richtige Mann, um der Zeit auf den faulen Zahn zu fühlen, ein Griff ins volle Leben und die Zuhörer kommen schnell in ausgelassene Stimmung. Wenn auch manch Anlauf hin zur gefeilten Pointe etwas lang ist. Erste Lacher aber erntet er am Freitagabend im Wintergarten der Zweibrücker Festhalle schon mit seinen wirklich täuschend echten Stimmimitationen.

So lässt er als Altkanzler Gerhard Schröder mit sonorer Stimme Martin Schulz abmeiern: „Zu meiner Zeit da hatte man die Versager ja noch nach Brüssel abgeschoben ins Endlager für ausgebrannte Politelemente. Aber seit einiger Zeit holt man diese Grützgurken doch tatsächlich wieder zurück. Fehlt nur noch, dass die CDU den Oettinger als Merkel-Nachfolger reaktiviert.“ Trump tritt natürlich auf samt seiner grotesken Fake-News. Wenn er sein Handy zückt und twittert, wird‘s laut im gut besuchten Wintergarten. „Wenn wir schon Atomwaffen haben, müssen wir sie auch einsetzen!“ Informiert über heutige Politik müssen die Zuhörer jedoch sein, sonst geht viel Witz verloren. Boris Becker freilich ist deutlich: „Ich bin eher Philosoph, Sokrates sagt: Ich weiß, dass ich nichts weiß, da weiß ich mehr“. Kröhnert lässt die üblichen Verdächtigen auftreten, schmäht sie zum Haaresträuben und sagt doch nur die nüchterne Wahrheit, Realsatire eben. Sehr oft tritt Adolf Hitler auf, mokiert sich zum Beispiel über die Handvoll Toten im Vietnamkrieg, da habe er ganz andere Zahlen zu bieten, aber letztendlich, „es war nicht alles gut in meiner Zeit“. Krieg müsse endlich salonfähig werden. Hitler steht bei Kröhner als überdeutliche Warnung vor der Erstarkung von rechtsaußen. Kurzum: Von Geist befreiter Zeitgeist obwalte und der Heilige Geist sei selbst in Rom noch nicht angekommen. An einigen Stellen ist der Kabarettist ein wenig selbstverliebt in schöne Worte, das muss man eben als Poesie am Rande sehen. Einige Zugaben erklatscht das begeisterte Publikum.