Reichlings verbaler Amoklauf

Zweibrücken hat es wieder mal geschafft, überregional in die Medien zu kommen. Doch ein VHS-Kurs Runenyoga, ein U-Boot für den Rosengarten, düstere Leerstands-Szenarien und ein auszugebürgernder Oberbürgermeister tragen nicht gerade dazu bei, das Bild einer liebens- und lebenswerten Stadt zu zeichnen, die zumindest einen Besuch wert ist

Zweibrücken hat es wieder mal geschafft, überregional in die Medien zu kommen. Doch ein VHS-Kurs Runenyoga, ein U-Boot für den Rosengarten, düstere Leerstands-Szenarien und ein auszugebürgernder Oberbürgermeister tragen nicht gerade dazu bei, das Bild einer liebens- und lebenswerten Stadt zu zeichnen, die zumindest einen Besuch wert ist. Während man über Runenyoga und U-Boot ja noch schmunzeln konnte, drohen sich die beiden anderen Themen zu einem echten Problem für Zweibrücken auszuwachsen. Vom Jammern einiger Einzelhändler über angeblich durch die Style Outlets verursachte Leerstände in der Innenstadt wurde sogar das Fernsehen nach Zweibrücken gelockt. Wer den Bericht gesehen hat, wird so schnell sicher nicht zum Einkaufen nach ZW-City fahren. Gut, dass der SWR nicht auch noch gesendet hat, wie Reichling beim Neujahrsempfang sagte: "Wie Zahnlücken in einem früher makellosen Gebiss machen die Leerstände unsere innerstädtischen Einkaufsbereiche nicht gerade attraktiver." Ein Ekel erregendes Bild. Aber ein völlig schiefes. Natürlich gibt es ein paar Leerstände an den Rändern der City - aber dort ist die Fluktuation in allen Städten hoch. Und natürlich ist es gefährlich, dass es noch monatelang dauert, bis auf den Plätzen an den Enden der Fußgängerzone die Nachfolger für die Magneten Sinn-Leffers und Goebes einziehen. Gut, dass Reichling mit innovativen Ideen den Handel fördern will - aber warum vermittelt er den abstrusen Eindruck, Zweibrücken sei die Stadt der Lücken? Denn Fakt ist: In der Einkaufsmeile zwischen Alexander- und Hallplatz gibt es 62 Läden - kein einziger davon steht leer! Und das mitten in der Wirtschaftskrise. In welcher Stadt gibt es das noch?Rätselhaft ist auch Reichlings Verhalten im Wohnsitz-Streit. Den meisten Zweibrückern ist herzlich egal, wo ihr OB schläft: 2003 haben sie ihn mit 68 Prozent gewählt - obwohl die SPD kritisiert hatte, dass er in Einöd wohnt. Doch dass Reichling von politischen Intrigen und Stasi-Methoden schwadroniert, weil sein Hauptwohnsitz jetzt dort festgelegt wird, wo er laut Meldegesetz sein muss (nämlich da, wo seine "vorwiegend benutzte Wohnung" ist), ist an Dreistigkeit schwer zu überbieten. Zumal Bürgermeister Heinz Heller (der das Verfahren nicht freiwillig betrieben und Reichling vergeblich goldene Brücken gebaut hat!) als besonnener und absolut integerer Politiker bekannt ist, der dem OB oft loyaler war als seiner eigenen Partei. Es ist legitim, wenn Reichling anderer Rechtsauffassung ist und vor Gericht klagt. Doch sein verbaler Amoklauf beschädigt nicht nur andere, sondern vor allem ihn selbst. Auch das ist nicht im Interesse der Stadt.