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Reichling: Ich hinterlasse Schuldenberg, keinen Arbeitslosenberg

Reichling: Ich hinterlasse Schuldenberg, keinen Arbeitslosenberg

Zweibrücken. Oberbürgermeister Helmut Reichling hat sich gestern beim Empfang des DGB und der Stadt zum 1. Mai in der Festhalle zum Keynesianismus bekannt, nach dem der Staat wirtschaftliche Impulse geben soll. Zwar müssten Bund und Land sparen: "Aber nicht auf Kosten der Bürger

Zweibrücken. Oberbürgermeister Helmut Reichling hat sich gestern beim Empfang des DGB und der Stadt zum 1. Mai in der Festhalle zum Keynesianismus bekannt, nach dem der Staat wirtschaftliche Impulse geben soll. Zwar müssten Bund und Land sparen: "Aber nicht auf Kosten der Bürger." Damit war sich Reichling mit DGB-Westpfalz-Sekretär Franz Edinger einig, der dem Sparen um jeden Preis eine Absage erteilte. Die Arbeitnehmer dürften nicht dafür bezahlen, dass "Spekulanten und Finanzjongleure" Fehler gemacht haben, sagte Edinger. Mit Blick auf die Arbeitslosenzahlen bei älteren und jungen Arbeitnehmern sowie auf Sozialleistungen angewiesenen Jugendlichen ("in Zweibrücken 15 Prozent aller unter 15-Jährigen" - befürchte er, dass aus der Finanzkrise eine Sozialkrise wird. "Man muss für seine Rechte kämpfen", forderte Edinger Betriebs- und Personalräte, Verwaltungsmitarbeiter und Kommunalpolitiker zur Teilnahme an der Kundgebung am 1. Mai in Kaiserslautern auf.Reichling erinnerte an die Pallmann-Kundgebung am Montag auf dem Schlossplatz: "So etwas hat es in Zweibrücken noch nicht gegeben." Mit dieser Solidaritätsbekundung hätten die Zweibrücker und andere Arbeitnehmer gezeigt, dass sie nicht allein stehen beim Kampf um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Reichling betonte gestern den Wert der Solidarität als Gegensatz zur um sich greifenden "Ich-Gesellschaft". In seiner "letzten offiziellen Rede", bevor Reichling am 31. Mai aus dem Amt scheidet, sagte er, dass er seinem Nachfolger zwar "einen Berg Schulden" hinterlasse. "Aber keinen Berg Arbeitslose." Schulden seien Zahlen. "Hinter Arbeitslosen stehen Menschen." Reichling sagte, er bedauere nicht, dass er acht Jahre Oberbürgermeister sein konnte. "Ich hoffe, die Stadt bedauert es auch nicht."

IG-Metall-Bezirkssekretär Ralf Cavelius dankte Arbeitnehmern und Politikern für die Unterstützung bei Pallmann. "Ohne Euch wäre die Aktion am Montag nicht möglich gewesen." Cavelius begründete, warum die Gewerkschaft hinter dem Gesellschafter Hartmut Pallmann stand und steht: "Pallmann verlagert keine Produktion ins Ausland. Leiharbeit ist bei Pallmann kein Thema. Pallmann hat die höchste Ausbildungsquote." sf