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Raumluftreinigungsgeräte für Grundschulen: nicht in Zweibrücken, aber in St. Wendel

Coronaschutz: Zweibrücker Schüler frieren wegen offener Fenster - Wären Raumluftreiniger eine Alternative? : „Die Kinder nehmen das ganz gechilled auf“

Alle 20 Minuten muss in den Schulen zum Corona-Schutz stoßgelüftet werden. Dadurch wird es jetzt in den Klassen ziemlich kalt. Könnten Lüftungsgeräte helfen? St. Wendel rüstet damit alle Grundschulklassen aus. In Zweibrücken gibt es dazu unterschiedliche Meinungen.

Abstand halten, Maske tragen – das sind wichtigsten Grundregeln, um einer Ansteckung mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vorzubeugen. Doch bei Grundschülern sind ausgerechnet diese beiden Regeln kaum einzuhalten: In kleinen Klassenzimmern sitzen Nachbarn eng beisammen – und weil kleinen Kindern das nicht so lange zugemutet werden soll, gilt in Rheinland-Pfalz für Grundschüler während des Unterrichts keine Maskenpflicht.

Dabei ist in Räumen die Ansteckungsgefahr größer als draußen. Dem wird in Rheinland-Pfalz durch strenge Lüftungs-Vorschriften Rechnung getragen: Alle 20 Minuten muss in Klassensälen mindestens (!) drei Minuten lang stoßgelüftet werden, außerdem natürlich in den Pausen.

Nach den ersten Nachtfrösten ist es derzeit auch vormittags oft noch sehr kalt. Könnten deshalb mobile Raumluftreiniger dabei helfen, Viren aus der Luft zu filtern? Im benachbarten Saarland investiert die Stadt St. Wendel gerade 160 000 Euro, um alle 40 Klassen ihrer vier Schulgebäude mit solchen Geräten auszustatten. Damit diese schon in sechs Wochen aufgebaut werden können, hat der Stadtrat in einer Dringlichkeitssitzung einen Nachtragshaushalt beschlossen. „Wir tun dies für die Sicherheit und Gesundheit der rund 730 Kinder sowie der Lehrerinnen und Lehrer an unseren Grundschulen“, sagte St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU).

Wären Raumluftfilter auch für die acht Zweibrücker Grundschulen sinnvoll? Der Merkur hat vergangene Woche vier der Schulleitungen erreicht und um ihre Einschätzung gebeten

Sabine Gauf, Rektorin der Grundschule Sechsmorgen, ist bereits aktiv geworden: „Ich habe gerade einen Spendenantrag gestellt. Bei Minusgraden ist es ja sehr unangenehm, alle 20 Minuten die Fenster aufzureißen.“ Mit Rücksicht auf den potenziellen Spender verriet Gauf diesen aber nicht. Der Schulförderverein sei es nicht – der sei nämlich wegen des coronabedingt ausgefallenen Schulfests knapp bei Kasse. Gauf weiter: „Wir versuchen, alles auszuloten, was über die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen hinaus möglich wäre. Eine Kollegin hat ein CO2-Messgerät aufgestellt, das ein Vater privat zur Verfügung gestellt hat.“ Dieses zeigt an, wenn die Luft in einem Raum verbraucht ist (ein Indiz, dass auch die Virenlast steigen könnte), sodass man gegebenenfalls noch häufiger lüften kann. Die Lehrkräfte hätten die Masken im Unterricht „fast dauerhaft an, denn gerade bei den Kleinen müssen sie ja öfter relativ nahe ran“. Die Hygieneschutzregeln (wie ausreichendes Händewaschen oder auf dem Schulhof Abstand halten) würden, auch dank toller Unterstützung der Eltern, gut eingehalten. „Auch wenn es natürlich nicht ausbleibt, dass man sich etwa beim Fangen-Spielen auf dem Schulhof kurz näherkommt.“ Pläne schmieden Sabine Gauf und ihr Kollegium schon für den Fall, dass Kinder aus Coronaschutz-Gründen nicht mehr in die Schule kommen können: „Wir bereiten uns auf Distanzunterricht mit Videokonferenzen vor.“

Gertrud Rothaar, Rektorin der Thomas-Mann-Schule in Ixheim, meint: „Als Grundschule brauchen wir keine Raumluftgeräte,. Es gibt gar kein Problem bei uns, denn alle Fenster lassen sich öffnen, auch die Oberfenster. Es wird halt ein bisschen kalt. Aber die meisten haben immer doppelte Kleidung und Jacke dabei.“ Wobei nach ihrem Eindruck den Lehrern die Kälte „teils mehr ausmacht als den Kindern“: Natürlich sei es „nicht gerade angenehm, in der Kälte zu arbeiten“. Wären da Lüftungsgeräte nicht doch zumindest wünschenswert? Rothaar antwortet: „Das ist wirklich nicht unsere Priorität.“ Zumal sie bei Lüftungsgeräten aktuell „auch ein bisschen Geldmacherei“ vermutet. „Ich hätte lieber für andere Sachen Geld. Und die Jahreszeit wird wieder anders werden, beim Lüften wird es dann nicht mehr kalt – und die Geräte stünden nutzlos herum.“

In der Thomas-Mann-Schule habe zudem derzeit jedes Kind einen Doppeltisch für sich allein, sodass auch in den Klassenräumen zumindest ein bisschen Abstand möglich ist. „Da liegt aber daran, dass bei uns maximal 22 Schüler in der Klasse sein. Bei 28 bis 30 ginge das nicht.“ Ihre Kollegen trügen im Unterricht Maske oder Schutzvisiere. Dass die Kinder ihre Masken aufsetzen, wenn sie im Unterricht aufstehen, durch Flure laufen oder in den Pausen, klappe gut. Auch die Eltern verhielten sich verantwortungsbewusst – so ließen viele ihre Kinder bei Schnupfen einen Tag daheim und schickten es erst dann wieder in die Schule, wenn nichts schlimmer wird. Zum Glück habe bislang „noch kein einziger Lehrer gefehlt – der Mundschutz hilft wohl“.

Andreas Rumpf, Rektor der Breitwiesenschule, antwortet auf die Frage nach Raumluftfiltergeräten: „Ich habe schon den Eindruck, dass das für manche Kollegen hilfreich wäre. Es wäre sinnvoll und wünschenswert – aber ich weiß nicht, wie realistisch, denn das ist ja auch eine Finanzierungsfrage.“ In der Bubenhauser Grundschule könne man in allen Sälen die Fenster zum Lüften öffnen, sodass der regelmäßige Luftaustausch gewährleistet sei. „Wir haben einen Corona-Gong, der uns alle 20 Minuten anzeigt, dass Lüftungszeit ist – mit einem anderen Klang, damit man’s nicht mit dem Stunden-Ende verwechselt.“ So könne man auch ohne Luftreinhaltungsgeräte den Coronaschutz gut gewährleisten. Aber kühl werde es schon: „Manche Kinder haben immer ihre Weste drüberhängen.“ Er habe frühzeitig Eltern geraten, solche wärmenden Kleidungsstücke mitzugeben. Wobei zuletzt oft die auf die Fenster scheinende Sonne dafür gesorgt habe, dass es noch nicht bitterkalt wurde. Problematisch sei es aber bei stärkerem Wind: „Da kriegt man schon mal eine Böe ab.“

Auf dem Pausenhof erinnere man Kinder oft ans Abstandhalten „und dass man die Maske auch über die Nase ziehen muss“. Auch werde immer wieder darauf hingewiesen, dass das Händewaschen nicht zu flott geschehen darf. Lehrer setzten im Unterricht Masken auf, wenn sie zu Schülern an den Platz gehen.

Nicole Schneider, Rektorin der Grundschule Rimschweiler, betont, sie maße sich kein fachliches Urteil darüber an, ob und wie Raumluftgeräte vor Corona schützen, hierzu habe sich schon unterschiedliche Theorien gelesen. „Wenn es etwas bringen würde, wären solche Geräte eine tolle Sache – finanziell aber natürlich ein ganz schönes Projekt.“ Deshalb erwarte sie nicht, dass dies in Zweibrücken realisiert wird. „Und wir sind eine sehr kleine Grundschule, wir kriegen den Coronaschutz auch so gut hin.“ Bei nur 58 Schülern habe man sogar den Schulhof in vier Bereiche aufteilen könne, damit jede Klasse sicherheitshalber unter sich bleibt – und trotzdem genug Platz hat.

In den Klassenräumen erinnere ein „Lüftungs-Gong nach 20 Minuten daran, dass wir wieder Fenster und Tür aufmachen, das ist mittlerweile ganz selbstverständlich“. Die  Kälte mache ihr mehr als ihren Schülern: „Die Kinder nehmen das ganz gechilled auf. Alle haben auch Jäckchen dabei.“

Träger der Zweibrücker Grundschulen ist die Stadt. Erwägt diese auch das St. Wendeler Modell, alle Grundschul-Klassen mit Luftfiltergeräten auszustatten? Wohl eher nicht, ist der schriftlichen Antwort der Merkur-Anfrage an die Stadtverwaltung zu entnehmen. Schuldezernentin Christina Rauch (CDU): „Aus Sicht des Bauamtes verfügen fast alle Klassenräume in den Schulen in Trägerschaft der Stadt Zweibrücken über geeignete Möglichkeiten zur Fensterlüftung.“ Lediglich am Hofenfels-Gymnasium gebe es zwei innenliegende Räume (einen Medienraum und einen Fachraum) ohne Möglichkeit der Fensterlüftung, jedoch mit einer Lüftungsanlage.

„Die Corona-Situation ist für alle Zweibrücker Schulen herausfordernd. Das wird in den persönlichen Gesprächen deutlich“, schreibt Rauch. Aber: „Uns wurden von den Schulleitungen, die die Einhaltung der Corona-Regeln vor Ort einfordern, keine größeren Schwierigkeiten geschildert.“

Anders als das finanziell relativ auf Rosen gebettete St. Wendel hat die Rosenstadt Zweibrücken einen riesigen Schuldenberg, die Kommunalaufsicht darf deshalb nur „unabweisbare“ Investitionen genehmigen. Spielt die Armut der Stadt bei der Entscheidung pro und kontra Luftreinigungsfilter eine Rolle? Direkt antwortet Rauch darauf zwar nicht. Aber sie deutet an, dass dies zumindest derzeit eine rein hypothetische Frage ist: „Es liegen dem Stadtbauamt aktuell keine Bedarfsmeldungen zur Ertüchtigung von Klassenräumen aus den Schulen vor.“ Zudem liege der Stadt die Förderrichtlinie des Landes für Luftfiltergeräte noch nicht vor, so Rauch. Erst danach könne geprüft werden, ob dadurch eine Umsetzung auch an Zweibrücker Schulen möglich wird. Laut SWR allerdings plant die Landesregierung, solche Geräte nur in Räumen ohne ausreichende Fensteröffnungsmöglichkeit zu fördern – was Zweibrücken ja ohnehin nicht betrifft.