1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Räumchen-wechsel-dich im „Evangelischen“

Räumchen-wechsel-dich im „Evangelischen“

Morgen zieht sich der Landesverein für Innere Mission in der Pfalz (LVIM) aus der Trägerschaft des Evangelischen Krankenhauses zurück. Allerdings läuft der Betrieb in Teilen des Gebäudes weiter. Der Merkur gibt einen Überblick.

Auf der Website des LVIM war auch gestern, zwei Tage vor dem Aus seines Evangelischen Krankenhauses Zweibrücken , noch kein Hinweis darauf. Dafür wiesen Aushänge am Eingang und in den Ambulanzen auf die Einstellung des Krankenhausbetriebs in Trägerschaft des LVIM hin, so dessen Sprecherin Susanne Liebold auf Anfrage. "Natürlich sind die Rettungsdienste ebenfalls informiert."

Zum Sofort-Leerstand wird das Gebäude nicht: Das Nardini-Klinikum nutzt während des Umbaus seiner Klinik in der Kaiserstraße ab dem 1. Oktober das dritte Stockwerk und die Endoskopie, und "übernimmt weitestgehend die Geräteausstattung, die dem Betriebsteil Inneren Abteilung des bisherigen Evangelischen Krankenhauses zugeordnet war und überführt diese in den eigenen Bestand", so Nardini-Sprecher Thomas Frank. Liebold ergänzt: "Ob und in welchem Umfang Einrichtung, Mobiliar oder Geräte des Hauses über den Teilbetrieb der Innere Medizin hinaus weiter verwendet werden, hängt von der weiteren Nutzung ab. Mögliche Nutzungskonzepte werden zurzeit erarbeitet", ergänzt Liebold, das Gebäude werde vom LVIM im aktuellen Zustand gehalten.

Der LVIM führt als Gebäudeeigentümer auch die Mietverhältnisse fort. Laut Liebold wird "das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) demnächst aus dem 5. Obergeschoss in untere Ebenen umziehen und dabei sämtliche medizinischen Angebote aufrechterhalten". Die neuen Räume sollen der Öffentlichkeit an einem Tag der offenen Tür vorgestellt werden. Die Physiotherapeutische Praxis im Erdgeschoss vergrößere ihre Mietfläche. Außerdem verblieben im Gebäude die Firma Kompacare, die in Teilen der Klinik-Küche für Kitas oder Schulen in der Umgebung kocht, und die Radiologische Praxis am Himmelsberg. Wie lange die Mietverträge der beiden laufen, sagte Liebold nicht. Den Kooperationsvertrag mit der Praxis hatte der LVIM gekündigt (wir berichteten).

Das Gebäude, so macht Liebold deutlich, bleibe auch für "diverse Selbsthilfegruppen geöffnet". Außerdem wolle der LVIM weitere Mieter gewinnen, Gespräche liefen. Es hätten Begehungen mit mehreren Interessenten stattgefunden, Pläne und Daten seien ausgetauscht worden. Das Land prüft, seine Zentrale Bußgeldstelle im Gebäude einzurichten (wir berichteten). Inwiefern auch der Medizin-Teledienstleister MD Medicus an Räumen interessiert ist, ließ Liebold unkommentiert.

Auch nach dem 1. Oktober werden LVIM-Bedienstete an der Pforte sitzen und für Gebäudetechnik (etwa Energieversorgung, Aufzüge oder Patientenrufanlage) zuständig sein. Wer dies nach Ablauf der Kündigungsfrist zum 1. April 2017 übernimmt, ist unklar. Liebold schweigt auf diese Frage, zur "Organisation anderer Leistungen" könne man keine Aussage machen. Nardini-Sprecher Frank sagt hingegen: "Der LVIM als Vermieter wird ein Sicherungs- und Zugangssystem umsetzen."

Patienten können sich laut Frank künftig nicht aussuchen, an welchem Nardini-Standort sie behandelt werden. Sie müssen sich vielmehr in der Zentralen Patientenaufnahme in der Kaiserstraße melden. Dort würden sie aufgenommen und untersucht. Nur Patienten der Inneren Medizin 2, für die Chefarzt Dr. Peter Schiedermaier zuständig ist, würden dann am Standort Obere Himmelsbergstraße behandelt. Keine Anlaufstelle haben Besucher dort ab dem 1. Oktober in der Kantine und dem Café. Beides betreibe der LVIM nicht weiter und auch das Nardini-Klinikum füllt diese Rolle laut Frank nicht aus.Ist der vormalige LVIM-Vorstand Rainer Wettreck neuerdings als Berater für die Diakonissen Speyer-Mannheim tätig? Jenes Unternehmen, das den LVIM bald durch eine Fusion schlucken will, weil dieser durch sein Evangelisches Krankenhaus Zweibrücken in schweres Fahrwasser geraten war? Den Eindruck erweckt die Diakonissen-Website: Seit kurzem wird der zum 31. Oktober 2015 beim LVIM ausgeschiedene Wettreck dort als eines von 29 Kuratoriumsmitgliedern geführt. Allerdings, so Diakonissen-Sprecherin Ute Mester auf Anfrage, sei er schon am 3. November 2014 vom Verwaltungsrat in das Kuratorium der Diakonissen Speyer-Mannheim berufen worden. Bei der Ernennung von Mitgliedern seien laut Satzung unter anderem die Leitungen befreundeter diakonischer Einrichtungen zu berücksichtigen. Warum taucht Wettreck erst jetzt auf der Website auf? Mester: "In der Vorbereitung einer Erneuerung unseres gesamten Internet-Auftritts wurden im Sommer einige Aktualisierungen vorgenommen, die bereits seit längerem notwendig waren. Im Unterschied zu den Seiten zu den einzelnen Einrichtungen, die permanent aktualisiert werden, wurden die Seiten zu den Gremien relativ selten aufgerufen. Dies war vermutlich der Grund, weshalb die Aktualisierung der Angaben zum Kuratorium erst in diesem Sommer erfolgte." Wettreck erhalte auch keine Vergütung, bekleide das Amt ehrenamtlich. Das Gremium, das die Entwicklung der Diakonissenanstalt durch Beratung und Information begleiten soll, tage in der Regel einmal jährlich, zuletzt habe Wettreck im Februar 2015 teilgenommen. Die nächste Sitzung soll im Januar 2017 sein. Ein freiwilliges Ausscheiden sei jederzeit für Wettreck möglich.