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Quecksilber-Gebäude nicht vollständig gegen Eindringlinge gesichert

Quecksilber-Gebäude nicht vollständig gegen Eindringlinge gesichert

Zweibrücken. Bis zum 8. Februar muss die "Entwicklungsgesellschaft für Konversionspolitik" (EfK) aus Neustadt das Quecksilber aus ihrem Gebäude an der Landstuhler Straße 97 in Zweibrücken entfernen, hat die Stadtverwaltung gefordert. "Diese Frist werden wir wohl nicht einhalten können", sagte gestern auf Merkur-Anfrage EfK-Berater Axel Möbius

Zweibrücken. Bis zum 8. Februar muss die "Entwicklungsgesellschaft für Konversionspolitik" (EfK) aus Neustadt das Quecksilber aus ihrem Gebäude an der Landstuhler Straße 97 in Zweibrücken entfernen, hat die Stadtverwaltung gefordert. "Diese Frist werden wir wohl nicht einhalten können", sagte gestern auf Merkur-Anfrage EfK-Berater Axel Möbius. Man suche aber gerade eine Firma für die Dekontamination, die dann voraussichtlich Ende Februar erledigt sei.Am 8. Dezember war in dem ehemaligen US-Heizkraftwerk bei Demontagearbeiten Quecksilber ausgelaufen, das Außengelände wurde am Tag darauf dekontaminiert (wir berichteten). Möbius vermutet in dem Gebäude noch 100 bis 200 Milliliter Quecksilber (1,35 bis 2,7 Kilogramm). Gefährlicher als Quecksilber selbst sind dessen Dämpfe. "Lebensgefahr beim Einatmen", steht im "Gefahrstoffinformationssystem Chemie der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie - und: "Verschüttetes Quecksilber muss sofort und vollständig entfernt werden." Doch die Fachfirma, die das Außengelände dekontaminierte, "hat uns mitgeteilt, dass das Quecksilber in dem Gebäude keine unmittelbare Gefahr nach außen darstellt", betont Möbius. Die Firma habe auch "die Raumluft gemessen und nichts gefunden", was wohl an den winterlichen Temperaturen in dem unbeheizten Haus liege. Möbius: "Bei 21, 22 Grad hätten wir ein Problem, weil Quecksilber dann anfängt auszugasen". Zudem sei der Boden gefliest und versiegelt, in der Nähe der Unfallstelle sei auch kein Abfluss, so dass nichts ins Erdreich oder Grundwasser gelangen könne. Auch aus Kostengründen habe man deshalb nicht sofort weiter dekontaminiert.

Der Stadtverwaltung liegen laut Pressesprecher Heinz Braun keine Messergebnisse vor, sie vertraut aber den Angaben der Fachfirma, dass keine Gefahr für Passanten bestehe. Die EfK hat Fenster im Erdgeschoss mit Holzplatten gegen Eindringlinge gesichert. Auf der Rückseite ist ein oberes Fenster eingeschlagen, über ein Geländer könnte man hier einsteigen. Möbius will dieses Fenster schließen lassen. Die drei Dachfenster habe die Fachfirma geöffnet, so dass dies offenbar unbedenklich sei.

Wie hoch ist die Gefahr, dass Quecksilberdämpfe aus dem Gebäude austreten und Passanten oder Kinder an der direkt benachbarten Bushaltestelle gefährden? Der Merkur bat gestern auch zwei Chemiker um eine Einschätzung. Beide verwiesen darauf, aus der Ferne natürlich nicht alle Details zu kennen - gaben grundsätzlich aber Entwarnung.

Dr. Thomas Smola vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in St. Augustin erklärt: "Wenn Quecksilber verschüttet wird, verdampft es relativ langsam und bildet dann in dem Raum eine für Menschen gefährliche Belastung. Deshalb sind belastete Räume unbedingt zu sperren. Im Freien kann sich jedoch durch dieses langsame Verdampfen keine bedenkliche Konzentration aufbauen, weil schon durch geringste Windbewegungen diese geringe Menge wieder weggetragen wird. Deshalb besteht für Passanten keine Gefahr, zumal ja bestenfalls durch die Ritzen des Gebäudes etwas austreten kann."

Dr. Martin Panthöfer (Uni Mainz) nennt ein Beispiel aus dem Alltag: "Ein Glas Wasser verdunstet ja auch nur sehr langsam, solange es nicht Wind und Wärme ausgesetzt ist. Wenn ein Gebäude geschlossen ist, ist die Austretung auch bei Quecksilber relativ gering. Da gibt es über Tage und Wochen keine erkennbare Volumenänderung. Ich würde mir da als Anwohner wenig Sorgen machen, Feinstaub an einer stark befahrenen Straße ist vermutlich problematischer." lf