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Prozess gegen Autodieb fortgesetzt

Prozess vor dem Landgericht : Autodieb hat gestohlenen Pkw wohl doch nicht selber angesteckt

Am Freitag hat das Landgericht Zweibrücken den Prozess gegen einen 27-jährigen Zweibrücker fortgesetzt, dem die Staatsanwaltschaft gleich eine ganze Reihe von Straftaten vorwirft.

Es war der Tag der Polizisten am Landgericht Zweibrücken. Am Freitag sagten geschätzt 20 Beamte vor der Ersten Strafkammer aus, vor der sich ein 27-Jähriger seit dem 16. Dezember 2020 für gleich eine ganze Reihe von Straftaten verantworten muss (wir berichteten).

So wirft ihm Staatsanwalt Patrick Langendörfer unter anderem zahlreiche Einbruch- und Kraftfahrzeugdiebstähle, das mehrfache Fahren ohne Fahrerlaubnis und den Besitz von Betäubungsmitteln vor. Der wohl spektakulärste Fall: Am 24. Juni 2020 lieferte sich der junge Zweibrücker eine Verfolgungsfahrt mit der Polizei, bei der er – vor einer drohenden Verkehrskontrolle flüchtend – mit seinem Auto mehrere Kilometer durch ein Wohn- und Gewerbegebiet raste. Bis er schließlich im Stadtteil Ernstweiler in einer Sackgasse und mit einem platten Reifen dingfest gemacht werden konnte.

Mehrere Beamte der fünfköpfigen Streifenwagenbesatzung schilderten am Freitag noch einmal die dramatischen Minuten, in denen sie dem in seinem Kleinwagen flüchtenden 27-Jährigen auf den Fersen blieben. Kein ungefährliches Unterfangen, denn die wilde Hatz führte unter anderem kreuz und quer über zwei zu diesem Zeitpunkt gut besuchte Supermarkt-Parkplätze an der Homburger Straße und an der Einöder Neumorgenstraße bis in ein eng bebautes Wohngebiet an der Ernstweilertalstraße. Hier fand die wilde Hatz nahe der Albert-Schweitzer-Schule ihr Ende. Zuvor hatte der junge Mann noch einen weiteren Streifenwagen, der sich ihm auf der Homburger Straße in den Weg gestellt hatte, umkurvt und das ihm folgende Polizeiauto – auf dem Fußweg fahrend – gerammt, als es neben seinem Pkw herfuhr, um ihn zu stoppen. Ohne Rücksicht auf Leib und Leben von Beamten, Passanten und Supermarkt-Kunden, von denen einige samt Einkaufswagen zurückweichen mussten, um von dem Pkw nicht erfasst zu werden. Und ohne Fahrerlaubnis. „Ich habe mir das Fahren selber beigebracht“, antwortete der mehrfach vorbestrafte 27-Jährige auf eine entsprechende Frage der Vorsitzenden Richterin Susanne Thomas.

Ein weiterer Vorwurf des Staatsanwalts lautet auf Brandstiftung. So soll er laut Anklage ein in den frühen Morgenstunden des 24. Mai 2020 in Contwig aus einem Hinterhof gestohlenes Auto Stunden später auf einer Viehweide am Beckerswäldchen in Zweibrücken in Brand gesteckt haben. Auf der Fahrt dorthin soll er in Rieschweiler-Mühlbach mit seinem Auto gegen Häuserwände geprallt und auf dem Feldweg „In der Wolfsacht“ einen entgegenkommenden Pkw gestreift haben, was dessen Fahrer, ein 61-jähriger Jagdpächter aus Homburg, am Freitag im Zeugenstand bestätigte. „Er kam mir in hohem Tempo entgegen. Und plötzlich hat es gerappelt und gescheppert.“ Wie sich später herausstellte, waren an seinem Fahrzeug ein Kotflügel, ein Scheinwerfer und ein Außenspiegel beschädigt worden. Allerdings hatte sich der 61-Jährige das Gesicht des Unfallverursachers gemerkt, was die schnelle Identifizierung des jungen Mannes mit Hilfe von sogenannten Wahl-Lichtbilder-Vorlagen ermöglichte. Allerdings gibt es bislang keinerlei Hinweise darauf, dass der junge Mann das Auto auch ansteckte und brennend auf ein angrenzendes Grundstück stürzen ließ, wie ihm vorgeworfen wurde. Das hatte der alkohol- und drogenabhängige 27-Jährige von Anfang an bestritten. Am Freitag sagte ein 47-jähriger Hauptkommissar der Polizeiinspektion Zweibrücken, es seien weder Brandbeschleuniger noch Kanister an oder in dem Autowrack gefunden worden: „Auch die Handbremse war angezogen.“ Er vermutete, dass sich das während seiner Fahrt stark ramponierte Auto selbst entzündet und das Feuer Bremsleitungen, Bremsseile und Bremsbeläge beschädigt hat, wodurch sich das brennende Fahrzeug auf dem abschüssigen Gelände in Bewegung setzte und schließlich auf das tiefer gelegene Grundstück mit Gartenlaube stürzte.

Der Prozess wird am 20. Januar um 9 Uhr fortgesetzt.