Mord an Ehefrau in Bubenhausen „Alles war voller Blut“

Zweibrücken · Am Landgericht Zweibrücken hat der Prozess gegen einen 36-Jährigen begonnen, der seine angeblich untreue Ehefrau umgebracht haben soll. Am Montag berichtete unter anderem ein Pärchen, das zur Tatzeit im Obergeschoss der Wohnung gewohnt hat, von der Tatnacht.

 Der Angeklagte am Montag im Gerichtssaal mit seinem Verteidiger Markus Freyler.

Der Angeklagte am Montag im Gerichtssaal mit seinem Verteidiger Markus Freyler.

Foto: Rainer Ulm

Hat er seine Ehefrau getötet? Diese Frage beschäftigt seit Montag ein Schwurgericht am Landgericht Zweibrücken, wo sich ein 36-jähriger Zweibrücker vor der Ersten Großen Strafkammer wegen Mordes an seiner Ehefrau verantworten muss. Am ersten Verhandlungstag äußerte sich der Angeklagte (noch) nicht zum Tatvorwurf. Sein Verteidiger, der Zweibrücker Rechtsanwalt Markus Freyler, kündigte aber eine „zeitnahe“ Erklärung an, in der nach Informationen unserer Zeitung allerdings kein Geständnis zu erwarten ist. Weshalb es wohl auf einen Indizien-Prozess hinausläuft, in dem es „nur“ um Anzeichen geht, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Tat schließen lassen.

Mord in Bubenhausen: So lief die Tat laut Staatsanwaltschaft ab

Am Montag kam auch ein Mitbewohner zu Wort, der am späten Abend des 4. Dezember 2023 den grausigen Fund im Keller des Zweifamilienhauses in der Friedrich-Ebert-Straße im Zweibrücker Stadtteil Bubenhausen gemacht hatte. Er entdeckte die in der Waschküche liegende Leiche der 33-jährigen Ehefrau.

Schnell war der 36 Jahre alte Ehemann, der zuletzt als Anlagenbetreuer bei einem Automobilzulieferer gearbeitet hatte, in Verdacht gedacht geraten, etwas mit dem Tod seiner Gattin zu tun zu haben. Er kam zweieinhalb Wochen später, konkret am 21. Dezember 2023, in Untersuchungshaft (wir berichteten). Der gemeinsame dreijährige Sohn befindet sich seither in Obhut seiner Großeltern.

Zum Prozess-Auftakt legte Staatsanwalt Rouven Balzer dem 36-Jährigen zur Last, seine Ehefrau „heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben“. Demnach habe sich „das spätere Tatopfer“ am Abend des 4. Dezember 2023 in den Keller „des gemeinsam bewohnten Anwesens“ begeben, wohin ihr der Mann gefolgt sei und seine Frau „überraschend von hinten“ angegriffen und ihr „mit einem Gegenstand derart heftig gegen den Kopf“ geschlagen habe, „dass sie wehrlos zu Boden“ gefallen sei. Dann habe er „seiner Ehefrau mit einer unbekannten Tatwaffe 16 Schnitt- beziehungsweise Stichverletzungen im Gesichts- und Halsbereich“ versetzt. „Das Opfer verstarb unmittelbar aufgrund der Schwere der Verletzungen“, führte der Staatsanwalt weiter aus. Als Tatmotiv komme „Wut und Eifersucht“ infrage, nachdem der 36-Jährige „von einer Affäre seiner Ehefrau mit einem anderen Mann“ erfahren habe.

 Im Keller eines Mehrfamilienhauses in der Friedrich-Ebert-Straße in Bubenhausen wurde vergangenes Jahr eine Frauenleiche gefunden. Jetzt steht der Ehemann vor Gericht.

Im Keller eines Mehrfamilienhauses in der Friedrich-Ebert-Straße in Bubenhausen wurde vergangenes Jahr eine Frauenleiche gefunden. Jetzt steht der Ehemann vor Gericht.

Foto: Rainer Ulm
Diese Prozesse bewegten das Saarland 2023​
22 Bilder

Diese Prozesse bewegten das Saarland 2023

22 Bilder
Foto: Michael Kipp

Nachbar fand die Leiche der Ehefrau im Keller

Zumindest seien ab und an „Streitigkeiten“ aus der Wohnung des Ehepaares im Parterre zu hören gewesen, sagte am Montag das Pärchen im Zeugenstand aus, das zur möglichen Tatzeit im Obergeschoss gewohnt hatte. Die 21-jährige Studentin berichtete sogar, am mutmaßlichen Tatabend – „gegen 20 Uhr“ – drei Mal „dumpfe Geräusche“ aus der unteren Wohnung gehört zu haben. Danach sei es ungewöhnlich ruhig gewesen: „Das Haus ist hellhörig.“

Später habe ihr Freund, der gegen 23 Uhr in den Keller gegangen war, um eine Büchse Ravioli für ein kleines Nachtmahl heraufzuholen, ihr erzählt: „Da liegt eine Leiche im Keller.“ Was der 27-jährige Feuerwehrmann bezeugte: „Ich habe unsere Wohnung abgeschlossen und gewartet, bis die Polizei kam.“

Zuvor habe er im Keller zunächst eine Blutspur entdeckt, die vom Heizungsraum (dem laut Staatsanwaltschaft möglichen ersten Tatort) bis in die Waschküche führte. Dort habe er „eine auf dem Rücken liegende Person“ gesehen. Er habe sie zwar angesprochen, ohne jedoch eine Antwort zu erhalten, sagte der Feuerwehrmann. Er habe die offensichtlich tote Frau aber „nicht angefasst“, beteuerte er auf eine entsprechende Nachfrage des Vorsitzenden Richters Andreas Herzog.

Dass es sich dabei um seine Nachbarin handelte, habe er „nicht gleich erkannt“, sagte der 27-Jährige: „Alles war voller Blut.“ Er habe dann noch mitbekommen, wie die Polizisten, die auf seinen Anruf hin mit zwei Streifenwagen angerückt waren, die Wohnungstür seiner Nachbarn im Erdgeschoss eintraten, um zu ergründen, ob jemand zu Hause war. Dann habe er gehört, wie der kleine Sohn des Ehepaares „zu weinen angefangen und nach seiner Mama gerufen“ habe.

Es sind weitere neun Verhandlungstermine bis in den Juli hinein geplant, der nächste bereits für kommenden Mittwoch.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort