Protestantische Kirchengemeinde Ixheim „Rein ins Gefühl und in die Welt der Farben“

Ixheim · Vom Achtsamkeits-Aquarellmalen, einem Kreativ-Angebot der protestantischen Kirchengemeinde Ixheim, waren alle Teilnehmenden durchweg begeistert. Selbst gänzlich Ungeübten gelangen schöne Bilder.

 Meike Homberg (Kopfende) und Martina Pirmann mit ihren Klangschalen führten durch Meditation und Achtsamkeits-Aquarellmalen.

Meike Homberg (Kopfende) und Martina Pirmann mit ihren Klangschalen führten durch Meditation und Achtsamkeits-Aquarellmalen.

Foto: Cordula von Waldow

Im Kirchbergsaal der protestantischen Kirchengemeinde Ixheim ist es mucksmäuschenstill. Leicht und fließend fahren dünne Pinsel über das Papier, tauchen in kleine Farbtöpfchen oder werden im oft bereits bunten Wasserglas ausgespült. Mit spürbarer Hingabe entstehen die schönsten Bilder. „Lass los“ hatte Kursleiterin Meike Homberg ihre Teilnehmerinnen und Martin Bach ermutigt. Der Pfarrer, der selbst gelegentlich malt, war auf Anhieb begeistert gewesen von der Idee des Achtsamkeits-Aquarellmalens als Gebet.

Über ihre gelesene Meditation, die wundervoll durch die Klangschalen von Martina Pirmann ergänzt wurde, hatte Meike Homberg ihre Teilnehmenden mit Wort und Klang eingeschwungen, in die Ruhe und Stille und damit zu sich selbst geführt. „Hör deinem Pinsel zu. Mal hörst du dich selbst durch ihn sprechen, mal Gott, mal vielleicht auch gar nichts.“ Raus aus dem Kopf, rein ins Gefühl und in die Welt der Farben.

Martin Bach hatte sich eine Landschaftsvorlage mitgebracht und die gelungen nachgemalt. „Manches ist anders geworden, als gedacht“, sagt er augenzwinkernd. Ehefrau Diana Lipps hatte den „Denke nicht an einen rosa Elefanten“ verewigt und farbenfroh umrahmt. „Ich habe gar nichts gedacht, nicht einmal die Farben bewusst ausgesucht. Das ist einfach so passiert. Deshalb ist es auch nicht anders“, offenbarte ihre Nachbarin und zeigte ihre pink- und lilafarbenen, ineinanderfließenden Muster, die sie kraftvoll mit wenig Wassereinsatz gemalt hatte.

Zwei andere Damen hatte es die Vorlage mit dem weiß abgeklebten Kreuz im Zentrum angetan, das durch vier bunt gestaltete Ecken besonders wirkungsvoll zur Geltung kam. Mit farbigen Gelb- oder glitzernden Goldstiften ließen sich in den Farbverläufen der Wasserfarben Konturen schärfen oder Effekte. „Wenn wir im Zeitplan bleiben wollen, hätten wir noch zehn Minuten“, warf Meike Homberg in die Runde. Der lautstarke Protest aus der Gruppe kam nicht unerwartet. Alle nutzten die Verlängerung noch, um ihre Bilder fertig zu malen oder auszufeilen. „Es muss nicht das tollste Gemälde entstehen, sondern dein Werk hier und jetzt“, hatte die Kursleiterin besonders den völlig unerfahrenen Teilnehmerinnen mitgegeben. Sie lud dazu ein, Achtsamkeit und den Moment zu spüren – auf eine neue Art und Weise. Und ermutigte zum Selbstversuch.

Schnell zeigte sich: „Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähle ihm von deinen Plänen“ oder „Denke dir den Beginn eines Motives aus und staune, was sich daraus entwickelt“. Was viele Teilnehmende dabei besonders berührt hat, war die Erkenntnis der unterbewussten Führung. Wie klar der nächste Pinselstrich, die nächste Farbwahl, ein „da fehlt noch etwas“ oder ein „genug jetzt“ in einem aufstiegen. Der zentrale Weg, mit dem begonnen wurde, spielte am Ende oft keine Rolle mehr. Dafür zum Beispiel das für jemanden, der noch nie gemalt hat, wundervoll gelungene, üppige Grün der Blätter und Zweige am Baum, die Lebendigkeit des Bächleins, die mit zarten Pinselstrichen hingetupften Gräser und der bewusst eingehaltene Freiraum unter dem durch Sonne und Regen entstandenen Regenbogenportal, auf den die beiden Schmetterlinge zufliegen. Was für ein Geschenk.

Das erhielt auch Meike Homberg selbst. Unsicher, ob sie überhaupt mitmalen wollte, waren unter ihren erfahrenen Händen gleich drei Bilder entstanden, von denen „zwei ihre ganz eigene Geschichte besitzen“.

Eine Abschluss-Meditation mit Klängen lud dazu ein, den Malvorgang noch einmal bewusst zu reflektieren, das eigene Gefühl währenddessen, das Gespür für den Pinsel auf dem Blatt, das Geräusch beim Ausspülen. Niemand hatte sich ob des zunächst leeren Blattes verloren oder gestresst gefühlt. Was jedoch vorkommen könne, erklärte Meike Homberg.

 Diese Bilder entstanden beim Achtsamkeits-Workshop.

Diese Bilder entstanden beim Achtsamkeits-Workshop.

Foto: Cordula von Waldow

Dafür hatten alle wunderbar entspannen und sich tatsächlich rein auf Farben und Formen konzentrieren können, ohne das lästige Kopfkarussell zu drehen. Eine Mal-Meditation lässt sich auch in den Alltag integrieren. Meike Homberg schlug vor: „Legt euch ein Blatt hin auf den Schreibtisch. Dazu braucht man keine Aquarellfarben, das geht auch mit Bleistift oder Kugelschreiber.“ Wie die Damen, war auch Martin Bach begeistert von dem Wechsel aus Meditation und Malen, aus hören und aktiv werden, ideal ergänzt mit den Klangschalen. Er verspricht: „Wir werden das wiederholen.“

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