1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Polizist über Verfolgungsjagd in und um Zweibrücken: "Extremsituation"

Prozess am Landgericht Zweibrücken : Autodieb liefert sich Verfolgungsjagd mit der Polizei

Prozess am Landgericht fortgesetzt: 27-jährigem Zweibrücker wird gleich eine ganze Reihe von Straftaten vorgeworfen.

Zweibrücken/Contwig/Einöd/Rieschweiler-Mühlbach „Sowas habe ich noch nicht erlebt. Es war für uns alle eine Extremsituation.“ Mit diesen Worten hat ein 34-jähriger Polizeibeamter vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Zweibrücken jene dramatischen Minuten des 24. Juni geschildert, in denen ein 27-jähriger ungelernter Gerüstbauer ihn und seine Kollegen in zwei Streifenwagen in Atmen gehalten hatte – bei einer wilden Verfolgungsjagd.

An jenem Freitag hatte die fünfköpfigen Streifenwagenbesatzung, der der 34-jährige Beamte angehörte, auf einem Parkplatz eines Non-Food-Discounters in der Homburger Straße in Zweibrücken eigentlich nur eine Pause einlegen wollen. Dabei, so berichtete der Polizist beim jüngsten Verhandlungstag, sei ihnen der junge Mann in seinem dort geparkten Kleinwagen aufgefallen. „Sein Fahrzeug war vollgestopft mit Hausmüll und er hantierte darin aufgeregt herum.“ Das habe auf ihn und seine Kollegen einen „merkwürdigen Eindruck“ gemacht. Weshalb man sich entschlossen habe, das Gefährt und seinen Insassen näher in Augenschein zu nehmen. „Ich bin auf das Auto zugelaufen, um es zu kontrollieren, da startete der Fahrer den Wagen und fuhr mit quietschenden Reifen davon“, schilderte der Polizist.

Von da an wurde die Pause zur Sause: Die Beamten nahmen die Verfolgung auf – hundert Meter weiter stadteinwärts quer über einen gut besuchten Supermarkt-Parkplatz, die Saarpfalzstraße hinauf und quer über den Parkplatz eines Einkaufsmarkts, wieder zurück auf die Homburger Straße und teilweise über den Fußweg bis nach Ernstweiler. Hier fand die wilde Hatz nach mehreren Kilometern nahe der Albert-Schweitzer-Schule ihr jähes Ende – dank eines platten Reifens am Fluchtauto des 27-Jährigen.

Zuvor hatte er noch einen weiteren Streifenwagen, der sich ihm auf der Homburger Straße in den Weg gestellt hatte, umkurvt und das ihm folgende Polizeiauto gerammt, als es neben seinem Pkw herfuhr, um ihn zu stoppen. Ohne Rücksicht auf Leib und Leben von Beamten, Passanten und Supermarkt-Kunden, von denen einige samt Einkaufswagen beiseite springen mussten.

Auf seine waghalsige Fahrweise von der Vorsitzenden Richterin Susanne Thomas angesprochen, bei der er laut Polizei bis zu 100 km/h schnell gewesen sein soll, sagte der Angeklagte nur: „Ich wollte die Polizei abwimmeln.“ Er habe einfach „Paranoia“ gehabt, als er auf dem Parkplatz des Non-Food-Discounters in der Homburger Straße den Beamten davongerast sei.

Dieses gesteigerte Misstrauen war durchaus begründet, denn der bereits mehrfach vorbestrafte junge Mann hatte auch aktuell einiges auf dem Kerbholz – auch Delikte, die bislang von der Justiz noch gar nicht geahndet worden waren. So wurde er laut Anklageschrift im Jahr 2019 mehrmals mit Marihuana und Amphetamin erwischt. Danach soll er wiederholt mit gestohlenen Autos unterwegs gewesen sein – ohne je einen Führerschein besessen zu haben.

Schlimmer noch: In den frühen Morgenstunden des 24. Mai soll er in Contwig einen in einem Hinterhof abgestellten Pkw geklaut und beim Verlassen des Grundstücks mit dem gestohlenen Auto die neben der Einfahrt stehende Laterne gerammt haben. Bei seiner weiteren Flucht soll er in Rieschweiler-Mühlbach die Kontrolle über das Auto verloren, von der Fahrbahn abgekommen und gegen mehrere Hauswände geschleudert sein. Danach soll er auf dem Feldweg „In der Wolfsgracht“ einen entgegenkommenden Pkw gestreift haben. Damit nicht genug: Auf der Viehweide am Beckerswäldchen in Zweibrücken soll er das inzwischen stark ramponierte Auto angesteckt haben. Letzteres bestritt der alkohol- und drogenabhängige junge Mann am Mittwoch energisch. Vielmehr habe das Gefährt offenbar selbst angefangen zu brennen, nachdem er es qualmend „auf einer Wiese“ zurückgelassen habe, behauptete der Angeklagte.

Hingegen will er mit dem ihm von der Staatsanwaltschaft außerdem vorgeworfenen Einbruchsdiebstahl in einen Arbeitscontainer in der Zweibrücker Fasaneriestraße Ende 2019 gar nichts zu tun gehabt haben – obwohl seine Fingerabdrücke darin sichergestellt wurden.

Auch die ein Mofa will er, wie vorgeworfen, Anfang des Jahres in Zweibrücken nicht entwendet haben: „Ja, ich bin es gefahren, habe es aber nicht geklaut.“ Er kenne den Dieb, wolle seinen Namen aber nicht preisgeben. Genauso sei es bei dem Fall eines in der Königsbergstraße gestohlenen Pkw: „Ich weiß aber, wer’s gemacht hat.“

Fortgesetzt wird der Prozess am Freitag, 8. Januar, um neun Uhr.