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Polizei Zweibrücken bekommt viele Hinweise nach Aktenzeichen XY

Todesfahrt von Zweibrücken : Über 200 Hinweise nach XY-Sendung

ZDF zeigt in emotionalem Film die letzten Tage des bei einem Motorradunfall in Zweibrücken getöteten 13-Jährigen. Die Polizei hofft nach der Ausstrahlung in der Kriminalsendung das Unfallfahrzeug zu finden.

„Das ist ein Fall der einem wirklich zu Herzen geht“, sagte Moderator Rudi Cerne am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“. Der Fernsehsender hatte einen kurzen Film gezeigt, in dem die letzten Tage des verunglückten 13-jährigen Julian (Name vom ZDF geändert) zu sehen waren. Julian hatte am 1. Juli 2018 mit seinem Stiefvater auf der A 8 zwischen Ernstweiler und Einöd einen Motorradunfall mit tödlicher Folge. Der Unfallverursacher konnte bisher nicht gefunden werden (wir berichteten mehrfach), deshalb wurde jetzt erneut ein Versuch über die große ZDF-Bühne gestartet.

Der Film zeigte eine äußerst harmonische Familie. Julian präsentiert seiner Mutter ein fast perfektes Zeugnis, er spielt mit seiner kleinen Schwester im Garten und wird von seinem Stiefvater unaufdringlich nach einem Mädchen, das ihm gefällt, gefragt. Der 13-Jährige wird als großer Fußballfan eingeführt – In den Tagen vor dem Unfall beschäftigte ihn das Vorruden-Aus der Deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Russland.

Für die Sommerferien plante die Familie aus dem Donnersbergkreis, zur großen Freude Julians, in einen Ferienpark nach Holland zu fahren. Eher zufällig, entdeckt Stiefvater Erik (Name auch geändert), dass das Outlet in Zweibrücken am Sonntag geöffnet hat. Weil Julian noch T-Shirts brauchte, planten sie die rund 100 Kilometer auf sich zu nehmen. „Wollen wir mit dem Motorrad fahren“, fragt Julian seinen Vater eher beiläufig im Film: Eine spontane Entscheidung mit so verhängnisvollen Folgen.

Den Unfall der Familie auf dem Rückweg vom Outlet rekonstruiert das ZDF anhand von Zeugenaussagen. Ein Pärchen, das zuvor von der Harley-Davidson des Stiefvaters überholt worden war, hatte das weiße Fahrzeug, offenbar einen Mercedes, gesehen. „Der Autofahrer muss abgelenkt gewesen sein. Er hat gar nicht gebremst und das Motorrad einfach gerammt. Danach ist er einfach weiter gefahren“, erklärt ein nachgestellter Zeuge im Film. Diese und weitere Aussagen nutzte die Polizeiinspektion Zweibrücken für ihre bisher erfolglose Fahndung – kein Zeuge konnte sich an das Nummernschild erinnern.

Im Film zeigt das ZDF noch wie Stiefvater Erik schwer verletzt am Unfallort seine Frau anruft. In einer dramatischen Szene im Krankenhaus, erfahren die Zuschauer dann, wie die Mutter ihrer Tochter erklärt, dass Julian „in den Himmel gerufen“ wurde. Die Familie leide noch heute schwer unter dem Verlust. Vater Erik könne wegen seinen Verletzungen noch nicht wieder als Maler arbeiten.

Durch den sehr emotional gemachten Film erhoffte sich die Polizei zusätzliche Hinweise. Und bereits in der Sendung zeigte sich, dass das gelang. „Der Film scheint den Zuschauern sehr Nahe gegangen zu sein. Es gab zahlreiche Anrufe hier und in der Dienststelle“, erklärte der leitende Zweibrücker Ermittlungsbeamte Friedrich Pusse noch in der Sendung.

Dort hatte Pusse gemeinsam mit Moderator Rudi Cerne ein Fahrzeug präsentiert, welches in etwa dem Unfallauto entsprechen muss. Möglicherweise habe der Besitzer unmittelbar nach dem Unfall Reparaturen vorgenommen oder das Auto verkauft. Pusse rief daher explizit auch Zuschauer aus dem Umfeld des Besitzers auf, sich zu melden, falls sie so etwas mitbekommen haben. Der Ermittlungsbeamte richtete auch ein Appell an den Unfallfahrer oder die Unfallfahrerin selbst: „Jetzt wäre die Gelegenheit ihr Gewissen zu erleichtern und reinen Tisch zu machen.“

Zum Ende der Sendung verkündete auch das LKA München einen aktuellen Stand zum Zweibrücker Fall. Demnach hätte es nicht nur „enorme Resonnanz“, sondern auch interessante Hinweise gegeben. Laut LKA-Bearbeiter Alfred Hettmar haben einige Zuschauer konkrete Namen ins Spiel gebracht. Ein weiterer Zuschauer hätte unmittelbar vor dem Unfall ein solches Fahrzeug gesehen und könne sich an Fragmente des Nummernschildes erinnern.

Die zuständige Polizeiinspektion in Zweibrücken will diesen und allen anderen konkreten Hinweisen in den nächsten Tagen nachgehen. Wie die PI am Donnerstag bekannt gab, seien insgesamt 175 Anrufe und 36 Mails mit Hinweisen eingegangen. Ungefähr die Hälfte beziehe sich auf konkrete Personen und Fahrzeuge. Die Beamten wollen nun abgleichen, welche Hinweise in den letzten 27 Monaten schon überprüft wurden und die „neuen Hinweise ebenfalls einer gewissenhaften Prüfung unterziehen.“