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Polizei ehrt drei Bürger für Zivilcourage

Polizei ehrt drei Bürger für Zivilcourage

Kaiserslautern/Zweibrücken. Zivilcourage ist mehr denn je gefragt. Das stellte Wolfgang Erfurt, Präsident des Polizeipräsidiums Westpfalz, gestern noch einmal klar. Unter dem Motto "Wer nichts tut, macht mit" wurden drei Bürger aus dem Bezirk des Präsidiums in Kaiserslautern für ihr außergewöhnliches Engagement für die Gesellschaft geehrt

Kaiserslautern/Zweibrücken. Zivilcourage ist mehr denn je gefragt. Das stellte Wolfgang Erfurt, Präsident des Polizeipräsidiums Westpfalz, gestern noch einmal klar. Unter dem Motto "Wer nichts tut, macht mit" wurden drei Bürger aus dem Bezirk des Präsidiums in Kaiserslautern für ihr außergewöhnliches Engagement für die Gesellschaft geehrt. Darunter auch das Ehepaar Peter und Judith Erst aus Zweibrücken. Mit ihrem beherzten Einsatz konnten sie im Mai verhindern, dass ein Mann auf dem Hilgardplatz bei einer Schlägerei nicht noch schlimmere Verletzungen davongetragen hat (wir berichteten).Der Betroffene war gerade auf dem Heimweg, als er eine Gruppe junger Männer sah, die mit Glasflaschen um sich warfen. Nachdem er sie ermahnte, damit aufzuhören, ging er weiter. Plötzlich wurde er von zwei Männern aus der Gruppe attackiert. Das Opfer konnte sich anfänglich noch zur Wehr setzen und nur durch das Eingreifen eines dritten Schlägers auf den Boden geworfen werden. In diesem Augenblick kam das Ehepaar Ernst auf den Platz. Sie vertrieben die Schläger, halfen dem am Boden Liegenden und riefen die Polizei. "Die hatten nicht mit einer solch großen Gegenwehr gerechnet", sagte Judith Ernst gestern Nachmittag über die Täter. Ernsts Mann konnte auf Grund einer Krankheit nicht zur Ehrung kommen.

"Durch die gute Täterbeschreibung gelang es der Polizei, die drei innerhalb einer halben Stunde zu verhaften", berichtete Erfurt. Das Opfer hatte Glück im Unglück - es trug nur Schürfungen und Prellungen davon. Manfred Bernhard, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Zweibrücken, lobte die Courage des Paares: "Peter Ernst hat früher einmal beim Zweibrücker Ordnungsamt gearbeitet." Aus diesem Grund wusste er auch, wie man sich in einem solchen Fall verhalten muss. Der Einsatz für andere dürfe auf keinen Fall die eigene Sicherheit gefährden. "Es sollte keine Rambo-Mentalität geben", warnte Erfurt. Es gebe viele andere Möglichkeiten. "Es reicht oft schon, zum Telefon zu greifen", sagte der Polizeipräsident. Als Beispiel nannte er Leonie Linnenbacher, die in einem Zug zwischen Wolfstein und Lauterecken einem Mitfahrer geholfen hat. Diesem wurde nicht nur der MP3-Player gestohlen - der Räuber schlug ihn auch noch zusammen. Linnenbacher alarmierte die Polizei, die den Täter nach kurzer Zeit schnappen konnte. In einem dritten Fall wurde eine Kindeswohl-Gefährdung in Kaiserslautern aufgedeckt. Christine Zimmer aus Münchweiler meldete drei Kleinkinder der Polizei, die bei sengender Hitze in der Sonne saßen. Die Beamten verständigten das Jugendamt und konnten die Eltern ausfinden machen. Sie fanden den Vater schlafend in seiner Wohnung.

"Die drei Preisträger der Zivilcourage in der Westpfalz sollen andere animieren, sich künftig ebenfalls einzumischen", sagte Erfurt. "Es reicht

oft schon,

zum Telefon

zu greifen."

Wolfgang Erfurt,

Polizeipräsident

Meinung

Wegsehen ist fatal

Von Merkur-RedakteurMathias Schneck

Die drei Bürger, die gestern von Polizeipräsident Wolfgang Erfurt für ihre Zivilcourage geehrt wurden, sind leider eher die Ausnahme, denn die Regel. Das wird immer wieder aus Befragungen deutlich. Die meisten Menschen schauen lieber weg, wenn sie sehen, dass in der Bahn, in der Fußgängerzone oder an sonstigen Orten gepöbelt, geprügelt oder gestohlen wird. Nichts hören. Nichts sehen. Dieses Vogelstrauß-Syndrom darf nicht in Bausch und Bogen verurteilt werden. Es ist sicher bei den allermeisten Bürgern nicht Gleichgültigkeit. Sie haben vielmehr Angst. Angst, selbst von dem Pöbler oder Schläger angegangen zu werden. Traurige einschlägige Beispiele gerade auch aus jüngerer Vergangenheit zeigen, dass diese Angst keinesfalls eine eingebildete ist. Dennoch ist das Wegsehen fatal. Die Täter wähnen sich in Narrenfreiheit. Dabei kann der Bürger, ohne sich selbst zu gefährden oder zum "Rambo" zu werden, Zivilcourage beweisen, wie Erfurt deutlich machte. In den meisten Fällen reicht der Griff zum Handy, das fast jeder hat. Ein paar Schritte zur Seite, um die Ecke gehen, weg aus dem Gesichtskreis des Täters, dann die Polizei über Notruf kontaktieren, die Situation schildern, den Täter beschreiben - damit ist schon viel geholfen.