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Bundestagswahl: Pirmasens unter Beton begraben

Bundestagswahl : Pirmasens unter Beton begraben

Bundestagskandidat Aaron Schmidt hat radikale Pläne: Das Saarland soll geflutet werden.

Aaron Schmidt tritt für die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative – kurz „Die Partei“ – am 24. September als Direktkandidat für den Bundestag an. Der 43-Jährige will das Saarland fluten und Pirmasens unter Beton begraben.

„Die Partei“ – ist das nicht diese Satirepartei des ehemaligen Titanic-Chefs Martin Sonneborn? „Wir sind keine Satirepartei, wir sind ja nicht die FDP“, betont Schmidt. Er wolle „Politik für Menschen und Trinker“ machen. Politisch sieht er sich und seine Partei ebenfalls klar verortet: „Wir sind die extreme Mitte. Es darf links und rechts der ’Partei’ nichts geben.“ Also alles doch nicht so bierernst gemeint... Andererseits macht die „Partei“ durch ihre ungewöhnlichen satirischen Aktionen immer wieder auf Missstände in der Politik aufmerksam. „Wir betreiben Turbo-Populismus“, erklärt Schmidt noch.

Im Wahlprogramm der „Partei“ Rheinland-Pfalz geht es auch explizit um Pirmasens. Dort heißt es, die Stadt sei nicht mehr zu retten: „Da es für eine Partei immer rufschädigend ist, sich Projekten anzunehmen, die ohnehin zum Scheitern verurteilt sind, planen wir für Pirmasens im Gegensatz zu allen anderen Parteien keine realitätsverkennenden Sanierungsmaßnahmen, sondern vielmehr eine konstruktive Resignation.“ Und Schmidt erklärt den Pirmasens-Plan konkret: „Wir siedeln alle Pirmasenser nach Wasserbillig in Luxemburg um.“ Warum denn genau dorthin? „Weil der Name lustig klingt. Aber es ist auch wirklich schön dort, der Sprit ist günstig, Trier ist nicht weit weg“, sagt er. Anschließend solle Pirmasens, nach dem Vorbild Tschernobyls, mit Beton versiegelt werden und „Die Partei“ wolle einen Mantel des Schweigens darüber legen. Ob sie damit viele Stimmen in Pirmasens bekommt, scheint zumindest fraglich.

Im restlichen Wahlkreis und darüber hinaus hat Schmidt einiges vor. Ziel der „Partei“ sei es, den Slogan „Stadt am Wasser“ mit dem Zweibrücken wirbt, weiter voran zu treiben. „Wir wollen das Saarland fluten“, lautet ein Ziel der „Partei“. „Das Saarland soll schöner werden und das erreichen wir so am besten“, meint Schmidt. „Außerdem fordern wir einen Saarpfalz-Kanal, der Vorderpfalz und Saarland auf dem Wasserweg verbindet. Zu touristischen Zwecken, versteht sich. Jobwunder und so weiter“, sagt Schmidt ohne die Miene zu verziehen. „Damit hätten wir nahe bei Kaiserslautern und Ramstein auch einen Hafen, um die amerikanischen Kriegsschiffe zu parken“, fügt er trocken an.

Der Kreisverband strebt an, eine ICE-Verbindung zwischen Venedig, Amsterdam und Zweibrücken zu erstellen. „Zweibrücken ist das Venedig der Pfalz, da ist es doch logisch, es mit dem echten Venedig und dem Venedig des Nordens zu verbinden. Das macht es auch für ausländische Touristen, etwa Japaner, deutlich einfacher.“

Schmidt ist Vorsitzender des Kreisverbandes Zweibrücken der „Partei“, der mittlerweile neun Mitglieder zählt. Sie mussten 200 Unterstützerunterschriften sammeln, um bei der Wahl zugelassen zu werden. Früher sei er schon einmal politisch aktiv gewesen. „Ich war mal bei den Grünen. Aber das ist lange her, ich bin vor über 20 Jahren ausgetreten“, so Schmidt. 2016 ist er dann bei „Die Partei“ eingetreten.

Besonders aktiv ist Schmidt beim Thema Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus. Als die Zweibrücker Neonaziszene am 14. März einen Fackelmarsch zum Gedenken an die Bombardierung Zweibrückens abhielt, da protestierten „Partei“-Mitglieder mit Plakaten, auf denen ein Dackel zu sehen war. Slogan: „Dackelärsche statt Fackelmärsche.“ Doch auch wenn das viele Schmunzler entlockte, will Schmidt das nicht als Unfug abgetan sehen. „Als vernünftiger Mensch kann man sich nur dagegen stellen. Dazu muss man nicht explizit links sein“, findet er.

Doch warum tut er sich das alles als Kandidat einer Kleinstpartei an? „Der Einzug in den Bundestag ist das Ziel, selbstverständlich“, sagt Schmidt, beinahe erstaunt über die Frage. Auf eine Absicherung über die Landesliste habe er verzichtet, wolle den Wahlkreis direkt gewinnen. „Wir haben definitiv den sympathischsten Direktkandidaten aller Zeiten.“