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Physikunterricht nur für Mädchen: Schule zufrieden

Physikunterricht nur für Mädchen: Schule zufrieden

Bleiben Mädchen in naturwissenschaftlichen Fächern hinter ihren Fähigkeiten zurück, wenn sie gemeinsam mit Jungs lernen? Um das zu klären, werden einige Helmholtz-Schüler in Physik getrennt unterrichtet (wir berichteten ausführlich). Das Fazit nach einem Jahr fällt positiv aus.

Ein Jahr nach dem Start von getrenntem Physikunterricht für Jungen und Mädchen zeigt sich das Hofenfels-Gymnasium in Zweibrücken mit dem Projekt zufrieden. "Ich bin der Meinung, es läuft gut" bilanziert Physiklehrer Michael Scheffe. Die Frage, ob sich Mädchen tatsächlich eher für Physik begeistern, wenn sie getrennt von Jungs unterrichtet werden, lasse sich aber noch nicht beantworten. Für wissenschaftlich belegbare Ergebnisse sei es noch zu früh.

Am Helmholtz-Gymnasium wurden zwei 7. Klassen zu Beginn des vergangenen Schuljahrs in eine reine Mädchen- und Jungengruppe geteilt. Zwei weitere Klassen bilden die Kontrollgruppe. Das Projekt soll noch drei Jahre dauern.

Katharina Weisel von der Hochschule Kaiserslautern begleitet den Versuch. Ergebnisse ließen sich noch nicht absehen: "Wir müssen die weiteren Erhebungen abwarten." Generell biete getrennter Unterricht Mädchen die Möglichkeit, sich unabhängig von Geschlechterstereotypen mit dem Fach anzufreunden, sagte Weisel. Andere Forscher wie Jürgen Budde aus Flensburg sind skeptischer. Durch die Trennung von Jungen und Mädchen könnten bestimmte Rollenbilder und Stereotype sogar noch gefestigt werden. Ähnliche Sorgen äußerte die Landesschülervertretung Rheinland Pfalz.

Im Merkur-Bericht vom Oktober 2015 hatten sich von uns befragte Schüler positiv zu dem Pilotprojekt geäußert. Der Tenor: So könnten sich Mädchen eher trauen, sich im Unterricht zu Wort zu melden. Ein weiterer Aspekt lautete: Ohne die Jungs sei es im Unterricht nicht so laut, die Mädchen könnten ruhiger den Ausführungen des Physiklehrers folgen. Aber es gab aber auch vereinzelte Stimmen unter Schülerinnen, dass sie sich als Versuchskaninchen sehen würden.

Zweibrückens Bürgermeister und Schuldezernent Rolf Franzen hatte aufgrund seiner Erfahrung als Lehrer erklärt, er fürchte durch die Trennung einen "Physikunterricht light" für die Mädchen ; diese Aussage hatten daraufhin von uns befragte Mädchen kritisiert.