1. Pfälzischer Merkur
  2. Zweibrücken

Pfarrer Meyer geht nach 37 Jahren in Ruhestand

Pfarrer Meyer geht nach 37 Jahren in Ruhestand

Nach ungewöhnlich langer Zeit im selben Amt verabschiedet sich Pfarrer Viktor Meyer am Silvesterabend bei einem Gottesdienst in der Alexanderskirche von seiner Gemeinde.

Schon über vier Jahrzehnte ist der in Saarbrücken groß gewordene Viktor Meyer protestantischer Pfarrer . 37 Jahre und vier Monate davon im Pfarramt Zweibrücken-Mitte 3. Eine sehr, sehr lange Zeit, heutzutage kaum mehr vorstellbar. Dekan Martin Lugenbiehl hatte Meyer, der sein Vikariat in Bad Dürkheim und an der Uniklinik in Homburg als Krankenhausseelsorger absolvierte, eingeführt. Pfarrer aus Berufung zu sein, das lebte der Pfarrer bis zum letzten Tag vor.

Aufgrund der Vorschriften der Landeskirche über die Pfarrstellenbudgetierung ist für den 66-Jährigen keine erneute Verlängerung möglich, denn die Stadtmitte-Pfarrämter 4 und 3 werden zusammengelegt. Für Meyers bisherige Gemeinde wird Pfarrerin Ursula Müller vom bisherigen Pfarramt 4 zuständig. Silvester ab 17 Uhr wird Meyer in der Alexanderskirche beim Gottesdienst verabschiedet.

Dass für Pfarrer Meyer die Postanschrift Karlstraße 1 jahrzehntelang Bestand haben wird, konnte der bei seiner Amtseinführung gerade einmal 29 Lenze zählende Jungpfarrer nicht erahnen - wenngleich es schon damals ein Wunsch seines Vorgängers Theodor Kabs gewesen sei, er möge für längere Zeit auf der Pfarrstelle und damit der Sorge für die Gemeinde verbleiben. Im letzten Brief an die Gemeindeglieder, in welchem Meyer die mehr als 37 Jahre währende Amtszeit Revue passieren lässt, merkt er an, dass Kabs auf 23 Jahre kam, die Zeitspanne also um ein Vielfaches überschritten wurde.

Auf Hobbys im Ruhestand angesprochen antwortet Meyer spontan: "Ich werde weiter Pfarrer sein, denn Pfarrer ist und bleibt für mich Berufung." So will er als Urlaubsvertreter aktiv werden. Die Leitung der Ökumenischen Sozialstation Zweibrücken-Stadt wurde ihm bereits vor 13 Jahren übertragen, unlängst ist Meyer für weitere vier Jahre als Vorsitzender bestätigt worden.

Gern wäre der scheidende Seelsorger in seiner gewohnten Umgebung als Hausmieter verblieben. Weil das gleichfalls nicht möglich ist, muss sich Meyer auf Wohnungssuche begeben. Möglichst nahe der Stadtmitte, denn obwohl im Besitz des Führerscheins, das Autofahren ist nicht sein Ding.

Erlebt hat Pfarrer Viktor Meyer viel. Ermordete Gemeindeglieder und Kinder zählten dazu. Das sei besonders schwierig gewesen. Gut 1500 Beerdigung habe er wohl in seiner Amtszeit gehabt. Mit dem Zuzug von Russlanddeutschen in den 80er Jahren habe die Gemeinde eine sehr "willkommene Spritze" bekommen, Meyer freut sich über viele Nachkonfirmierungen. Dabei seien Kontakte entstanden, die noch heute bestünden.