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Pfalz-Touristik: Macht Zweibrücken Austritt rückgängig?

Abstimmung im Zweibrücker Kulturausschuss endet unentschieden : Intensive Debatte um Rückkehr in Pfalz-Touristik

Vor sechs Jahren ist die Stadt Zweibrücken aus der Pfalz-Touristik ausgetreten. Doch kommt dieser Sparversuch die Stadt teuer zu stehen, weil sie so ihr touristisches Potenzial nicht ausschöpfen kann?

Das Ringen um eine Rückkehr Zweibrückens in die Pfalz-Touristik geht weiter. Der städtische Kulturausschuss sollte eigentlich eine Empfehlung an den Stadtrat aussprechen – doch die Abstimmung endete 5:5.

CDU und FDP votierten für eine Mitgliedschaft in dem Verein, der als erste Anlaufstelle für an der Pfalz interessierte (Kurz-)Urlauber gilt. Dagegen stimmten – dem klaren Rat des Kultur- und Verkehrsamts folgend – SPD, Grüne und FWG.

Das Nein der SPD kam etwas überraschend – schließlich hatte im Oberbürgermeister-Wahlkampf 2018 der danach gewählte Sozialdemokrat Marold Wosnitza den Austritt aus der Pfalz-Touristik zum Jahreswechsel 2014/15 als Fehler bezeichnet: Dadurch würden weniger Kurzurlauber auf Zweibrücken aufmerksam.

Wosnitza mailte am Donnerstag auf Merkur-Nachfrage: „Nach Vorliegen der Detailinformationen habe ich meine Position revidiert. Ein verstärktes finanzielles Engagement in der Tourismuswerbung halte ich weiterhin für wichtig. Allerdings sollten wir uns verstärkt um die Aufnahme in der Saarpfalz-Touristik bemühen. Da wir ja über die Südwestpfalz-Touristik bei der Pfalz-Touristik verankert sind, ist dies zielführender.“

Verkehrsamtsleiter Thilo Huble und seine Touristik-Expertin Esther Budell-Hoffmann erläuterten im Kulturausschuss am Mittwochabend, prinzipiell wäre eine Mitgliedschaft natürlich wünschenswert. Aber: Die Kosten (geschätzt 10 000 bis 15 000 Euro Jahresbeitrag plus Zahlungen für besondere Aktionen) wären viel zu hoch für den Nutzen, den Zweibrücken aus der Pfalz-Touristik ziehen könne. Bei der nämlich, so Huble, sei „vor allem Wein und Wald Thema“ – was ja nun nicht gerade die Stärken Zweibrücken seien. Erschwerend hinzu komme die geographische Lage: Zweibrücken sei ganz am Rand der Pfalz. Deshalb habe man nach dem Austritt aus der Pfalz-Touristik die Zusammenarbeit mit der Südwestpfalz-Touristik und der Saarpfalz-Touristik verstärkt. Weitere Investitionen hierein (auch mit Frankreich und dem Biosphärenreservat Bliesgau) brächten mehr als eine Mitgliedschaft in die Pfalz-Touristik, empfahlen Huble und Budell-Hoffmann. Viel bringe Zweibrücken auch die Zusammenarbeit mit der südwestpfälzisch-nordvogesischen „Wander-Arena“ – Themen-Werbung wie hier fürs Wandern sei heute oft effektiver als Werbung für eine Region wie die Pfalz.

FDP-Fraktionschefin Ingrid Kaiser dagegen argumentierte: „Die Pfalz-Touristik ist DAS Marketing-Instrument der gesamten Pfalz. Und wir sollten uns für die ganze Pfalz attraktiv machen, nicht nur die Südwestpfalz.“

Natürlich lasse sich nicht genau messen, ob der Austritt aus der Pfalz-Touristik Zweibrücken Besucher gekostet hat, erläuterten Huble und Budell-Hoffmann. Die von ihnen ausgewerteten Zahlen ließen aber keine Hinweise auf negative Auswirkungen erkennen. Die sinkende Übernachtungszahlen-Kurve der letzten 15 Jahre sähen zwar auf den ersten Blick entsetzlich aus, so Budell-Hoffmann. Aber dieser Trend sei früher mit Faktoren wie Wirtschaftskrise und Bettenabbau zu erklären gewesen – und seit dem Pfalz-Touristik-Austritt wurden die Zahlen bis zur Corona-Krise 2020 sogar eher wieder besser (siehe Grafik). Zudem würden nur 17 Ferienwohnungen ihre Übernachtungszahlen melden, auf privaten Online-Plattformen wie Airbnb hat das Verkehrsamt über 25 weitere Ferienwohnungen in Zweibrücken gefunden.

Von den touristischen Attraktionen Outlet-Center, Badeparadies, Rosengarten, Freibad, Karthaus (2018 eröffnet) und Stadtmuseum habe seit dem Pfalz-Touristik-Austritt nur das Badeparadies nennenswert Besucher verloren, dies aber wohl eher durch die wachsende Konkurrenz.

Für die CDU forderte Pascal Dahler dennoch, den Austritt rückgängig zu machen. Die Pfalz sei auch überregional „ein beliebtes Ausflugsziel und seit Jahren im Aufwind“, da dürfe Zweibrücken als Teil der Pfalz nicht außen vor bleiben. Heute sei Zweibrücken in vielen Publikationen der Pfalz-Touristik „ein schwarzer Fleck“, obwohl „wir durchaus was zu bieten haben“, etwa „Rosengarten, Fasanerie und die Bedeutung für die Demokratie-Geschichte, damit müssen wir mehr anstellen!“. Über die Pfalz-Touristik könnte Zweibrücken „auch überregional in Medien werben, wo Interessierte sich informieren“.

Norbert Pohlmann (Grüne) folgerte aus den vorgestellten Zahlen, dass sich „der Tourismus in Zweibrücken durchaus positiv entwickelt“, er sehe deshalb keinen Grund zum Wiedereintritt in die Pfalz-Touristik. Zweibrücken solle besser selbst „gezielte Werbung machen, nicht mit Wein und Wald“.

SPD-Sprecher Stéphane Moulin meinte ebenfalls: „Unseren Experten fallen zielgerichtetere Dinge ein, die man mit dem Geld machen kann. Wenn man sich an etwas Großes dranhängt, klingt das toll – aber man droht unterzugehen, wenn neben 35 Weinfesten auch noch das Stadtfest auftaucht.“

Kaiser (FDP) ärgerte sich über die Skeptiker: „Es ist typisch Zweibrücken – wir stellen unser Licht schlicht und einfach unter den Tisch. Das ist verkehrt! Zweibrücken ist für alle, die von außen kommen, eine schöne Stadt.“ Wenn man „etwas Geld in die Hand nimmt“, um Zweibrücken stärker zu bewerben, werde sich das auszahlen, indem deutlich mehr Tages- und Wochenend-Ausflügler kommen.

Stadtmuseums-Leitern Charlotte Glück entgegnete, nach 25 Jahren im Kultur- und Tourismus-Bereich sei ihre Erfahrung eindeutig: „Die Pfalz-Touristik bringt uns wenig.“ In einer hoch verschuldeten Stadt wie Zweibrücken sei es wichtiger, „in Ankerpunkte wie Wander- und Radwege zu investieren“, zumal diese auch in Verbindung mit Einkäufen im Outlet genutzt würden.

Budell-Hoffmann betonte: „Wir sind nicht weg aus der Pfalz, nur weil wir nicht mehr in der Pfalz-Touristik sind.“ Ob in Apps, Büchern oder der Rheinland-Pfalz-Touristik, an vielen Stellen sei Zweibrücken weiter zu finden.

Diana Lang (FWG) hielt es angesichts der Zweibrücker Haushaltsnot für eindeutig erfolgversprechender, die Kooperationen mit Südwestpfalz- und Saarpfalz-Touristik auszubauen.

Kommentar unseres Reporters: Wie der Konflikt konstruktiv gelöst werden könnte