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Panik vor Masern ist unbegründet

Panik vor Masern ist unbegründet

In Berlin grassieren derzeit die Masern. Im Gesundheitsamt des Landkreises Südwestpfalz, das auch für Zweibrücken zuständig ist, sind keine Fälle gemeldet. Auch wenn die Krankheit nicht auf die leichte Schulter genommen werden soll, wird vor Panikmache gewarnt.

Der Leiter des Gesundheitswesens bei der Kreisverwaltung Südwestpfalz, Heinz-Ulrich Koch, warnt vor Panikmache, rät aber, die vor allem als Kinderkrankheit bekannten Masern nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Nach seinen Angaben sind Masern höchst ansteckend - sogar schon vor Ausbruch der ersten Anzeichen. Von einer Impfpflicht , die Politiker wegen der in Berlin grassierenden Masern ins Spiel gebracht haben, hält Koch nicht viel.

Effektiver ist nach Auffassung des Leiters des Gesundheitsamtes, das für den Landkreis und die Städte Zweibrücken und Pirmasens zuständig ist, die Bürger richtig aufzuklären. Das scheint in der Südwestpfalz gelungen zu sein. Denn eine Studie berichtete vor zwei Jahren von einer Impfrate von 95 Prozent. Und Koch hat in den vergangenen Jahren ebenfalls festgestellt, dass 95 Prozent der Kinder bei der Einschulung geimpft waren. "Das ist vor allem ein Verdienst der Kinderärzte in der Region", sagt die Sprecherin des Landkreises, Ulla Eder. Der letzte Masernfall wurde dem südwestpfälzischen Gesundheitsamt 2008 gemeldet. Seit 2001 wurden insgesamt fünf Fälle registriert.

Personen, die nicht geimpft sind und die Krankheit bisher auch nicht hatten, sind nach Aussage Kochs gefährdet. Dieser Gruppe rät der Mediziner eine Impfung. Ist die Krankheit ausgebrochen, könne sie mit Medikamenten nicht mehr gestoppt werden. Einzige Vorsorge sei die Impfung "als Topwaffe" gegen die Erkrankung. "Wer als Kind die Masern durchgemacht hat, muss sich keine Sorgen machen", ergänzt Koch.

Der Zweibrücker Kinderarzt und Pressesprecher des Landesverbands der Kinder- und Jugendärzte, Christian Neumann, erhielt nach Bekanntwerden der Masernfälle schon Anrufe besorgter Eltern. "Die allermeisten konnten wir beruhigen. Ihre Kinder sind geimpft." Für Kinder, denen noch die zweite Impfung fehlte, hat die Gemeinschaftspraxis Neumann/Harald Schönhofen "eine Sonderschicht eingelegt". Neumann befürchtet, dass die hohe "Durchimpfungsquote" nicht zu halten sei, wenn es nicht gelinge, die jungen Eltern von Impfungen zu überzeugen. "Darauf verwenden wir viel Zeit." In den letzten Jahren habe sich die Anzahl der impfkritisch eingestellten Eltern erhöht. Einschlägige Publikationen hätten die Eltern verunsichert. "Wenn der Trend anhält, wird man um eine Impfpflicht für bestimmte Krankheiten wohl nicht herumkommen."

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HintergrundDie Grippe ist in Zweibrücken - im Gegensatz zu den Masern - inzwischen recht deutlich eingetroffen. Das macht sich unter anderem bei der Verwaltung der Rosenstadt bemerkbar. Wie Heinz Braun, Sprecher der Stadt, dem Merkur auf Anfrage sagte, seien derzeit 30 Mitarbeiter krank- geschrieben. Zwar kenne die Stadt aus rechtlichen Gründen nicht die Ursache für die einzelnen Krankschreibungen, allerdings sei davon auszugehen, dass die Grippe nicht unwesentlichen Anteil daran habe, erklärte Braun. "Der derzeitige Krankenstand entspricht - bei 600 Mitarbeitern der Stadt - einer Quote von fünf Prozent." Das sei zwar kein extremer Ausreißer - "aber es zeigt, dass wir schon geschwächt sind", sagte der Pressesprecher weiter. eck