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Pallmann kämpft um seine Existenz: Groß-Demonstration vor Sparkasse

Pallmann kämpft um seine Existenz: Groß-Demonstration vor Sparkasse

Zweibrücken. Das Zweibrücker Traditionsunternehmen Pallmann kämpft um das Überleben. Firmenchef Hartmut Pallmann bat gestern zu einer eilig anberaumten Pressekonferenz, an der auch der Leiter des Betriebsrats, Klaus Patsch, und Ralf Cavelius, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Homburg-Saarpfalz, teilnahmen

Zweibrücken. Das Zweibrücker Traditionsunternehmen Pallmann kämpft um das Überleben. Firmenchef Hartmut Pallmann bat gestern zu einer eilig anberaumten Pressekonferenz, an der auch der Leiter des Betriebsrats, Klaus Patsch, und Ralf Cavelius, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Homburg-Saarpfalz, teilnahmen. Pallmann erklärte, sein Maschinenbau-Unternehmen stehe unmittelbar vor der Insolvenz. "Wir brauchen in den nächsten 14 Tagen einen Kredit in Höhe von 2,6 Millionen Euro. Ansonsten droht uns die Insolvenz."Pallmann und Cavelius richteten schwere Vorwürfe gegen die beiden Hausbanken des Unternehmens, die Commerzbank in Stuttgart und die Sparkasse Südwestpfalz mit Hauptsitz in Pirmasens. "Diese beiden Banken wollen Pallmann bewusst in die Insolvenz treiben", sagte Cavelius. Pallmann sagte, sein Unternehmen habe jahrzehntelange Beziehungen zu diesen Banken. "Meine Oma ging früher noch zur Sparkasse, um das Geld für unsere Mitarbeiter abzuholen", verdeutlichte er die engen Kontakte. Nichtsdestotrotz stelle die Sparkasse sich quer; auch die Commerzbank verweigere weitere Kredite. Und das, obwohl Pallmann Forderungen in Millionenhöhe gegenüber Kunden habe. Dieses Geld fließe zeitnah in das Unternehmen zurück und sei eine sehr gute Sicherheit, sagte Cavelius. Es sei völlig unverständlich, dass die Banken dies nicht akzeptierten. "Wir erwarten, dass die Banken in für Pallmann schwierigen Zeiten verantwortungsvoll handeln", mahnte der Gewerkschaftssekretär. Pallmann erklärte den Hintergrund für die Zahlungsschwierigkeiten wie folgt: Das Unternehmen habe sich vom Maschinenbauer zum Anlagenbauer entwickelt. Die komplexen Anlagen erforderten einen langen Anlauf bei der Erstellung, bis sie dann abgenommen und vom Kunden bezahlt seien, könnten "bis zu zwei Jahre vergehen", so der Firmenchef.

Die Zeiträume von der Erstellung eines Produkts bis zur Bezahlung hätten sich verlängert; folglich müssten die Kreditlinien länger laufen. Pallmann habe Probleme, die kurzfristigen Kredite in mittelfristige umzuschichten, weil die Banken sich wegen angeblich mangelnder Sicherheiten querstellten. Pallmann sagte, die Sparkasse sei nicht für seine Argumente empfänglich. "Die Sparkasse will, dass wir in die Insolvenz gehen und uns dort verschlanken. Ich soll 100 Leute köpfen", sagte Pallmann und meinte diesbezüglich, dass die Sparkasse fordere, dass Pallmann in der Insolvenz 100 Mitarbeiter entlasse. Die Beschäftigten seien bereit, über Kurzarbeit und andere Einsparmaßnahmen insgesamt 2,2 Millionen Euro einzusparen. Das komme fast an die aktuell benötigen 2,6 Millionen heran.

Cavelius machte der Commerzbank den Vorwurf, sie habe Pallmann "in der Krise eine Beratungsleistung aufgedrückt". Pallmann sei genötigt worden, die Dienste des Beratungsunternehmens "Helbling Corporate Finance GmbH" in Düsseldorf in Anspruch zu nehmen. Die Berater hätten satte 2,2 Millionen Euro an Honorar eingestrichen. Dem früheren Pallmann-Finanzchef, Bernd Huber, der am 1. Oktober 2011 eingestellt worden war, machte der Firmenchef den Vorwurf, er habe faktisch nur die Interessen der Commerzbank vertreten und Pallmann wirtschaftlich geschädigt; deswegen sei ihm nach nur viereinhalb Monaten, am 13. Februar 2012, fristlos gekündigt worden. Ferner habe man einen Strafantrag gegen Huber gestellt. Das Beratungsunternehmen Helbling wies die Vorwürfe Pallmanns gestern zurück. > Seite 19: Weiterer Bericht Pirmasens. Rund 400 Mitarbeiter des Zweibrücker Maschinenbauunternehmens Pallmann legten gestern Nachmittag nach der Pressekonferenz ihres Firmenchefs Hartmut Pallmann (siehe nebenstehenden Text) den Verkehr in der Pirmasenser Bahnhofstraße lahm. Zwischen 14.30 und 15.30 Uhr demonstrierten sie vor dem Hauptstandort der Sparkasse Südwestpfalz. "Es sind mehr Teilnehmer als wir erwartet haben", zeigte sich Klaus Patsch, Betriebsratsvorsitzender von Pallmann, dankbar über die große Teilnahme. Unter den 400 Teilnehmern (das Unternehmen hat derzeit 453 Beschäftigte) waren zahlreiche Ruheständler Pallmanns. Einige hatten Tränen in den Augen. Der Vorsitzende der Sparkasse, Rolf E. Klein, stellte sich schließlich den Demonstranten. Klein sagte, dass ihn die Entwicklung "nicht kalt" lasse. Allerdings lege das Insolvenzrecht den Banken Schranken auf. Details wolle er vor dem Hintergrund des Bankgeheimnisses nicht bekanntgeben. Außerdem versicherte er, dass sein Institut ein großes Interesse daran habe, "dass die Arbeitsplätze bei Pallmann und damit in der Region erhalten bleiben. Der Verkauf eines Betriebes bedeutet immer auch den Verlust von Arbeitsplätzen". Klein versprach, mit den Betroffenen nach einer Lösung zu suchen.

Enttäuscht zeigten sich Teile der Demonstranten, dass sich die regionalen Politiker, allen voran der Zweibrücker Oberbürgermeister Helmut Reichling, Landrat Hans Jörg Duppré und der SPD-Landtagsabgeordnete Fritz Presl, genauso wenig blicken ließen, wie die Mainzer Wirtschaftsministerin Eveline Lemke. Umso mehr wurde die Anwesenheit der CDU-Bundestagsabgeordneten Anita Schäfer begrüßt. hh

Hintergrund

Die Spitzen der lokalen Politik äußerten sich gestern sehr besorgt über die Entwicklung bei Pallmann. Zweibrückens Oberbürgermeister Helmut Reichling, der zugleich stellvertretender Verwaltungsrats-Vorsitzender der Sparkasse Südwestpfalz ist, sagte, es sei "schlimm, wenn dieses Traditionsunternehmen tatsächlich in die Insolvenz gehen sollte". Auch Bürgermeister Rolf Franzen (CDU) äußerte seine Sorge. Reichling sagte, er stehe mit seinem baldigen Nachfolger Kurt Pirmann in ständigem Austausch, man sei deswegen mehrfach in Mainz bei der Landesregierung vorstellig geworden. Kurt Pirmann (SPD) bestätigte das. "Ich habe auch mit der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz gesprochen. Aber wenn die Geld geben soll, müssen die Hausbanken mitspielen." Pirmann sagte, es sei für Zweibrücken "eine Tragödie", wenn Pallmann in die Insolvenz gehen würde. Das Zweibrücker Stadtratsmitglied Walter Rimbrecht (SPD), Mitglied im Verwaltungsrat der Sparkasse, erklärte: "Mich stört es, wenn jetzt die Sparkasse an den Pranger gestellt wird." Die Sparkasse dürfe nicht einfach neue Kredite geben, sondern habe den gesetzlichen Auftrag, dies an das Vorliegen entsprechender Sicherheiten zu knüpfen. "Ansonsten kann sich eine Bank strafbar machen", nannte Rimbrecht einen wichtigen Aspekt. Auch Rimbrecht sagte, es wäre "ein Schlag für die Stadt Zweibrücken, wenn ein Traditionsunternehmen und hervorragender Ausbilder wie Pallmann in die Insolvenz ginge". Landrat Hans Jörg Duppré (CDU), Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse, sagte nur: "Überhaupt kein Kommentar!" Bezüglich der Vorwürfe von Hartmut Pallmann und IG Metall, die Sparkasse Südwestpfalz wolle Pallmann bewusst in die Insolvenz treiben, sagte Duppré, dass er prüfe, gegen solche Unterstellungen vorzugehen. eck