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Online-Probe der Stadtkapelle Zweibrücken

Online-Probe der Stadtkapelle Zweibrücken : Lieber gemeinsam statt einsam proben

Nachdem die aktuellen Corona-Verordnungen der Stadtkapelle Zweibrücken einen dicken Strich nicht nur durch alle für Mai geplanten Konzerte, sondern auch durch Präsenzproben gemacht haben, probt Zweibrückens Vorzeige-Orchester jetzt online.

„Heute Abend wird die Hütte voll“, freute sich Björn Weinmann, Leiter der Stadtkapelle Zweibrücken, als immer mehr Musikerinnen und Musiker auf dem Bildschirm auftauchten. Mit während der Coronazeit lang gewachsenem Künstlerhaar führte der Kapellmeister durch die Online-Probe, mit der auch Zweibrückens Vorzeige-Orchester sich mittlerweile „auf Kurs“ hält.

Eigentlich hatten die rund 45 Mitglieder inklusive der Erwachsenen- wie der Jugendbläserklassen gehofft, nach Ostern wieder mit Präsenzproben zu beginnen. Für Ende April oder Anfang Mai wollte die Stadtkapelle ihre im Coronajahr 2020 auf dem Schlossplatz begonnene „Standkonzert-Reihe“ fortsetzen. Für das erste Mai-Wochenende war ein Auftritt zur Eröffnung des rheinland-pfälzischen Kultursommers beim Straßentheater-Spektakel geplant, für 16. Mai die Eröffnung der Konzertsaison im Rosengarten, dazwischen mehrere „Atempausen“ in der Alexanderskirche und Ende Mai die traditionelle Pfingstbegegnung mit der französischen Partnerstadt Boulogne sur Mer.

„Es ist manchmal schwer, nicht depri zu werden“, räumt selbst der stets gut gelaunte Vereinsvorsitzende, Volker Lehner, mit Blick auf die säuberlich durchgestrichenen Auftrittstermine ein. Doch nach wie vor stirbt die Hoffnung zuletzt und nach wie vor gilt die Überzeugung der Musiker: „Wir werden es schon schaffen, weil wir gut zusammenhalten!“

So wurde „Rock meets Brass“, das ursprünglich von 2020 auf Mai 2021 verschobene Gemeinschaftskonzert der Rockband Purple Haze und der Stadtkapelle Zweibrücken erneut vertagt. Neuer Termin ist nun Freitag, 11. Dezember, in der Zweibrücker Festhalle – so es denn die Situation erlaubt. Der Erlös der Veranstaltung soll dem Verein „We are one“ gespendet werden, ein Zusammenschluss von saarländischen Fotografen um Gründer Matthias Blum aus Homburg, der mit verschiedenen Aktionen die Palliativ- und Kinderschmerzstation der Uni-Klinik in Homburg unterstützt. Die bereits für das Konzert im vergangenen Mai gekauften Karten behalten ihre Gültigkeit.

Denn „aufgeben“ ist für die Stadtkapelle keine Option. Deshalb entschloss sich das Orchester dazu, jetzt den Schritt zur Online-Probe zu wagen. „Das klappt ganz gut“, fasst der Vorsitzende die Rückmeldung aus der Gruppe zusammen. Zwar sind noch nicht alle Instrumentalisten an Bord, doch quer durch alle Altersstufen kommt regelmäßig die gute Hälfte zusammen.

Jeder Musiker hört dabei lediglich das, was Björn Weinmann sowohl einspielt als auch live dazu musiziert. Je nach Bedarf, wechselt der vielseitige Blasmusiker dabei die Instrumente. Seit Jahresbeginn üben die Musiker im stillen Kämmerlein nicht nur bekannte Konzert-Literatur, sondern erarbeiten sich mit Noten und Akustik-Aufnahmen selbständig ihre Stimme für neue Stücke.

„Unser hohes Niveau können wir auf diesem Weg nicht halten. Deshalb spielen wir jetzt Werke, die Spaß machen und toll klingen, ohne uns aktuell zu überfordern“, beschreibt Volker Lehner.

Zum „eher gemütlichen“ Einstieg wählte Björn Weinmann bei der Probe Santana, gefolgt von „Oh, when the saints go marching in“, einem Gute-Laune-Titel schlechthin. Doch eines Stimmungsaufhellers bedarf es gar nicht, denn die Freude am gemeinsamen Musizieren – und sei es am PC – ist den Teilnehmern deutlich anzumerken. Hoch konzentriert wird gearbeitet – und dennoch: „Kannst du uns nicht die Einsätze geben. Damit habe ich echt Probleme“, bat Trompeter Walter Rimbrecht und erntete vielseitiges Kopfnicken.

Die Technik spielte mit, denn „wenn der Ton hängt, hängt auch das Bild. Das läuft tatsächlich synchron“, erfuhr Björn Weinmann auf seine Nachfrage.

 Bei der Online-Probe griff Kapellmeister Björn Weinmann auch selbst zum Saxophon. 
Bei der Online-Probe griff Kapellmeister Björn Weinmann auch selbst zum Saxophon.  Foto: Cordula von Waldow

Bei dem neuen Stück „Tetris“, bei dem, wie bei dem gleichnamigen Spiel, zahlreiche Elemente passgenau zusammengeführt werden müssen und vor allem bei dem neuen Medley mit Evergreens aus aller Welt war das Dirigat hilfreich. „Das ist ja an sich kein Hexenwerk, bis auf die Tempowechsel“, ermutigt Björn Weinmann. Doch nicht nur dafür ist eine Online-Probe hilfreich. Fragen lassen sich sofort beantworten. Und mindestens so wichtig ist der soziale Aspekt. Volker Lehner bestätigt: „Man sieht sich. Das fördert den Zusammenhalt in der Gruppe und nährt die Hoffnung.“