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Oberst Meyer: Soldaten unzufrieden mit Standort in Zweibrücken

Niederauerbach-Kaserne : Soldaten unzufrieden mit Standort

Oberst Meyer kritisiert das lange Warten auf eine neue Küche und den baulichen Zustand der Kaserne.

Es gibt einige Sprichwörter in der deutschen Sprache, die die Bedeutung des Essens aufzeigen. „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“, ist solch ein Sprichwort. Die Bundeswehr hat ein ganz eigenes geflügeltes Wort dafür geschaffen: „Ohne Mampf kein Kampf.“ Soll heißen: Wer nicht anständig verpflegt wird, dem fällt es schwer, vollen Einsatz zu zeigen.

Kein Wunder also, dass Oberst Meyer ausgesprochen unzufrieden ist, wenn er auf den baulichen Zustand der Niederauerbach-Kaserne und an die Küchenverhältnisse dort angesprochen wird.

Und natürlich wird Oberst Meyer bei seinem Besuch der Merkur-Redaktion darauf angesprochen. Nicht zuletzt deshalb, weil Meyer, Kommandeur des Fallschirmjäger-Regiments 26, bereits beim Neujahrsempfang der Stadt Zweibrücken  eine kritische Anmerkung hatte. Er sprach von einer „dringend notwendigen Zwischenlösung für unsere Küche“, und klagte, dass diesbezüglich „wenig passiert“ (wir berichteten).

Nun, bei seinem Besuch des Merkur, stellt sich heraus: Diese Worte waren noch äußerst diplomatisch gewählt. „Wenig passiert“, könnte durchaus auch abgeändert werden in: gar nichts passiert.

Die Küche in der Niederauerbach-Kaserne musste bereits im August 2016 wegen Schimmelbefalls geschlossen werden (wir berichteten), blickt Meyer zurück. Und seitdem ist Warten angesagt.

„Wir warten seit vier Jahren auf eine Container-Küche“, sagt der Kommandeur. Dabei handele es sich um eine Art Seecontainer, also einen großen Container, darin eine hochmoderne Küche.

Aber außer Warten hat sich noch nicht viel getan. Die Container-Küche kommt nicht. Stattdessen sieht der kulinarische Alltag in der Niederauerbach-Kaserne, seit die alte Küche dichtmachen musste, wie folgt aus: „Unser Essen wird in Lebach zubereitet, dann nach Zweibrücken gefahren und dort erhitzt. Die Qualität des Essens ist natürlich nicht so gut, wie wenn wir es direkt vor Ort zubereiten würden“, sagt Meyer.

Kein Wunder also, dass Meyer feststellen muss: „Es ist eine Unzufriedenheit in der Truppe auszumachen, was die Verpflegung anbelangt.“ Und natürlich greift Meyer zur Begründung auf das oben genannte Sprichwort zurück: „Ohne Mampf kein Kampf.“

Der „Mampf“ dürfte in Sachen Qualität wohl auch dieses Jahr keine Aufwertung erfahren, fürchtet Meyer.

Seines Wissens nach gebe es immer noch keine Ausschreibung für die Anschaffung der Container-Küche. Diese hätte eigentlich in den ersten Wochen des Jahres stattfinden müssen, damit man Ende 2020 mit dem Aufbau des Containers hätte starten können.

Aber: „Bei uns würde niemand ein Bier darauf verwetten, dass es dieses Jahr noch so kommt“, merkt Meyer trocken an.

Nicht nur die fehlende Küche macht dem Kommandeur Sorgen. Grundsätzlich sei die Niederauerbach-Kaserne in keinem guten Zustand. „Die Infrastruktur ist weiterhin sehr unbefriedigend“, sagt er. Natürlich gebe es auch einen positiven Schritt zu vermelden: Im vergangenen Jahr wurde in der Zweibrücker Kaserne eine neue Sporthalle eingeweiht (wir berichteten).

Aber auch die sei nicht von heute auf morgen entstanden. „Es brauchte zehn Jahre dafür“, bilanziert Oberst Meyer.

Ein Problem sei, dass der Bund die Baumaßnahmen nicht selbst durchführe, dies täten die Länder, erläutert er. „Wir stehen in einer langen Reihe von Bauprojekten des Landes“, weiß der Kommandeur. Das mache es nicht einfacher. Genausowenig wie die Tatsache, dass die komplette Niederauerbach-Kaserne unter Denkmalschutz steht.

Die Kaserne müsse gänzlich saniert werden, „ursprünglich gab es mal die Vorstellung, dass das bis 2025 geschafft ist. Aber das ist utopisch“, ist der Oberst Realist.

Aktuell gebe es immerhin Arbeiten im Sanitätsbereich der Niederauerbach-Kaserne. Mühsam ernähre sich das Eichhörnchen in Sachen Sanierung. „Wir sind vor allem mit Warten beschäftigt“, konstatiert der Kommandeur.

Die Niederauerbach-Kaserne in Zweibrücken. Foto: Eric Kolling

Anmerkung Das Gespräch mit Oberst Markus Meyer, auf dem dieser Text basiert, wurde bereits vor Beginn der Corona-Pandemie geführt. Daher ist sie nicht Thema im Text.