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OB will Geld für HändlerZweibrücker Soldaten gehen auch 2011 nach Afghanistan

OB will Geld für HändlerZweibrücker Soldaten gehen auch 2011 nach Afghanistan

Zweibrücken. Der Kommandeur der Niederauerbach-Kaserne hat Zweibrücken gestern Abend als "eine Garnisonsstadt, die wie keine Zweite mit Herz zu ihren Soldaten steht" gewürdigt

Zweibrücken. Der Kommandeur der Niederauerbach-Kaserne hat Zweibrücken gestern Abend als "eine Garnisonsstadt, die wie keine Zweite mit Herz zu ihren Soldaten steht" gewürdigt. Oberstleutnant Andreas Steinhaus, gerade von einer einwöchigen Stippvisite in Afghanistan zurück, berichtete bei dem gemeinsamen Neujahrsempfang von Stadt und Bundeswehr: "Den Kameraden ist das Wissen um den Rückhalt, den sie hier in Zweibrücken genießen, sehr wichtig. Dies insbesondere angesichts der Auseinandersetzungen, in denen partei- oder tagespolitische Scharmützel nach meiner ganz persönlichen Meinung auf dem Rücken unserer nationalen Handlungsfähigkeit und derer, die sie umsetzen, ausgetragen werden." Auseinandersetzungen über rechtliche Grundlagen und Ziele des Einsatzes seien notwendig, so Steinhaus. "Aber es sind nicht die Soldaten, die entschieden haben, nach Afghanistan zu gehe, und nicht die Soldaten, die sich nun überlegen müssten, was dort eigentlich zu tun ist." Seine feste Überzeugung sei, dass es keine Wahl gebe zwischen "gutem zivilen Aufbau oder böser militärischer Absicherung": Beides gehe nicht ohne das andere.Seit November sind 150 Zweibrücker Fallschirmjäger in Kundus, seit kurzem auch zwölf Feldjäger. Steinhaus. "Ab März bis September werden sie von etwa 70 Kameraden unserer Luftlandeaufklärungskompanie abgelöst." Die Rückkehrer "freuten sich nach Monaten von Gruppenrationen und Einsatzverpflegung schon auf den durch den Sie, Herr Oberbürgermeister, angekündigten Schwenkbraten mit gutem Bier". Auch 2011 werde die Niederauerbach-Kaserne "absehbar mit nennenswerten Kräften im Einsatz sein".

Steinhaus überreichte dem Soldatenhilfswerk einen Scheck über 1037,29 Euro, gespendet von den Adventskonzert-Besuchern am 17. Dezember. lf

Zweibrücken. "Der Bereich Kinder, Jugend und Schule wird immer mehr zu einem ganz wichtigen Standortfaktor", sagte Oberbürgermeister Helmut Reichling gestern beim Neujahrsempfang der Stadt Zweibrücken. Sanierung und Ausbau von Kindergärten und Schulen sei deshalb 2010 "der wesentliche Akzent unserer kommunalpolitischen Tätigkeit".

Reichling setzt aber nicht nur darauf, "Beruf und Familie immer besser zu verbinden", sondern fordert auch, Deutschland müsse "durch eine gezielte Einwanderungs- und Integrationspolitik die Bevölkerungszahlen stabilisieren". Reichling: "Wenn Zweibrücken wachsen soll und nicht schrumpfen, dann wird die Integration von Neubürgern eine der großen gesellschaftlichen Aufgaben dieser Stadt."

Obwohl auch viele Migranten mit Geschäften die Innenstadt belebten, sei diese in einer Krise, räumt Reichling ein: "Wie Zahnlücken in einem früher makellosen Gebiss, machen die Leerstände unsere innerstädtischen Einkaufsbereiche nicht gerade attraktiver." Zweibrücken stehe "vor drei Aufgaben, deren Lösung für uns fast überlebenswichtig und auch eine große Chance ist. Erstens: Die Innenstadt muss stärker von den zwei Millionen Besuchern, die jährlich in das Outlet-Center kommen, profitieren. Zweitens: Es darf nicht zu einer gefährlichen Spirale aus qualitativ und quantitativ rückläufigem Angebot und sinkender Einkaufsfrequenz kommen. Drittens: Das innerstädtische Einzelhandelsangebot darf nicht standardisiert sein. Kein Besucher kommt zu uns, um hier dieselben Filialisten und Ketten zu finden, die er auch von zuhause kennt."

Ein attraktives Angebot zu schaffen, koste aber Geld. Viele Händler verdienten nicht mehr genug, um in hochwertige Einrichtung oder Personalschulungen zu investieren. Das sei deutschlandweit ein "Dilemma". Reichling fordert deshalb "ein umfangreiches Förderprogramm für den mittelständischen Einzelhandel", um alle drei Probleme zu lösen. "Die Struktur für eine solche Förderung kann über das zuständige Ministerium in enger Zusammenarbeit mit der ISB und KfW rasch geschaffen werden." Die Stadt werde ihren Beitrag zur Problemlösung vor allem leisten, indem sie Fußgängerzone und Alexanderplatz umgestalte. Reichlings Visionen sind heute etwas kleiner als früher

Claudia Reister

Die Leerstände sind das große Problem Zweibrückens

Alfons Zwick

Meinung

Gewichtige AnstößeGewichtige Anstöße

Von Merkur-RedakteurLutz FröhlichVon Merkur-Redakteur

Lutz Fröhlich

Selten gab es im vergangenen Jahrzehnt eine Neujahrsrede eines Oberbürgermeisters mit so wenig konkreten Aussagen, was im neuen Jahr in Zweibrücken Neues getan wird - was natürlich auch eine Folge der zunehmenden finanziellen Handlungsunfähigkeit Zweibrückens (wie unzähliger anderer Kommunen) ist. Doch inhaltsleer war Helmut Reichlings Rede gestern nicht. Im Gegenteil. Mit seiner Forderung an Bund und Land, mehr für den mittelständischen Einzelhandel zu tun, hat der OB ein für Zweibrücken neues, ganz wichtiges Thema angestoßen, das hoffentlich noch zu vielen Debatten - und Ergebnissen - führen wird. Ergebnisse hoffentlich schneller, als das in Zweibrücken üblich ist. Die seit vielen Jahren angekündigte Sanierung der Fußgängerzone hat Reichling zwar erneut angekündigt, aber kein Datum genannt.