Oase der Zweitklassigkeit

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Zweibrücken. Oberbürgermeister Helmut Reichling hat es beim Neujahrsempfang einmal mehr betont: Zweibrücken ist ein Mythos. Das scheinen sogar die Fernsehmachern von Pro Sieben zu wissen. Da ist Zweibrücken allerdings nur dann erste Wahl, wenn es ums Thema Zweitklassigkeit geht. Hintergrund ist ein Spot aus der Sketch-Show "Switch reloaded", der in Online-Communties für Gesprächsstoff sorgt. In der Show werden alle möglichen Sendungen des deutschen Fernsehens durch den Kakao gezogen, von "Beckmann" über das "Heute-Journal" bis hin zu "Wer wird Millionär". Der Namen Zweibrücken tauchte hier in einer einminütigen Episode von "Sonnenschein TV" auf, einer Verulkung des Reise-Verkaufssenders "Sonnenklar TV". Schauspielerin Susanne Pätzold preist darin eine Reise speziell für Fans des als ewigen Zweiten verspotteten Fußballbundesligisten FC Schalke 04 an. Pätzold: "Sie reisen in einem zweitklassigen Bus zweiter Klasse auf der A 2 nach Zweibrücken, wo sie als Zweiter am Buffet zweitklassige Steaks von einem zweitklassigen Koch zu sich nehmen." Die Rosenstadt als Ziel zweiter Klasse, die Wirkungsstätte von Sternekoch Jörg Glauben verspottet als Ort, an dem es nur zweitklassiges Essen gibt, die Fasanerie gerückt in die Nähe zweitklassiger Hotels? Hat sich da etwa Switch-Reloaded-Ensemblemitglied Bernd Hoëcker revanchiert, weil ihm bei einem Auftritt in Zweibrücken der Applaus zu schnell abebbte? Immerhin gastierte er in der Rosenstadt am 3. Juli 2009, der Clip bei Switch reloaded lief erstmals kurz danach am 23. September 2009. Diese Vermutung entkräftet allerdings Pro-Sieben-Sat1-Sprecher Frank Wolkenhauer auf Merkur-Nachfrage. Es sei zwar durchaus üblich, dass auch die Darsteller an den Ulk-Spots mitschrieben - im Falle des Zweitklassigkeits-Stücks hingegen seien es Autoren gewesen. Wolkenhauer nennt es einen "Zufall", dass sie gerade Zweibrücken zur Lachnummer gemacht haben. Wolkenhauer: "Es ging darum, den 'ewigen Zweiten' zu parodieren. Zweibrücken war der erste Gedanke der verantwortlichen Autoren zu einem Ortsnamen, der mit 'zwei' beginnt." Eine ernüchternde Einschätzung aus der Fremde. Immerhin war Zweibrücken den Autoren präsenter als Zweiflingen (Baden-Württemberg), Zweifelscheid (Rheinland-Pfalz) oder Zweimen (Sachsen-Anhalt). "Es ging darum, den 'ewigen Zweiten' zu parodieren."Frank Wolkenhauer, Sprecher Pro Sieben