Notausgang Festanstellung

Die Versicherungs-Summen für Hebammen sind schon jetzt hoch, ab 2015 könnte es gar keine Versicherung mehr geben – was es freiberuflichen Hebammen unmöglich machen würde, in der Geburtshilfe zu arbeiten. Auch die Zweibrücker Hebammen sind in Sorge.

. Babys auf die Welt zu bringen, ist teuer geworden. Das spüren vor allem freiberufliche Hebammen. Sie bekommen keine Haftpflichtversicherung mehr, da keine Versicherung das Risiko von Schadensansprüchen eingehen will (wir berichteten). Diese sind zwar nicht häufiger, aber dafür teurer geworden, da Zahlungen länger geleistet werden müssen. Diese Entwicklung macht auch den Zweibrücker Beleghebammen am Evangelischen Krankenhaus Sorgen.

"Wir stehen vor dem Aus, wenn keine Lösung gefunden wird", sagt Leonarda Grünig, "da hilft nur noch eine Lösung auf politischer Ebene." Schon jetzt sind die Versicherungspolicen der Berufshaftpflicht für Hebammen sehr hoch. "Im Sommer sollen sie auf etwa 5090 Euro pro Jahr steigen", erzählt Stephanie Dewor, "im Schnitt verdienen wir rund 300 Euro pro Geburt — da kann sich jeder ausrechnen, wie viele Geburten wir betreuen müssen, um überhaupt die Versicherung bezahlen zu können." Zudem müssen sie noch weitere Kosten, wie Kranken- und Rentenversicherung tragen, da sie freiberuflich arbeiten. Im Evangelischen Krankenhaus Zweibrücken arbeiten zehn Beleghebammen, und im Schnitt finden dort im Jahr 400 Geburten statt.

"Die Schere geht extrem auseinander", sagt Sigrid Bäcker, "auf der einen Seite haben wir, von der Versicherung her, einen extrem gefährlichen Beruf mit hohen Kosten und auf der anderen Seite haben wir, vom Verdienst her, gar keinen gefährlichen Beruf mit wenig Gehalt". "Wenn es keine andere Lösung gibt, müssen wir uns anstellen lassen", sagt Grünig, "allerdings sind wir gerne freiberuflich und wollen es auch bleiben." Auch im Krankenhaus gibt es derzeit noch keine Pläne, die Hebammen fest anzustellen.

Der Vorteil von Beleghebammen ist, dass sie eine Schwangere von der Vorsorge über die Geburt bis zur Nachsorge begleiten. "So hat jede Patientin ihre eigene Hebamme zur individuellen Betreuung. Mit festangestellten Hebammen ist diese nicht möglich: Sie arbeiten nach einem Dienstplan, so dass die Schwangere von der Hebamme entbunden wird, die zum Zeitpunkt der Geburt im Dienst ist", sagt Dr. Peter Mayer, Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe am Evangelischen Krankenhaus. Ab Sommer 2015 hätten Hebammen nach jetzigem Stand keine Versicherung mehr und können ihren Beruf dann nicht mehr ausüben. Dieses Thema beschäftigt auch das Krankenhaus. "Uns beschäftigt die Frage, wie die Hebammen zu versichern sind. Grundlegend fragen wir uns, wie die Patientenversorgung ohne freiberufliche Hebammen aussieht", sagt Mayer.

Die Zweibrücker Hebammen sind aber optimistisch. "Es betrifft ja Tausende Hebammen", sagt Stephanie Dewor, "und ich kann mir nicht vorstellen, dass ein ganzer Berufsstand ausstirbt."