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„Nikola Dicke und Brandstifter“ in Zweibrücken

Kein Strom am Herzogplatz : Lichtkunst-Aktion zieht zur Alexanderskirche um

Die für den späten Samstagabend am Zweibrücker Rathaus geplante Lichtkunst stand unter keinem guten Stern. Zum einen war das Wetter alles andere als ideal. Und dann musste die von Nikola Dicke und dem Künstler Brandstifter vorgesehene Lichtinstallationskunst kurzfristig vor die Alexanderskirche verlegt werden.

Der Grund dafür ein ganz simpler: Um gleißendes Projektionslicht auf das Rathausgebäude als große Projektionswand werfen zu können, musste Strom her. Doch der erforderliche Saft konnte nicht fließen. 30 Minuten warteten gut 100 Neugierige auf dem Herzogplatz, hatten teilweisen auf den Bänken und Treppen Platz genommen, waren gespannt auf das, was Nikola Decke und Brandstifter aus ihrem roten VW-Bus heraus projizieren wollten.

Stattdessen war ein Übersiedeln zum Alexanderplatz angesagt. Eine Anwohnerin dort, die ein offenes Herz für Künstler, Ideen und Mitmenschen hatte, stellte den notwendigen Strom in Aussicht, damit das Kunstwerk überhaupt „bildhaft“ werden konnte. Statt weißem Hintergrund wurde also der rote Sandstein der Kirche zur Projektionsfläche. Dennoch, es klappte und daran mochte auch der einsetzende Regen nichts ändern.

Rote, kopf- und körperlose Augen wurden auf rotbraunem Sandsteingemäuer sichtbar. Schwarze Zeichen, eine Personengruppe im einfach Strichstil wurden erkennbar. Es wurde wortlos kommuniziert. Nikola Dicke und Brandstifter gaben Impulse. Stumme Botschaften, Notizen Zettel, Hinweise. Im Großstadtgewusel von Brandstifter aufgeklaubt. „Wir zeichnen nicht, unsere Vorlagen sollen Anregung sein, die Mitmenschen animieren zum Mitmachen“, so die Losung der Künstler. Deshalb füllte sich das auf dem Overheadprojektor liegende Blatt langsam mit Botschaften. Ohne Getöse, ohne ein großes Drumherum.

Dass an diesem Samstagabend ausgerechnet eine Flüchtlingsfamilie aus Syrien zu den ersten zählte, die den Stift ergriff und mit der beschriebenen Übertragungshilfe auf die großflächige Steinwand der Alexanderskirche projizierte, war für das Künstler-Duo ein besonders gutes Zeichen. Ein Zeichen des Aufeinanderzugehens, was auch im Alltag helfen würde, verschlossene Räume zu öffnen, mehr über den Mitmenschen zu erfahren.