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„Nightcrawler“ auf DVD: Die perverse Jagd nach dem Glück

„Nightcrawler“ auf DVD: Die perverse Jagd nach dem Glück

Lou Bloom ist kein Sympthieträger. Auf den ersten Blick weiß man, dass sein Lächeln kriecherisch, sein Blick nur gespielt treuherzig ist. Er kleidet sich schäbig und sein Haar liegt sehr glatt am Kopf; vermutlich hat es eine Wäsche nötig.

Der Mann spricht mit leiser Stimme und es klingt schleimig. Alles an Lou Bloom wirkt billig, dabei ist er keineswegs ein Schlichtling wie Travis Bickle. Lou hat eine schnelle Auffassungsgabe, was er auch gern betont, und er lässt den Worten Taten folgen, als er erkennt, dass man viel Geld machen kann, wenn man früh genug am Tatort eines Unfalls oder besser noch eines Verbrechens mit einer Kamera bereit steht und filmt. In Los Angeles gibt es genügend Fernsehsender als Abnehmer. Lou sucht sich den kleinsten aus, macht der Redakteurin (starkes Wiedersehen mit Rene Russo ) für aktuelle Lokalnachrichten schöne Augen und ernste Versprechungen auf exklusive Sensationen und dann macht er sich an die Arbeit.

Lou Bloom ist die neue Leinwandinkarnation von Jake Gyllenhaal . Sie ist das mit Abstand fieseste an Charakterbild, was es in einem ernst zu nehmenden US-Film in Jahren zu bestaunen gab. Und staunenswert ist es in der Tat, wie sich der sanftäugige Nachwuchsakteur aus "Donnie Darko" weiterentwickelt hat, seit er für Denis Villeneuve den Polizisten in "Prisoners" und die Doppelrolle in "Enemy" spielte und durchblicken ließ, welche Wandlungsfähigkeit in ihm steckt. Wozu er wirklich fähig sein kann, das erkannten Produzent Tony und sein jüngerer Bruder Dan Gilroy, der als Drehbuchautor hier ein spektakuläres Regiedebüt vorlegt.

Was leichtfertig als Medienthriller beworben wird, ist der auch in seiner Radikalität gerechtfertigte Zerrspiegel auf eine Gesellschaft, die ihre längst pervertierte Idee vom amerikanischen Traum und der Jagd nach dem Glück als bizarre Fratze ihrer selbst vorgehalten bekommt.

Der Anti-Held lügt und betrügt, er manipuliert Unfallszenarien und lockt Leute in den Tod - alles fürs bessere Bild. Dem zuzuschauen ist in seiner stickigen Atmosphäre emotionaler Gleichgültigkeit gleichermaßen schweißtreibend als Thriller und abstoßend als Satire. Der Film beweist Moral, ohne moralisch zu sein. Das Kino hatte einen solchen Film bitter nötig.

Erschienen bei Concorde Video auf DVD und Blu-Ray