Nicht kooperationsbereit

Eine vom Land nachdrücklich angemahnte Kooperation der beiden Zweibrücker Krankenhäuser wird es sobald nicht geben: Das Nardini Klinikum hat das Gesprächsangebot des Evangelischen Krankenhauses mit deutlichen Worten zurückgewiesen.

"Die Tür zum Nardini Klinikum steht weit offen", hatte das Evangelische Krankenhaus Zweibrücken gestern im Merkur neue Gespräche über eine vom Mainzer Gesundheitsministerium immer eindringlicher angemahnte Kooperation angeboten: "Die Kraft reicht nicht mehr für Wettkämpfe." Doch das katholische Nardini Klinikum lehnt das Angebot ab - verbunden mit kritischen Worten Richtung des Nachbarhauses.

"Kooperationen bedürfen realer Situationen", überschreibt das Nardini Klinikum seine gestrige Pressemitteilung. Das Evangelische Krankenhaus habe "sich schon früh in Richtung Universitätsklinikum des Saarlandes orientiert". Deshalb sei es "schon merkwürdig, wenn das Evangelische Krankenhaus in der jetzigen Situation von einer Kooperation der beiden Krankenhäuser in Zweibrücken mit dem Universitätsklinikum des Saarlandes spricht. Für das Nardini Klinikum ist dies keine Option. Nach den Entwicklungen im Evangelischen Krankenhaus in Zweibrücken stellt sich die Frage, wo - aufgrund der Chefarztwechsel - kooperiert werden kann. Wir sind für eine gute Versorgung der hiesigen Bevölkerung mit kompetenten Chefärzten entsprechend aufgestellt. Als großes Verbundkrankenhaus mit 533 Betten an zwei Standorten, wird das Nardini Klinikum die weitere Entwicklung primär mit dem Gesundheitsministerium in Rheinland-Pfalz besprechen."

Die beiden internistischen Chefärzte des Evangelischen Krankenhauses, Dr. Peter Schiedermaier und Dr. Matthias Stopp, wechseln zum Nardini, dass damit seine Zahl internistischer Chefärzte von eins auf drei aufstockt (wir berichteten). Das Nardini ergänzte gestern Details: "Für die Schwerpunkte Kardiologie, Angiologie, Stroke Unit und Pulmologie in der Inneren Medizin 1 wird neben dem bisherigen Chefarzt Dr. Horst Winter ab dem 1. Februar auch Dr. Matthias Stopp tätig sein." Dr. Schiedermaier leite ab 1. Januar die Innere Medizin 1 (Gastroentereologie, Diabetologie und Nephrologie). Die Neuorganisation der Abteilung Innere Medizin trage "dem Zugewinn an Methoden- und Behandlungskompetenz Rechnung. Durch die Einbindung von drei Chefärzten, die hohes Ansehen genießen, wird in der Region Kontinuität gewährleistet und die Versorgung der Patienten optimiert".

Das Evangelische Krankenhauses erklärte gestern zum Nein des Nardini: "Wir sind weiterhin offen für die Kooperation mit dem Nardini Klinikum und richten unsere Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Homburg (UKS) so aus, dass die Zusammenarbeit mit Nardini möglich bleibt. Wir sind weiterhin der Überzeugung, dass eine wohnortnahe abgestimmte Versorgung der Bevölkerung im Dreieck Evangelisches Krankenhaus / Nardini Klinikum / UKS die beste Lösung für eine hochwertige medizinische Versorgung ist."

Das Mainzer Gesundheitsministerium kündigte auf Anfrage "weitere Gespräche mit den Beteiligten" an. Kooperationen seien eine wichtige Maßnahme, um die medizinische Versorgung sicherzustellen.

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Auf einen BlickÄrzte-Abbau auch aus ethischen Gründen: Die Zahl der Fach- und Assistenzarzt-Stellen am Evangelischen Krankenhaus ist zwischen 2013 und 2014 im Jahresdurchschnitt von 25,65 auf 21,85 gesunken, teilte die Klinik gestern mit. Die Oberarzt-Stellen sanken von 25,65 auf 21,85. Zur Einordnung sei folgender Zusammenhang wichtig: "Die im Frühjahr 2013 angestoßene Konsolidierung und Neuausrichtung ist bei der geplanten Erlössteigerung im Leistungsbereich an ihre derzeit möglichen Grenzen gelangt. Daher waren wir zur Personalreduktion im Rahmen der Fluktuation und des qualitativ Möglichen gezwungen - aus ethischen, ökonomischen und qualitativen Gründen 2014 erstmals auch im ärztlichen Bereich. Um die medizinische Versorgung im Haus wie angekündigt weiterzuentwickeln, planen wir für 2015 eine leichte Aufstockung des ärztlichen Personals. Durch die neue strategische Ausrichtung wird ein deutlicher Erlös- und Ergebnisanstieg erwartet. Hiermit ist mit weiteren möglichen Personalaufstockungen zu rechnen." Derzeit plane man für 2015 mit 16 Oberarzt- sowie 22,5 Fach- und Assistenzarzt-Stellen. Bei den Chefärzten nennt das Evangelische Krankenhaus durchgängig die Zahl fünf - zwei davon arbeiten 2015 aber meist in Homburg (wir berichteten). lf