Neustart in Deutschland

Zweibrücken ist für zahlreiche Bürger mit Migrationshintergrund eine neue Heimat geworden. In unserer Serie „Angekommen in der Fremde“ stellen wir einige dieser Menschen vor. Heute ist es Elena Loch.

Begeisterung und Engagement strahlt Elena Loch auch frühmorgens aus, wenn sie mal nicht gerade mit einem ihrer vielen Kurse beschäftigt ist. "Ich unterrichte täglich sieben Stunden und an den Wochenenden steht meist noch hartes Training in den Weiterbildungslehrgängen auf dem Programm", erzählt sie. Die Zweibrückerin ist deutsche Meisterin in der Kategorie Fantasy im Bauchtanz, und inzwischen geht sie als Mitglied einer Kompanie auf Tournee, wie zuletzt in Griechenland. "Dann stehe ich mit der internationalen Spitze des Bauchtanzes auf der Bühne", sagt sie zwischen einem verlegenen und stolzen Lächeln.

Mit 25 kam sie mit ihrem Mann und der kleinen Tochter aus Karaganda, der viertgrößten Stadt im Norden Kasachstans, als Aussiedlerin in die Rosenstadt. "Nachdem der Eiserne Vorhang gefallen und die Grenze zwischen Ost und West durchlässig geworden war, sind fast alle deutschstämmigen Bürger der Ex-UdSSR in den Westen gekommen", erzählt sie. Die erste Station war das Übersiedlungslager in Rastatt , in Zweibrücken lebten bereits Verwandte, und im Wohnheim in der Dinglerstraße war Platz frei. In Kasachstan hatte Elena Loch die Mittlere Reife absolviert und begann eine Ausbildung zur Textilverkäuferin, auch um schnell eigenes Geld zu verdienen und ihre Familie unterstützen zu können. Diese Ausbildung würde später in Deutschland nicht anerkannt, so dass die junge Frau alles von vorne beginnen musste. "Das Arbeitsamt drückte mir eine Liste in die Hand und ich sollte die Betriebe abklappern, obwohl ich so gut wie kein Wort Deutsch konnte", erinnert sich Loch. Sie fand eine Lehrstelle in einer Metzgerei und besuchte zusätzliche Deutschkurse, um die Gesellenprüfung als Fleischfachverkäuferin abzulegen - was ihr mit Auszeichnung gelang.

Bereits als Kind in Kasachstan hatte sie den Traum vom Tanzen und wollte unbedingt in einer Ballettschule aufgenommen werden, doch die staatlichen Rekrutierer hatten sie nicht ausgewählt. "Ich weinte damals sehr lange und wollte nie mehr tanzen!" Es waren dann starke Rückenschmerzen nach zehn Jahren harter Arbeit in der Metzgerei, die die Entscheidung brachten. "Ich litt an Lähmungserscheinungen und nach vielen erfolglosen Bemühungen als letzte Rettung wurde mir der Tanz empfohlen." In der VHS Zweibrücken fand Elena Loch ein passendes Kursangebot in Bauchtanz. Bald wuchs sie über die Kurse hinaus, bildete sich weiter, wurde selbst zur Kursleiterin und ist heute deutsche Meisterin. "Und mein Rückenschmerz ist weg!"

Seit fünf Jahren hat sich Elena Loch mit ihrer eigenen Tanzschule selbstständig gemacht. "ich würde nie ein Kind zurückweisen, denn jeder, Kind oder Erwachsener, hat die Möglichkeit, sich über Tanz auszudrücken und auf der Bühne zu stehen. Die magische Kraft der Musik und der Körpersprache wirkt fast immer." Zwischen vier und 70 Jahren liegt das Altersspektrum der Schülerinnen in ihrem Tanzstudio. "Tanzen ist auch Leistungssport und es gehört viel Krafttraining zum Erfolg dazu", unterstreicht sie. Und die heute 45-Jährige hat noch einige ehrgeizige Ziele auf internationaler Bühne vor sich.